Die haben sicher recht | Writing Friday

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Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Heute etwas spät, aber dafür zum Wetter passend, und zu unserer Zeit.

Thema: Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Der Regen brannte auf ihrer Haut, weil…” beginnt.

Der Regen brannte auf ihrer Haut, weil sie vergessen hatte die Rain Protection Cream aufzutragen. Suse fluchte. Wenn sie noch länger dem Regen ausgesetzt blieb, würde sie Narben kassieren oder schlimmeres. Sie zog die Jacke über ihren Kopf, um ihr Gesicht zu schützen, aber so war ihr Bauch frei. Panisch sah sie sich um. Sie stand in einem alten Industriegebiet, mit blockartigen Häusern ohne Schutz für sie.

Sie drehte sich ein paar Mal im Kreis bevor sie ihre Rettung in Form von überdimensional großen Rohren sah. Suse rannte los und hechtete in eines der Rohre. Keine Sekunde zu früh, denn nun begann es richtig zu regnen. Ein spritzender Tropfen traf sie an der Hand.

„Au.“ Schnell wischt Suse ihn weg. Eine kleine rote Stelle blieb zurück. Nachher würde sie ins Krankenhaus müssen, um eine Spritze zu bekommen. Wer wusste schon, woher der Regen kam und was er mitbrachte?

„Hey.“

Suse erschrak zu Tode, als eine Stimme hinter ihr erklang. Hastig drehte sie sich um und fiel beinahe in den Regen.

„Pass auf. Der kommt von weit überm Meer. Der ist bestimmt radioaktiv verseucht.“

Ein älterer Mann war hinter ihr aufgetaucht. Er sah die Angst in ihrem Gesicht.

„Ich tu dir nichts. Ich suche alte Schrauben und so, bin Bastler. Wirklich, keine Angst. Ich habe drei Enkel in deinem Alter.“ Er kramte in einer Brusttasche und holte ein zerknittertes Foto hervor. Man sah ihn, drei Kinder und eine Frau, die überall stark vernarbt war.

„Das war vor vier Jahren. Hat mir mein Sohn zum Geburtstag geschenkt. Meine Frau ist jetzt schon eine Weile tot. Man nennt mich Hal.“

Suse entspannte sich etwas und ging einen Schritt weiter in die Röhre, um nicht noch mehr Regen abzubekommen.

„Ich bin Suse.“

„Freut mich. Was machst du hier?“

„Ich bin auf der Durchreise. Gab mal wieder einen Wirbelsturm und meine Familie sucht jetzt einen neuen Bleibeort. Weiter im Osten soll es besser sein.“

Hal nickte wissend. Er sah bekümmert aus.

„Ich habe immer das Gefühl mich bei deiner Generation entschuldigen zu müssen.“

Suse sah Hal verwundert an.

„Hätten wir damals gehandelt, wäre es vielleicht heute nicht so schlimm. Aber wir Menschen denken immer, wir könnten die Natur so formen, wie wir wollen. Hauptsache wir haben es bequem. Aber das Leben ist nicht bequem. „ Hal seufzte. „Ich war als Kind in so eine Bewegung. Wir dachten noch wir verändern was, aber niemand hörte. Irgendwann sind wir dann selbst zu denen geworden, die nicht hören. Das letzte Stündchen der Menschheit hat geschlagen und wir haben die Glocken begonnen zu läuten.“

„Aber die Regierung hat ja gesagt, dass sie schon die Technik haben, alles wieder rückgängig zu machen. Es dauere nur etwas. Bis dahin müssen wir überleben. Dann wird alles gut.“

„Ja, die haben sicher recht. Die Regierung weiß immer was am besten für die Bevölkerung ist.“

Hal lächelte traurig und schwieg dann.

Der Regen endete und Suse ging zum Krankenhaus, sich eine Spritze geben zu lassen. Ihre Kopfhaut juckte etwas, aber man sagte, alles sei in Ordnung, alles werde wieder gut. Suse glaubte ihnen, aber irgendwo in ihrem Hinterkopf saß Hal und lächelte sie traurig an.

8 Gedanken zu “Die haben sicher recht | Writing Friday

  1. Interessant, erschreckend und traurig zugleich. Deine Geschichte versteckt zwischen den Zeilen jede Menge Botschaft. Wie immer toll geschrieben liebste Katha! Hier wäre ich auf eine Fortsetzung gespannt. Wie geht es mit dem Regen weiter, was weiss Hal alles? Kann Suse etwas verändern. 😀 Du siehst, meine Fantasie ist geweckt!

    Gefällt 1 Person

    • Freut mich, dass dich die Geschichte zum Weiterfantasieren animiert. 😊 Ich glaube aber, für mich ist sie vorbei. Ich wollte einen Blick in die Zukunft wagen, vllt auch ein wenig Angst machen.

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