als es noch ging | Der Dienstag dichtet

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Da ich kaum Gedichte schreibe, habe ich den Dienstag zum Gedichte-Tag erklärt und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt.
Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben.
Mit von der Partie sind bisher

Stachelbeermond
Mutigerleben
Wortgeflumselkritzelkrams
Werner Kastens
Findevogel
Wortverzauberte
Berlin Autor
Lyrikfeder
Nachtwandlerin
Lindas x Stories
La parole a été donnée à l’homme
Gedankenweberei
Myna Kaltschnee
Wortverdreher
Lebensbetrunken
Vienna BliaBlaBlub

als es noch ging

als es noch ging. als ein niemand mehr
wert war, als ein jemand. damals,
früher. als. ist heute. deine gefühle
reiten auf einer zeitmaschine. denken
synapsenbahnen entlang. voraus und
zurück. stolperst du über deine eigenen
windungen. heute reist du in dasselbe
als, wie gestern und heute ist es anders.
du fragst dich. wie sie gefühlt haben. sie
selbst können es nicht erfassen. nur die
dunklen buchstaben auf der haut singen
ein lied davon. als es noch ging.

dass | Der Dienstag dichtet

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Ich bin kürzlich über einen Text über den idealen Staat gestolpert. Das Gedicht ist ein Gedankenschnipsel dazu.

dass

dass nichts zwischen die wolken fällt,
was in den himmel gehört. dass alles
auf der erde haften bleibt, was unter
den teppich gekehrt werden soll.

dass nichts zwischen den zeilen
verschwindet, was bedeutend ist.
dass alles gewusst wird, was nicht
geglaubt und gemeint werden sollte.

dass nichts von wenigen besessen
wird, was allen gehört, dass alles in
allen händen liegt und wenn es nur
die hände vom gegenüber sind.

ohne grenzen | Der Dienstag dichtet

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und
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ohne grenzen
und ich träume davon, grenzenlos. nur das
wasser trennt uns. wir bauen ein schiff zur
verständigung und leben alle unter einem
dach. ich du er sie he him her she it them
sind ein wir. sagst du. denn du fällst das
beschriebene holz für die planken, streichst
den kahn bunt und schwarz. doch die segel
folgen nur dem wind, reißen im sturm, der
von zu viel atem stammt. wir sind eins. sind
zusammen, weil die arche unter unseren
füßen deinen  wellen folgt. die wogen die
regeln machen. nur in uns leben grenzen,
die nach außen sichtbar sind. ein schiff ist
ein schiff ist ein schiff. wir teilen es in bug,
rumpf, unten, oben, kajüten, kombüse. wir
sind uns nicht eins, sind verschrankt ohne
schranken. nur begrenzt grenzenlos frei.

der wert eines lebens ist | Der Dienstag dichtet

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der wert eines lebens ist

der wert eines lebens ist. wir rechnen
in euro. jahren. gesundheit. reichtum.
seine wertpapiere sind schwach, ihre
stark.  zwischen blätterstapeln. grau,
weiß, schwarz. roter filzstift. spielen
kinder. der wert eines lebens ist. ich
höre lachen. weinen. jauchzen. klagen.
ich höre zweifeln. verzweifeln. die
blätter rascheln wie blätter rascheln
wie scheine. der wert eines lebens
ist. die mauer ist hoch. nur auf dieser
seite. auf der anderen sehe ich nur
haufen. der wert eines lebens ist

@x | Der Dienstag dichtet

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@x

ich bin ein x und du ein z. unter
diesem blauen bytehimmel. zählen
herzen mehr als sprechblasen. ich
rede in den äther. du bist ein g und
ich ein b. vielleicht bist du auch ein
p. ich rufe dir zu, aber du liest nur.
meine zahlen. fallen und steigen wie
ebbe und flut. der mond hat damit
nichts zu tun. die erde auch nicht.
die tiden schwappen in unsere
wassergläser. wenn ich das licht
ausschalten sehen wir nicht mal
unterschiede. warum also sammle
ich herzen und keine wahre liebe.

meine blätter | Der Dienstag dichtet

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meine blätter

meine blätter sind heute grün, übermorgen
orange gefärbt. mein holz ist braun und in
zwei jahren von moos überzogen. ich wachse.
ich lebe, verlebe. durchlebe. wasser pulsiert
in meinen adern. erzählungen von vergangen
tagen, von entfernten linien. bleiben einer
bedeutung fern. wie gerne würde ich meine
biologie verstehen, chemie beherrschen, die
formeln der farben verstehen. manchmal sehe
ich schwarz, denke ich. obwohl ich bunt bin.
ein vogel hackt die letzten früchte. weg. um
seinen hunger zu stillen. die zeit fließt durch
meine rinde und die zukunft pulsiert. voran,
vorbei. ich bin farbig und farblos, aber vor
allem bin ich hier.

der samen | Der Dienstag dichtet

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Ihr erinnert euch an mein Geheimnis, das unbedingt herauswollte? Jetzt ist die kritische Anfangsphase vorbei und daher entlasse ich es in die literarischen Weiten. (Ps.: 14te Woche)

der samen
du bist da und ich weiß nicht, was ich
sagen soll. schicht um schicht gräbst
du dich ein, dehnst dich aus. und ich
mit dir. eine lila fahne auf dem mond
sagt. ich bin hier. und die anti-materie
bebt. rote riesen werden klein, weiße
zwerge wachsen. quasare entlassen
ihre geiseln. nur ein samen. und doch
gleiten die sterne aus der milchstraße.
ordnen sich neu. dein name trägt sich
ohne buchstaben durch umlaufbahnen.
nur ein samen. und doch wächst das
universum . jeden tag. und du mit ihm.

Herbst-Tanka | Der Dienstag dichtet

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Herbst-Tanka

das grau fährt über
ein rotgelbes farbenmeer
weiße segel ziehn
über dem horizontenmast
der herbst läutet die glocke

der name | Der Dienstag dichtet

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Das Gedicht kann am Ende positiv gelesen werden. Ich habe es für das Gedicht offen gelassen, es aber zunächst nicht so gemeint. Geschlechterrollen sind schwierig und irgendwie wünschte ich wir würden den Quatsch lassen.

der name
dass diese botschaft weggesperrt wird. ich
habe einen namen auf ein zettel geschrieben.
in der flasche aufs meer geschickt. in inneren
flammen verbrannt. wenn sie namen sagen
meinen sie konsequenzen. menschen sind
namen sind menschen. du reichst mir ein
blatt papier. klebst ihn mir auf den rücken.
wie engelsflügel reißen seine kanten ecken
in den wind. blut tropft auf seidiges gras.
nehme ich ein messer. löse es ab. es fließt
sedimentgestein. ich nehme einen meißel.
die flasche kommt zurück. der zettel fügt
sich zusammen. hier. ich schreie es hinaus
soll sie jeder hören. ich schreibe in den wind,
lasse stürme gesetze erbeben, orkane feste
muster brechen. namen haben konsequenzen.
meiner ist frau.

alleine blühen veilchen grau | Der Dienstag dichtet

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Ich finde Nähe kompliziert. Noch komplizierter ist es, das zu erklären – daher ein Gedicht.

alleine blühen veilchen grau
eine weiße fläche wie ein bettlaken
meine gedanken in deinen träumen.
fangen an zu brennen. aber es ist
frostig. roh. es ist stumpf. das kissen
liegt in der mitte. wir erdolchen es mit
federn, nackten knochen, blanker liebe.
all you need. ich falle von der kante
meiner wärmflasche. das verbrannte
gummi riecht nach zimt, dein atem
nach weihrauch. warum sind mauern
höher als bügelfalten. warum pocht
die sprungfeder dauernd gegen mein
herz. alleine blühen veilchen grau.