Kinder großziehen ist auch manchmal langweilig | Gedankenkritzelei

Da es mir bei Schwangere/Mama Gedanken Spaß gemacht hat, einfach mal etwas zu einem Thema zu schreiben, ohne dass es eine Geschichte oder ein Gedicht ist, das Thema „Kind“ aber nur endlich ist, dachte ich, ich eröffne eine neue Rubrik und schreibe einmal pro Woche meine Gedanken auf. Wie persönlich das Ganze wird, keine Ahnung, mal sehen wie mutig ich bin.

Kinder großziehen ist auch manchmal langweilig

Auch wenn die neue „Textreihe“ nicht nur übers Mama-Sein sein soll, muss ich doch nochmal etwas zu dem Thema loswerden, dass mir seit einiger Zeit im Kopf herumspukt und diese Woche wieder aktuell geworden ist:

Kinderhaben wird von anderen Eltern meist als sehr stressig beschrieben.

Nun gibt es Stress in unterschiedlicher Form. Die emotionale Seite ein Kind großzuziehen empfinde ich auch oftmals als stressig, zum Beispiel, wenn mein Sohn krank ist oder, wenn ich nicht weiß, wie ich mich ihm gegenüber in bestimmten Situationen verhalten soll. Zeitlichen Stress finde ich hingegen weniger belastend. Es kann kurzzeitig auch mal stressig werden, wenn wir weggehen wollen, gerade den Schneeanzug anhaben und er dann nochmal kacken muss, aber zum Glück ist ein Kind eine super Ausrede, wenn man zu spät kommt. Trotzdem ist das ein anderer Stress, als der den ich mir vorgestellt habe.

Ich dachte mit Kind rotiere ich zwischen Job und Zuhause hin und her, finde kaum Momente mich hinzusetzen und auszuruhen. Natürlich kommt das auch mal vor, aber es ist kein Dauerzustand. Zumindest mit einem Kind, mit mehreren Kindern sieht das bestimmt anders aus.

Was ich also nicht vorhergesehen habe, ist, dass ich mich manchmal auch zu Tode langweile, zum Beispiel, wenn ich Buch XY zum hundertsten Mal vorlese oder wir mit Klötzchen den zweihundertsten Turm bauen. Noch schlimmer fand ich die Zeit, in der er noch nicht Krabbeln konnte und den halben Tag nur auf den Rücken lag. Ich weiß gar nicht wieviel Hörbücher ich in der Zeit gehört habe, während ich ihm Dinge zum Rasseln und Ansabbern gegeben habe. Manchmal hat mich diese Langeweile richtig runtergezogen, vor allem wenn mein Freund lange arbeiten musste. Und auch heute noch, wenn ich mehrere Tage mit dem Kind Zuhause bin, empfinde ich die Langeweile als belastend.

Versteht mich nicht falsch, ich finde es super spannend ihm beim größer und schlauer werden zuzusehen, aber das passiert ja nicht von heute auf Morgen. Die ersten Schritte sind aufregend, neue Wörter und Fähigkeiten allgemein erfreuen mich maximal, aber das geht alles sehr langsam und beinhaltet sehr sehr viele Wiederholungen, die nicht jedes Mal Euphorie in mir wachrufen. Ich liebe es auch ihm beim Spielen zuzusehen, zu sehen wie er seinen eigenen Charakter entwickelt und wie vollkommen anders er anscheinend die Welt wahrnimmt. Aber nach einiger Zeit ist das auch nicht mehr spannend.

Ich vermeide es mein Handy zu oft in seiner Gegenwart zu benutzen, aber manchmal zücke ich es doch und fühle mich schuldig. Mittlerweile plane ich solche Tage in Zeiten, in denen wir aktiv zusammen was machen, Zeiten, in denen er mir im Haushalt hilft und Zeiten, in denen er sich selbst beschäftigt. Das einzige Problem ist, dass er natürlich nicht immer das machen will, was ich machen will. Außer Haushalt, Geschirrspüler ausräumen und Saugen geht bei ihm immer. Ich weiß, je älter er wird, desto besser wird das, aber ich denke es wird immer diese Phasen der Langeweile geben, in denen wir Dinge tun, die ihm Spaß machen, mich aber anöden. Ich sehe es als Teil davon an, ein Kind großzuziehen, finde es nur eigenartig, das anscheinend sonst niemand so empfindet oder zumindest drüber redet.

9 Kommentare zu „Kinder großziehen ist auch manchmal langweilig | Gedankenkritzelei

  1. …Ich weiß, je älter er wird, desto besser wird das…
    Bist du dir da sicher? 😆
    Wie alt ist dein Junge?

    Ich habe damals als Papa 10 Monate Elternzeit genommen und das war schon eine tolle Erfahrung.
    Später hat man sich auch „seine Zeit“ genommen, wenn sich das Kind mit irgendwas beschäftigt hat. „Gefährlich“ war es nur, wenn du nichts mehr gehört hast. Dann hat er meistens irgendwas angestellt. 😆 😆
    Wenn sie klein sind, finden sie helfen noch toll. Heute ist Junior fast 12 und die vorpupertäre Hilfsbereitschaft lässt doch sehr zu wünschen übrig.

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  2. Langeweile, ein seltsames Wort. Ich kann mit diesem nichts anfangen. Liegt vermutlich an meinem unsteten Geist, der ständig unterwegs. Ich könnte alleine ein Jahr in einem Keller sitzen und es wäre mir keine Minute langweilig. Mein Geist erforscht ständig neue Dinge oder betrachtet alte Dinge neu. Teilweise fehlt mir die Zeit alles zu Ende zu denken, das ich gerade begonnen habe zu denken. Ein Gedanke führt mich direkt in einen neuen Gedanken. Ich denke Langeweile haben nur Menschen, die ihre Fantasie, ihren Verstand oder ihr reichhaltiges Gefühlsleben noch nicht entdeckt haben. Sie starren in eine Welt des Trivialen und verstehen noch nicht, das Trivialität vom Geist erschaffen wird, um die Fantasie anzuregen. Fantasie kurbelt das Gefühl an und dieses schickt den Geist auf Reisen. Trivialität ist ein Zauberstab den man lernen muss zu nutzen. In deinem Fall könntest du dein Kind betrachten und dabei einschlafen, da du es schon so oft und so intensiv betrachtest hast. Du kannst es aber auch betrachten und zu ihm werden. Mit seinem Geist auf die Reise gehen. Sein Leben leben. Immer wieder neu. Da es unendliche Möglichkeiten gibt. Und so halte ich es mit allen das mir begegnet oder zu ausweichen sucht. Ich bin die Geschichte die noch nicht geschrieben. Noch nicht gedacht. Immer und immer wieder. Da bleibt einem keine Zeit für Langeweile, da bietet sich nicht einmal Raum dafür. Denn das Leben kann nur so magisch sein, wir wir es dem Leben, unserem Leben, erlauben magisch zu sein. Und Magie kennt keine Langeweile. Klingt wie aus einem Kinderbuch, ist aber die Schwingung im Universum. Du kannst mit ihr schwingen oder unter ihr leiden. Beide Möglichkeiten sind gleichberechtigt.

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    1. Also in einem leeren Raum kann ich mich auch gut unterhalten, aber mein Kind fordert halt Aufmerksamkeit. Alleine beim Lesen braucht man ja Konzentration. Es ist quasi wie ein Gespräch mit einer langweiligen Person, bei der man nicht weghören darf. Irgendwann ist es auch langweilig, sich ständig in ihn hineinzuversetzen oder die Situation von Außen zu betrachten. 😅

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      1. Interessant, hätte ich jetzt nicht vermutet. Da du sehr kreativ bist. Ich denke, dass du dich selbst unterforderst. Zu wenig Anspruch, an Anteile in dir erhebst. Zu viel Wirkung, ohne eigene Prozesse. Abwarten anstatt zu agieren, im wissen welche Konsequenzen, dieses nach sich ziehen wird. Aber das sind nur Vermutungen. Irgendwann wirst du dich genug gelangweilt haben und dann weiter gehen. Alles hat seine Zeit, wie es scheint, auch die Langeweile.

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