Jeder kennt so ein Buch | Der Dienstag dichtet

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Da ich kaum Gedichte schreibe, habe ich den Dienstag zum Gedichte-Tag erklärt und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt.
Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben.
Mit von der Partie sind bisher
Stachelbeermond
Mutigerleben
Wortgeflumselkritzelkrams
Werner Kastens

Ob das schon als Quatschgedicht zählt? Naja, inspired by Dietmar Dath – Die Abschaffung der Arten.

 

Jeder kennt so ein Buch

große wörter strömen aus meinen
fingern meine speiseröhre hinab.
ich verdaue sechshundert fünfzig
vier. einige silben schmecken nach
tomaten. andere wir schmecken wie
zinnoberrot. eine lange szene liegt
erschöpft an der hinteren darmwand
und schnauft schwer. ich lasse sie
ruhen und pule mir ein paar seiten
weiter die letzten kommata aus den
backenzähnen. als der letzte punkt
sich seinen weg sucht, fühle ich mich
voll. gefüllt. überverfüllt. pfuh. morgen
werde ich aufs fahrrad steigen und
mir die überschüssigen satzeichen
und kapriolen abtrainieren müssen.

genug | Der Dienstag dichtet

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Da ich kaum Gedichte schreibe, habe ich den Dienstag zum Gedichte-Tag erklärt und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt.
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Mit von der Partie sind bisher
Stachelbeermond
Mutigerleben
Wortgeflumselkritzelkrams
Werner Kastens

Diesmal etwas aus aktuellem Anlass.

 

genug

in Schublade
es geht nur rein
geht nur ein
einer geht
nur

bei Laune
unter einer schwelle
schwellen an
schwelend
unter

auf Hut
einer schnappt ein
schnappt nach luft
schnappt
zu

gegen Rede
der wind braust
braut sich zusammen
einer braust
auf

nur Miteinander
es ist zeit genug
es ist genug
es reicht
mir

Zwölfchen | Der Dienstag dichtet

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Da ich kaum Gedichte schreibe, habe ich den Dienstag zum Gedichte-Tag erklärt und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt.
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Mutigerleben
Wortgeflumselkritzelkrams
Werner Kastens

Letztes Mal gabs ein Elfchen und diesmal logischerweise ein Zwölfchen.

 

Zwölfchen

Papierworte
tanzen Wahrheiten
unüberdacht unverdacht ungeachtet
ich fühlschreibe und schreibfühle
Gedankenehrlichkeiten

Maschinenworte
tanzen Perfektion
gedacht bedacht achtend
ich denkschreibe und schreibdenke
Bedeutungswahrheiten

Waldherz | Der Dienstag dichtet

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Stachelbeermond
Mutigerleben
Wortgeflumselkritzelkrams
Werner Kastens

und von Writing Chills ein Gruselgedicht.

Nachdem ich doch recht negative/düstere Gedichte in letzter Zeit geschrieben habe, mal etwas Positives. Ein Elfchen.

Waldherz
geblätterte Schläge
rot braun gelb
meine urbanen Sorgen schlafen
Windatmen

Aus Taschen | Der Dienstag dichtet

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Werner Kastens

und diesmal gibt es einen inspirierten Beitrag bei Writing Chills.

Bin derzeit etwas frustriert mit der Politik und mit Menschen überhaupt. Guter Grund ein Gedicht darüber zu schreiben. (wenn ihr in der App lest, einmal Bild drehen, sonst gibts komische Umbrüche)

Aus Taschen

Sie spüren kalten Wind in ihren leeren
Taschen. Ein westerner Staubballen rollt
über das weiche Nappa. Plastik. Blut.
Schweiß. Goldene Leere entsteht. Sie
riechen die heiße Luft auf ihrer untersten
Haut. Verkochte Tropfen. Andere sagen es
sind die Zwiebeln. Doch sie wissen, um die
Tränen, die fruchtbare Gärten weinen. Sie
sind realer als der Wind. Doch sie glauben es
sind nur Träume auf berechneten Seiten.

Die Schweine quieken. Die Bäume seufzen.
Die Luft brennt. In dem weichen Leder
spürt man keine Tränen, hört kein lautes
Hufgetrappel. Aber sie kommen. Die vier
auf der einen Seite und die taschenlosen
auf der anderen. In Leder lässt sich nicht
leben. Auf Schnellstraßen auch nicht.

los| Der Dienstag dichtet

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Werner Kastens (Beitrag in den Kommentaren)

Das Gedicht habe ich nach dem Konzert von Amanda Palmer geschrieben. Ich war super inspiriert, wusste aber nicht genau wohin damit und war – wie immer wenn es um meine Kreativität geht – verunsichert.

los
Über meine Stege laufen ungespannte
Saiten. Umrunden. Umrandet von einem
Korpus, falsch geformt. Plung. Mache ich.
Plang. Und ich muss Pling machen. Will.
Überall spielen Lieder. Ich nehme ihre
Formsprache. Kenne meine nicht. Nie
gebaut, vergessen. Nicht meine. Bis man
meine Töne kennt. Bis die Form perfekt
ist. Mimikri. Der Ständer kippelt. Meine
Lieder sind keine. Morgen will ich singen.
Morgen! Morgen. Mein geigener Körper
ist hohl. Meine Notenblätter voller Seele.

Praha | Der Dienstag dichtet

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Werner Kastens (Beitrag in den Kommentaren)

Schaut doch auch bei ihnen vorbei!

Ich bin derzeit in Prag unterwegs und dachte ich widme mein Gedicht diese Woche dieser wunderschönen Stadt. Soviel Geschichte, so wudnervolle Gebäude…da fühlt man sich irgendwie klein.

Praha

Meine Köpfe sind golden, meine
Haut ist bunt. Geschichten sind
in meine Organe eingebettet. In.
Vor. Tausend Jahre. Zeit ist in den
Stein graviert. Sie bröckelt. Wird
Sand. Im Stundenglas schlägt mein
Herz. Während ihre unbedeutenden
Momente meine Adern durchlaufen.
So klein. Ich währe ewig, in dieser
oder jener Form. Sie zerfließen.

Tick | Der Dienstag dichtet

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Mutigerleben
Wortgeflumselkritzelkram
Schaut doch auch bei ihnen vorbei!

 

Tick

Es ist fünf vor Mitternacht. Ich liege
im stählernen Bett. Ohnmacht macht
sich breit. Ohne Macht. Macht Komma
ohne. Nur in Uhren können Sekunden
an Minuten hängen bleiben. Alle anderen
rechnen in Jahrzehnten. Tick tick. Nie
tock und doch greife ich nicht zu dem
Zeiger und werfe ihn in deine Augen.

Ich bin wie du.

Unsere Rädchen knirschen leise. Die
Federn springen aus dem Stahlrahmen.
Das Bett hält. Hier. Dort. Wo sie Betten
aus Glas bauen, hört man es klirren. Ich
und du. Es gibt so viel zu sagen, soviel
Stahl zu schmelzen. Ich stehe auf und
repariere die Uhr. Vielleicht wollen die
anderen die wahre Zeit lesen. Tick

Tock.

Danach davor | Der Dienstag dichtet

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Kennt ihr dieses Gefühl, wenn man aus dem Urlaub kommt und gleich wieder zurück möchte? Oder wenn man jährlich eine Veranstaltung besucht? Ich hab versucht dieses Gefühl in ein Gedicht zu fassen.

 

Danach davor

Ein sanfter Wind weht durch meinen
Kopf. Treibt Staubballen durch die
Räume meines herzförmigen Saloons.
Ein Piano spielt Kontra, ein Bass die
Violine dazu. Wehmut macht sich
breit, ein Gefühl von Vermissen von
freudigem Erwarten. Danach ist davor
und dazwischen liegt die Sehnsucht.
Schöne Erlebnisse werden zu schönen
Erinnerungen. Bis zum nächsten Mal.

Sie | Der Dienstag dichtet

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Heute von mir mal etwas Politisches, aus aktuellem Anlass.

 

Sie

Sie hören nicht. Sie sehen nicht. Sie
glauben. An unbeschriebenen Wänden
regiert ihre Angst wie Schatten. Ein
wütendes Huschen. Laut marschiert ihr
Zorn wie Zinnsoladten über schwingende
Brücken. Im gleichen Takt. Achtung.
Vorsicht. Warnung. Halt! Ruft ihre Angst
und baut alte Mauern wieder auf. Nein.
Will ich rufen. Doch sie hören nicht. Wartet.
Will ich in ihren Wind zeichnen, doch sie
sehen nicht. Der Boden bebt. Pochen. Sie
sind wir. Ein Teil davon und ich will nicht
fliehen.