Der Geruch von Apfelkuchen | Writing Friday

writing-friday-2020

Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Irgendwie habe ich das mit den Themen verkackt und letzte Woche zu einer Mai-Aufgabe veröffentlicht. Nun ja, gibt es jetzt halt die April-Aufgabe als Nachschub und dann geht es normal weiter.

Achtung Horror! Gruselfaktor 3,5 von 5.

Thema: Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Hoffnung, genüsslich, Wind, verletzt, Hindernisse

Der Geruch von Apfelkuchen

Er öffnete das Fenster und spürte wie die Hitze nach Draußen und kühler Wind nach Drinnen drang. Langsam befreiten sich die beschlagenen Scheiben von dem Wasserdampf. Es wunderte ihn, dass es bereits dämmerte. So lange hatte er sicher nicht in der Küche gestanden. Er schaltete das Licht ein. Es war vielleicht fünf Uhr nachmittags und Juli.

Ein Klingeln hielt ihn davon ab nachzusehen. Der Apfelkuchen war fertig. Mit Ofenhandschuhen holte er den köstlich riechenden Apfelkuchen aus dem Backofen. Er sah fantastisch aus. Genüsslich sog er den Duft ein. Wenn seine Frau Morgen zurückkam, würde sie sich wahnsinnig freuen. Er lächelte bei dem Gedanken.

Das Licht flackerte. Erneut ging er zum Fenster, dann holte er sein Handy aus der Hosentasche. 17:32 zeigte ihm die LED-Anzeige. Mittlerweile war es finster draußen. Die Luft, die in die Küche drang, wurde immer kälter. Verwundert öffnete er die Tür zum Balkon. Draußen war es nicht nur dunkel, sondern stockfinster und eiskalt. Wo war das Wohnhaus von gegenüber hin? Der Lichtstrahl aus der Küche schien in ein Nichts zu zeigen. Er trat auf den Balkon und sah hinunter. Unter ihm sollten noch zwei weitere Stockwerke liegen, doch er sah Gras. Er lehnte sich über das Balkongeländers und spürte das nasse Gras zwischen seinen Fingern. Ein kurzer Schmerz durchzuckte ihn und er zog die Hand zurück. Dabei verlor die Balance und landete auf der anderen Seite im Gras.

Zunächst betrachtete er seinen schmerzenden Finger. Ein Rinnsal Blut lief sein Handgelenk entlang und er sah einen kleinen Kratzer. Er hatte sich wohl an einer Distel verletzt. Irritiert sah er sich um. Er konnte nur wenige Meter weit sehen, also schaltete er die Taschenlampen-App seines Handys ein. Nun konnte er zwar etwas weiter sehen,  sah aber immer noch nur Gras. Er ging ein paar Schritte vom Balkon weg, doch das Bild veränderte sich nicht. Dunkelheit und eine Grasebene.

Mit einem Mal hörte er ein Rascheln neben sich. Schnell hielt er die Taschenlampe in die Richtung, aus der die Geräusche gekommen waren. Nichts. Die blanke Angst ergriff ihn. Er war nicht alleine. Nun raschelte es vor ihm. Schnell drehte er sich um und begann zu rennen. Es gab keine Hindernisse, aber er kam nicht wirklich voran. Die paar Meter, die er gelaufen war, schienen sich auf Kilometer auszudehnen und das Geräusch kam immer näher.

Als das Balkongeländer nur noch zwei Meter entfernt war, keimte Hoffnung in ihm auf. Gleich hatte er es geschafft. Als er zu einem größeren Sprung ansetze, hielt etwas seinen Fuß fest und er stolperte. Schmerz durchzuckte seine Knie, als er hart auf ihnen landete. Das Rascheln war nun ganz nah und er roch etwas Fauliges. Irgendwie schaffte er es sich aufzurichten und die letzten Meter zu sprinten. Mit letzter Kraft schwang er sich über das Geländer.

Der Geruch von Apfelkuchen umhüllte ihn und die Sonne wärmte seine durchnässte Hose. Er stand auf. Als er sich umdrehte, winkte sein Nachbar von gegenüber. Verwirrt winkte er zurück. Blut tropfte von seinem Finger auf den Boden. Hatte er sich geschnitten und war ohnmächtig geworden? Für einen Moment sah er wie die Sonne flackerte und er roch etwas Fauliges. Mit aller Gewalt klammerte er sich an den Geruch des Apfelkuchens. Die Schmerzen in seinem Finger und den Knien ließen nach, während warmes Blut seinen Rücken hinunterfloss.

9 Kommentare zu „Der Geruch von Apfelkuchen | Writing Friday

    1. Beim Schreiben btw. auch…ich habe mal eine ähnliche Geschichte über einen Fahrstuhl geschrieben und konnte dann 2 Wochen nicht mehr mit dem Fahrstuhl fahren ohne mich unwohl zu fühlen. 😉

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  1. Liebe Katha,
    huuuh, sehr faszinierend, wie du es geschafft hast, mit so etwas Gemütlichem wie einem Apfelkuchen eine Grundlage für so eine Horrorgeschichte zu schaffen! Hat mir sehr gut gefallen, auch wenn ich demnächst aufpasse, wenn ich mich über den Balkon lehne. 😉

    Liebe Grüße
    Alina

    Gefällt 1 Person

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