ein kleiner kopf sucht ruhe | Der Dienstag dichtet

Der Dienstag ist für mich Gedichtetag. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

ein kleiner kopf sucht ruhe

ein kleiner kopf sucht ruhe. meine beine,
arme, bauch, kopf. kopfkissen. zwischen
uns, neben, auf mir, dir. kleine hände
suchen. unter, neben, auf bettdecken
andere hände. greifen, halten, suchen
halt. ruhe. kleine füße kreise. ein, zwei,
drei runden. an arm, bauch rücken, im
gesicht. autsch. ein kleiner geist findet
ruhe zwischen hohen bergen. ruhiges
atmen. ein leise schmatzer. seufzen.

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Versteckt | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 14-18 beinhaltet die Worte „Nestbau, tanzen, frostig“, gesponsert von Anna Lena.

Versteckt

Ein dunkelblaues war unter der Treppe versteckt, im Schatten der Stufe direkt an der Wand. Wenn jemand die alte Holztreppe hinaufging, tanzte es im Beat der Schritte.

Ein rosafarbenes mit gelben Punkten lag auf einem Stuhl, der unter den Esstisch geschoben worden war. Es hoffte, entdeckt zu werden, bevor sich jemand daraufsetzte.

Ein orange-rot-gestreiftes lag zwischen den Kuscheltieren. Der braune Teddy verbarg es mit seiner riesigen Tatze. Von der Seite stubbste der Schnabel einer Plüschente daran.

Ein gelbes lag im Garten unterm Rosenbusch. Im Schatten war es besonders frostig. Sein Inneres begann zu frieren, die Schale sah so aus, als hätte sie bereits Gänsehaut.

Ein besonders buntes lag auf der Hollywood-Schaukel. Es war mit Farbresten bemalt worden und tarnte sich gut auf dem Kissen mit Dschungelprint, auf dem es lag.

Ein gelbes war im Amselnest versteckt. Das Amselweibchen betrachtete es verwirrt und fragte sich, was beim Nestbau schiefgelaufen war.

Ein goldenes lag bereits in Kinderhänden. Nach eingehender Betrachtung wurde es in den Korb gelegt. Fünf weitere sollten folgen. Eines wurde nicht wiedergefunden. Vielleicht nächstes Jahr.

lauter | Der Dienstag dichtet

Der Dienstag ist für mich Gedichtetag. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

lauter

trommeln. jemand zündet eine idee
an. mit mistgabeln wird ein gedanke
durch das dorf gejagt. lauthals lacht
man über unrealistische träume und
fantasien. vielleicht sollten wir uns
laut selbst lieben, damit die selbstzweifel
nicht mehr hörbar sind.

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krönchen | Der Dienstag dichtet

Der Dienstag ist für mich Gedichtetag. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

krönchen

gestern sind mir die zähne ins gras
gefallen. eine einzelne krone habe
ich zwischen den eisblumen gefunden.
die trage ich heute auf dem kopf und
fühle mich wie eine prinzessin.

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Warum die Veganismus-Diskussion scheitert | Gedankenkritzelei

Das ist kein wissenschaftlicher Artikel, sondern eine Gedankenkritzelei. Es gibt selten Quellen und nirgendwo den Anspruch auf Richtigkeit. Ich bemühe mich aber, keine Falschinformationen auf den Weg zu bringen. Wenn das doch passiert, lasst einen Kommentar da. Ebenso, wenn ihr Lust zu diskutieren habt oder wenn ihr eine virtuelle Umarmung braucht. Die gibt es hier gratis.

Warum die Veganismus-Diskussion scheitert

Eines vorangestellt: Was ich esse ist irrelevant für die Diskussion

Wenn jemand eine Idee hat, sollte diese eigentlich losgelöst von dem Menschen betrachtet werden. Außerdem habe ich das Gefühl, dass Leute gerne erzählen, wie bewusst sie sich ernähren, weil das Teil ihrer Selbstidentifikation ist und sie stolz darauf sind. Das ist auch voll ok, hilft aber in der Diskussion nicht. Wenn ich erzähle, wie toll ich mich ernähre, wie sehr ich auf Tierwohl achte, fühle ich mich danach besser, mein Gegenüber aber meist nicht. Ich esse nicht 100% bewusst, ich ernähre mich eher so nach dem Prinzip „ich weiß es besser und teilweise mache ich das gut, aber da ist noch viel Luft nach oben“. Damit bin ich sicherlich nicht alleine.

Warum der Einzelne nichts ändert

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Philosophie des Schenkens | Kritzelnews

Ich durfte ein Gedicht zu dem tollen Projekt, der Philosophie des Schenkens von blumenleere, beisteuern. Entstanden ist ein wundervolles Heft, das zwar nirgendwo erhältlich ist, aber verschenkt werden soll. Die meisten meiner Exemplare habe ich bereits weitergegeben, aber eines habe ich noch. Der erste der „HIER“ schreibt, kriegt es zugesendet.

Caroline 4 | Writing Friday

Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einer Schreibaufgabe eine fortlaufende Geschichte veröffentlicht. Das aktuelle Thema und die Aufgaben, sowie eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Die ganze Geschichte ging in eine vollkommen andere Richtung als gedacht, daher ruckelt sie etwas, wenn man sie am Stück liest. Das Caroline etwas mit Zeitreisen zu tun hat, war von Anfang an meine Idee, aber die Geschichte mit der Polizei hat mich ein wenig in die flache Richtung geschickt.

Was bisher geschah: Martin, ein sympathischer Café-Besitzer, hat eine neue mysteriöse Kundin. Caroline taucht jeden Tag auf und schreibt in ihrem Notizbuch. Eines Tages bittet sie ihn um Hilfe ihr die Miete auszulegen. Aber sie scheint noch weitere Probleme zu haben, denn zwei Polizisten, die auf Martin eigenartig wirken, fragen nach ihr. Er gibt ihr einen Tag Zeit alles zu erklären, dann will er bei der Polizeizentrale anrufen…

Caroline 4

Caroline tauchte den ganzen Tag nicht auf, daher nahm Martin das Telefon in die Hand, um die Polizeizentrale anzurufen, doch kurz bevor er die Nummer wählen konnte, stand Caroline plötzlich vor ihm.

„Ich beantworte dir all deine Fragen“, sagte sie, „aber zunächst musst du mir eine beantworten.“

Martin nickte und Caroline fuhr fort.

„Wo lebt Arnaud Bastian?“

Martin sah Caroline verwundert an. „Der Sohn von Anouk?“ Für einen Moment überlegte er, ob er Caroline die Information geben sollte. „Wofür brauchst du sie?“

„Ich möchte Anouk etwas geben. Sagen wir es so, ich bin hier, um Menschen zu helfen. Es ist eine Art Charity für die ich arbeite, um das Leben vieler vieler Menschen zu verbessern.“

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schmauchspuren | Der Dienstag dichtet

Der Dienstag ist für mich Gedichtetag. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

schmauchspuren

deshalb ist das so. erklärst du. ein heuballen
weht durch meinen kopf. ein paar fusseln
bleiben hängen. gähnende leere macht sich
breit. aus protest. das wissen versteckt sich
lieber hinter der saloontür. es betrinkt sich.
die wut sitzt daneben und prostet dem
selbstverständnis mit gin tonic zu. auf der
anderen seite fühlt man sich besser. hat man
doch wieder eine unwissende aufgeklärt. die
schulter wird geklopft, mit dem kopf zufrieden
genickt. der colt wird weggesteckt. den schnellen
schusswechsel hat man gewonnen, ohne schießen
zu müssen. nur an der saloontür findet man leicht
schmauchspuren.

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Scheiß drauf | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 10-13 beinhaltet die Worte „Schnitt, rot, beherrschen“, gesponsert von Werner Kastens.

Ich mag übrigens Dichterlesungen und Art-House-Filme sehr gerne. Bei experimentellem Theater brauche ich es aber auch nicht nackt. 😉

Scheiß drauf

Ruth rollte genervt mit den Augen. Schon wieder stand sie vor einem Gebäude, in dem eine Veranstaltung lief, die sie nicht interessierte. Diesmal war es ein experimentelles Theaterstück, in dem alle nackt waren und plattdeutsch sprachen. Es gab Leute, die so etwas mochten, aber sie würde kein Wort verstehen, peinlich berührt sein und hoffen, dass die Zeit verstrich. Da sie eine erfolgreiche Kuratorin war, vermutete jeder, sie würde auf Art House-Filme, Dichterlesungen und experimentelles Theater stehen. Selbst ihre Mutter, die ihr die Eintrittskarten geschenkt, aber nicht mal selbst Lust hatte, sich so einen Senf anzusehen.

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Caroline 3 | Writing Friday

Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einer Schreibaufgabe eine fortlaufende Geschichte veröffentlicht. Das aktuelle Thema und die Aufgaben, sowie eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Was bisher geschah: Martin, ein sympathischer Café-Besitzer, hat eine neue mysteriöse Kundin. Caroline taucht jeden Tag auf und schreibt in ihrem Notizbuch. Eines Tages bittet sie ihn um Hilfe. Sie kann ihre Miete nicht bezahlen, aber noch mehr scheint Caroline zu belasten.

Wendung 2: Polizisten befragten Martin über das Verschwinden der jungen Caroline.

Caroline 3

Caroline hatte zwar genickt, als er sie um eine Erklärung gebeten hatte, ihn aber um ein Gespräch am nächsten Tag gebeten. Mittlerweile war der nächste Tag, doch bisher war Caroline noch nicht aufgetaucht, stattdessen hielt ein Auto vor dem Kaffee. Zwei Polizisten stiegen aus und hielten direkt auf Martin zu.

„Herr Dubois, wir sind auf der Suche nach einer Dame namens Caroline Langevin. Wir gehen davon aus, dass das ein Deckname ist, aber sie hat sich so mehreren Personen vorgestellt. Frau Bernard meinte, sie kennen die Dame“, sagte einer der Polizisten, ohne sich vorher vorzustellen.

Martin nickt. „Guten Tag. Ja, ich kenne eine Dame namens Caroline. Ihren Nachnamen kenne ich nicht.“

„Wissen Sie, wo sich diese Caroline aufhält?“, fragte der Polizist. Martin fand seinen aggressiven Unterton irritierend. Für gewöhnlich begegneten ihm die Menschen freundlich.

„Ich habe keine Ahnung. Sie wollte heute ins Café kommen, ist aber bisher noch nicht aufgetaucht.“

„Wenn sie hier auftaucht, werden sie uns direkt in Kenntnis setzen“, befahl der Polizist.

Martin nickte und nahm die Visitenkarte der Polizisten entgegen. Sie sah auf den ersten Blick echt aus, trotzdem hatte Martin das ungute Gefühl, dass hier etwas nicht stimmte. „Kann ich nicht einfach die Zentrale anrufen?“

„Nein. Rufen sie die Nummer auf der Karte an.“

„Und was, wenn ich sie nicht zu Hand habe?“, fragte Martin.

„Legen sie sie am besten direkt neben das Telefon“, erwiderte der Polizist. Der andere Polizist, der neben ihm stand, gab einen genervten Laut von sich. 

Alles in allem machten die beiden Polizisten auf Martin einen eigenartigen Eindruck, doch er nickte trotzdem. Die Polizisten zogen von dannen. Martin beobachtete sie eine Weile, dann beschloss er Caroline noch einen Tag Zeit zu geben, wenn sie dann nicht auftauchte, würde er die Polizeizentrale anrufen. Vielleicht erfuhr er auch so, was es mit den beiden kuriosen Polizisten auf sich hatte.