auf einer skala | Der Dienstag dichtet

Da ich ohne Druck kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

auf einer skala
wir haben alles gegeben, mental, vielleicht
auch geld, zeit, worte, reichweite. die ersten
hilfsgüter sind schon lange verbraucht und
abgetragen. der strom fließt weiter. an einen
ort. wir geben mehr. wenn ein zweiter dazu
kommt. geben mehr vielleicht noch bei drei
und vier. doch was wenn die ganze weltkarte
plötzliche voller orte ist. auf einer skala von
mir egal bis kümmert mich nicht, wo liegt
die nächste katastrophe.

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sicher schmeckt das essen morgen wieder besser | Der Dienstag dichtet

Da ich ohne Druck kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

Es gibt bestimmt bald wieder positivere Gedichte, aber heute ist so ein Tag.

sicher schmeckt das essen morgen wieder besser

ich habe den morgen mit dem müsli vermischt
und zum frühstück gefressen. das mittagessen
gibt es à la carte mit einem faden beigeschmack
und einem hauch genervter soße. vielleicht mache
ich nachtisch und ersetzte die süße durch salz
und essig. sauer geht heute super runter. dazu
abgelaufenes mineralwasser oder verkorkter
wein. zum kaffee esse ich nichts. ich will die
bitterkeit schmecken und den würgereiz so
richtig genießen. beim abendessen werde ich
sicher wieder versönlicher sein. neben butter
gibt es einen positiveren ausblick auf die stulle.
auf die tomaten träufle ich hoffnung. vor dem
fernseher tunke ich chips in vergessen. sicher
schmeckt das essen morgen wieder besser.

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meine zehennägel hängen durch | Der Dienstag dichtet

Da ich ohne Druck kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

meine zehennägel hängen durch
meine zehennägel hängen durch. die
knochen, gelee geworden, fließen
auf meiner haut hinunter. bröckchen
schwimmen darin. zerbröselte zähne
wie brotkrumen. mit einem meißel
haue ich steinernen kaffee aus meinen
poren. wenn ich glück habe, lösen sich
ein oder zwei partikel heraus. verbinden
sich mit meiner müdigkeit. gebunden
ist sie vielleicht erträglicher.

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entkleckst | Der Dienstag dichtet

Da ich ohne Druck kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

entklekst
es hat sich ausgezeichnet, verpinselt,
entkleckst. gestern habe ich noch ganze
farbkonzerte gemalt, heute reicht es
nur für tonlose striche. wenn ich jetzt
weitermache, tropft mir die leere löcher
ins bild. frustriert wasche ich die dunkle
kakophonie aus den pinseln und wische
mir die untöne von den fingern. morgen.
säuselt die leinwand. wie ein ohrwurm
immer wieder. bis ich wiederkomme und
versuche klangfreien raum zu erobern.

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heute spät | Der Dienstag dichtet

Da ich ohne Druck kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

heute spät
heute spät. rennt die zeit an mir
vorbei. lässt haare im sog strudeln.
die wimpern schlackern. warum
nicht jetzt. ein lippenbekenntnis.
ich hatte nichts zu tun. in meinem
zeitnirvana war eben zu viel platz
für vergesslichkeit.

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das neue jahr | Der Dienstag dichtet

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Auch an alle Dienstagsdichter ein: Frohes Neues Jahr!

das neue jahr

behäbig schält sich das neue jahr aus seinem
schlafanzug. die weihnachtspfunde lassen seine
bewegungen noch ungelenk wirken. ausgiebig
gähnt es. streckt die glieder in alle richtungen.
der kaffee des vorgängers wurde ausgetrunken.
neuer ist zu ungesund, hat man beschlossen.
croissants gibt es auch keine mehr. zu viel fett
und zucker. selleriesaft steht da. dazu ein kleines
haferbrötchen mit chiasamen und extra vielen
unaussprechbaren superfoods. daneben liegt
ein heft, dass sich journal nennt. reinschreiben
soll es da, was jetzt alles besser ist. das neue
jahr seufzt. fängt ja gut an.

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nachweihnachtsblues | Der Dienstag dichtet

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nachweihnachtsblues
die ganze ente ist gegessen. der glühwein
getrunken. nachtisch wurde vollständig
verputzt. nach vielen nettigkeiten, wurden
auch alle streitthemen ausgetauscht. vom
baum ist der lack ab. darunter liegt nur noch
zerknülltes geschenkpapier. einiges streicht
man heimlich für das nächste jahr wieder
glatt. in ein paar tagen erinnern nur noch
die dazu gewonnen kilos an den alljährlichen nachweihnachtsblues.

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winterruhe | Der Dienstag dichtet

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Kind hat RSV und ich bin alleine. Ich lese Morgen eure Gedichte.

winterruhe

träge hängt der schnee am fenster.
pappig. kalt. lächeln die eiskristalle
müde. in ihren zacken hat sich die
winterruhe gesammelt. tropft an
der dichtung vorbei. gemächlich
auf die fensterbank. ein see aus
ruhe schwappt ins zimmer, bis er
die bewohner ertränkt und für
ewige stille sorgt.

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kalt | Der Dienstag dichtet

Da ich ohne Druck kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

Es gibt einen neuen Dienstagsdichter. Willkommen in der Runde piri von „Voller Worte“!

kalt
ich wandle durch einen unbeheizten
leeren raum. aus einem wald voller
vogelgezwitschern und grüner bäume
komme ich. von einem strand erfüllt
von meeresrauschen und kinderlachen.
aus einer stadt voller leben und schneller
heiterkeit. hier ist es hauptsächlich leer.
und leise. und unbeschreiblich kalt.

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darüber hinaus | Der Dienstag dichtet

Da ich ohne Druck kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

Kollege von mir ist mit Herzinfarkt letzte Woche an der Arbeit zusammengebrochen und musste wiederbelebt werden. Bisher scheint alles wieder ok zu sein, zum Glück, aber es lässt mich nachdenken…

darüber hinaus

ein und ausatmen und weg. ich hole tief
luft. bis ich es nicht mehr kann. renne so
weit mich mein beine tragen. bis sie aus
porzellan geworden zerbrechen. stemme die
größten gewichte. kiloweise. bis mich eine
herangeflogene feder zu boden wirft. ich
rede, glaube, denke, hoffe, fantasiere. bis ein
impuls in meinem nervenbahnen einen
kurzschluss verursacht. ich liebe noch weit
darüber hinaus.

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