Die Kälte | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 37+38 beinhaltet die Worte „Idee“, „engelhaft“ und „vergraben“, gesponsert von Ludwig Zeidler.

Ok, etwas überdramatisch, aber mir war so danach.

Die Kälte

Anoki vergrub sich in einem Berg aus Decken. Ihr war kalt und das bereits seit Wochen. Nicht weil sie krank oder es draußen kalt war, sondern weil sie die Kälter ihrer Mitmenschen nicht mehr abschütteln konnte. Anfangs hatte sie noch mit engelhafter Geduld versucht, den Menschen Empathie beizubringen, aber immer wieder lief sie vor Mauern. Anoki hatte keine Kraft mehr sich zu wehren und so hielt die Kälte auch in ihr Inneres Einzug. Die Ärzte hatten keine Idee, wie es zu dieser enormen Senkung ihrer Körpertemperatur kam oder wie sie es aufhalten konnten. Noch Montag waren es 31 Grad gewesen. Heute war Freitag und Anokis Fieberthermometer zeigte 22 Grad an. Sie hatte die Heizungen auf Stufe vier gedreht, bei 30 Grad Außentemperatur. Nun lag sie hier, unter vierzehn Decken. Eine Wärmflasche lag auf ihren Füßen, eine am Bauch und eine in ihrem Rücken.

Anoki schlief das Wochenende und als sie den Montag erwachte, maß das Themrometer nur noch 11 Grad. Hoffnungsvoll hörte sie in die Welt, aber sie hörte nur die Eiskristalle klirren und die kalte Luft rauschen. Anoki füllte ihre Wärmflaschen auf, drehte die Heizungen eine Stufe weiter hoch und kuschelte sich in hren Berg aus Decken. Ein letztes Mal atmete sie tief ein, dann verließ sie die letzte Wärme und sie begann zu schmelzen. Zurück blieb ein Haufen feuchter Decken und ein letzter Hauch menschlicher Wärme.

15 Kommentare zu „Die Kälte | abc.etüden

  1. Danke.
    Wobei ich gerade einen Artikel darüber gelesen habe, der sich mit Mitgefühl und Empathie beschäftigt. Da wurde untersucht, wie verbreitet das ist – und das Ergebnis ist tatsächlich, dass es weniger wird.
    Liebe Grüße
    Judith

    Gefällt 1 Person

    1. Echt? Hast du den noch? Ich hatte eine Studie, die schrieb, dass Empathie mehr wird, aber das Internet Distanz schafft. Also quasi zwei unterschiedliche Ströme. Dass fand ich sehr spannend. War in einer „Pschologie heute“-Ausgabe von 2017.

      Gefällt 1 Person

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