Magische Streusel | Writing Friday

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Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Diese Woche mache ich es mir mal schwer und schreibe über etwas, was ich a) nicht sonderlich mag und b) deshalb noch nie geschrieben habe – eine Liebesgeschichte. Eigentlich wollte ich mich ja davor drücken, aber man wird ja nicht besser dadurch, dass man sich vor Dingen drückt. Ich habe natürlich einen kleinen Twist eingebaut.

Thema: Schreibe über eine Romanze in einer Gelateria.

Emilie saß hibbelig auf dem weißen Stuhl. Sie war wie immer zu früh und ärgerte sich nun, weil sie vergessen hatte zu fragen, ob sie und ihr Date sich vor oder in der Eisdiele trafen. Es war voll. Vielleicht wartete er draußen und sie sah es nicht und dann warteten beide ewig, weil sie sich nicht traute nochmal aufzustehen und nachzuschauen.

Er kam pünktlich. Marcel. Sie kannten sich aus der Disko und hatten erst ein paar Worte mit ihm gewechselt. Nach ein paar Wochen waren sie auf das Thema Lieblingseisdiele gekommen und er hatte elegant nach einem Date gefragt. Emilie war froh, denn sie hätte nie gefragt.

Marcel lächelte und setzte sich.

Sie machten ein bisschen peinlichen Smalltalk und bestellten Eis. Emilie bestellte einen anderen Becher als sonst – einen kleinen Obstbecher – weil sie nicht gierig wirken wollte. Marcel bestellte einen Schoko-Nuss-Becher, den Emilie viel lieber essen wollte.

Als die Becher kamen, waren sie bereits mit dem Smalltalk durch und eine peinliche Stille herrschte. Zum Glück musste man beim Essen nicht reden.

„Ich hab euch meine magischen Streusel drauf getan.“ Der Besitzer der Eisdiele zwinkerte Emilie zu. Die wurde so rot wie die Erdbeere auf ihrem Sahnehaufen. Die Streusel glitzerten auch rötlich.

„Ein bisschen Magie schadet sicher nicht.“ Marcel versuchte es mit Humor. Emilie lächelte dankbar.

Die Streusel schmeckten himmlisch mit dem Eis. Nach Erdbeere, Himbeere, Kirsche, Walnuss, Vanille, Schoko und Zitrone gleichzeitig. Emilie staunte nicht schlecht und sah Marcel an. Der sah ebenso bezaubert sie an.

Emilie hatte das Gefühl, dass etwas in ihr flatterte. Ihr wurde warm und kalt gleichzeitig. Sie fühlte sich, als könne sie fliegen.

„Weißt du, eigentlich wollte ich auch den Schoko-Nuss-Becher bestellen, aber ich wollte nicht, dass du denkst ich sei gierig und ich hatte Angst vor Schokolade am Mund. Und eigentlich wollte ich dich von Anfang an fragen, ob wir Eis essen gehen oder ins Kino oder so, aber ich bin immer viel zu feige, weil ich keinen Korb bekommen möchte und auch weil ich nicht weiß, wie man direkt ist. Und eigentlich würde ich dich gerne viel schneller kennen lernen, weil ich das Gefühl habe, dass wir irgendwie seelenverwandt sind, auch wenn das kitschig klingt.“

Marcel schaute sie erstaunt an.

„Ich wollte dich eigentlich auch als ich dich das erste Mal gesehen habe nach einem Date fragen, hatte aber Angst vor einem Korb. Um dich zu fragen, musste ich ein paar Bier trinken, sonst hätte ich das nie gemacht und das hätte ich ein Leben lang bereut. Ich glaube nämlich auch an Seelenverwandte, aber Männer glauben an sowas nicht, genauso wie Liebe auf den ersten Blick. Und ehrlich gesagt, finde ich Dates in Eisdielen doof, weil man immer den Mund voll hat und ich will alles von dir wissen. Wollen wir in den Park gehen?“

Emilie nickte.

„Ihr könnte ruhig gehen. Das ist aufs Haus.“ Die Kellnerin lächelte sie an.

Marcel und Emilie verließen verträumt die Eisdiele. Hand in Hand schlenderten sie zum Park.

Die Kellnerin räumte die Eisbecher hinter die Theke. Der Besitzer der Eisdiele, der gleichzeitig ihr Ehemann war, trat neben sie. Sie schmunzelte.

„Sag mal. Sonst holst du die Streusel nur in Sonderfällen raus. Was ist los mit dir?“

„Bei den beiden wusste ich sofort, dass sie mal heiraten und viele Kinder haben werden. Aber so wäre das nie was geworden. Eis?“

Er schob den Schoko-Nuss-Becher zu seiner Frau.

„Ich brauche die Streusel nicht. Ich kann dir auch ohne die Streusel sagen, dass ich dich liebe.“

„Ich esse mit. Ich glaube es wird an der Zeit, dass wir unserem erwachsenen Sohn sagen, dass er ausziehen soll.“ Er schob sich einen Löffeln in den Mund und zwinkerte ihr zu. „Du sahst nie besser aus und ich habe dich nie mehr geliebt.

Sie lachte und nahm auch einen Löffel.

11 Gedanken zu “Magische Streusel | Writing Friday

  1. Ich finde es auch passend steif. Es ist das erste Date – da ist man selten gleich locker. Eine tolle Geschichte.
    Ich bin ja auch nicht so die Romantikerin – aber deine Idee finde ich klasse. Ich bin immer sehr reserviert, wenn ich mal was romantisches schreiben soll. Hölzern, da es nicht mein Ding ist.
    Ach ein Date aus der Disco heraus….das waren noch Zeiten.

    Gefällt 1 Person

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