Greta und die komische Katze | Writing Friday

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Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Ich wollte mal was Putziges und Aufbauendes schreiben.

Thema: Fippo der Fuchs hat sich in die Stadt verirrt. Was erlebt er dort?

„Du bist aber eine ganz schön fette Katze. Sogar dein Schwanz ist ganz dick. Oder bist du eine von diesen neuen Rassen?“ Eine kalte faltige Hand streichelte seinen Bauch. Der kleine Fuchs Fippo versuchte nach ihr zu schnappen, aber ihm fehlte die Kraft.

„Nana. Keine Angst. Komm, dich päppele dich wieder auf.“

Etwas ruppig wurde er vom Boden aufgelesen und in eine Tasche mit Rädern gelegt. Er sah zwar den Himmel, da die Tasche nach oben offen war, aber nicht wo die Reise hinging. Fippo hatte Angst. Von dem tagelangen Herumirren in der großen Stadt war er müde. Zu Essen hatte er kaum gefunden und wenn dann sofort vertrieben worden. Es war stickig und das einzige, was er wollte, war nach Hause. Dort wo alles in Ordnung war und keine blechernen Monster existierten und nicht diese schrecklich lauten Menschen.

Die Fahrt endete abrupt in einem ruckelnden Kasten. Hier war der Himmel nicht zu sehen, nur Beton. Fippo war gefangen.

Schließlich endete die Reise und die alte Frau nahm Fippo aus dem Koffer. Sie legte ihn auf weiche Polster und deckte ihn mit einer flauschigen Decke zu. Zum ersten Mal seit Tagen wurde ihm warm. Eine Weile blieb die Frau verschwunden, dann kam sie mit einer Schale wieder.

„Meine Tochter hat zwar gesagt, Milch ist nicht gut für Katzen, aber fürs erste soll es reichen. Nachher hole ich dir richtiges Futter.“

Fippo schnüffelte misstrauisch an dem weißen Zeug. Es roch lecker, aber vielleicht war es vergiftet? Ach egal, dachte er und tunkte seine Zunge in die Schale. Hmmm.

Als die Schale leer war, wurde Fippo müde. Er kämpfte zunächst gegen den Drang zu schlafen an, aber als die menschliche Hand im sanft übers Köpfchen streichelte, legte sich ein Schleier über seine Sinne.

Es war dunkel als Fippo aufwachte und er bekam Panik. Gerade wollte er versuchen aufzuspringen, da wurde er in das weiche Bettchen gedrückt.

„Nanana, dafür ist es noch zu früh. Jetzt wollen wir erstmal sehen, ob du verletzt bist. Aber vorsichtig, nicht dass du mich beißt oder kratzt. Du verstehst ja nicht, dass ich dir nichts Böses will. Ich heiße übrigens Greta. Wie du heißt, muss ich noch herausfinden.“

Greta deckte Fippo sanft auf. Um einen Arm hatte sie eine Decke gewickelt, mit der anderen tastete sie Fippo ab. Als sie die hintere rechte Pfote erreicht hatte, biss Fippo in die Decke.

„Ach da ist was.“ Greta hielt Fippo fest und zupfte ungeschickt einen Glassplitter aus der Pfote, dann wusch sie sie mit warmem Wasser ab.

„Entschuldige, aber ich sehe nicht mehr so gut. Grauer Star, weißt du? Ein bisschen vergesslich bin ich auch. Nuja das Alter, immerhin bin ich sonst fit. Und dich kriege ich auch wieder hin.“

Schließlich deckte sie Fippo wieder zu. „Ich glaube ich nenne dich einfach Seidig. Das ist zwar kein Name, aber dein Fell ist so weich. Und ich konnte nicht sehen ob du Männchen oder Weibchen bist.“

Der Schmerz in der Pfote ließ langsam nach. Fippo hatte vergessen, wie sich das anfühlt.

Wieder wurde er müde und die warme Hand geleitete ihn in den Schlaf.

Am nächsten Morgen fühlte er sich schon besser und nach einem ausgiebigen, wenn auch nicht unbedingt leckeren, Frühstück begann er langsam die Wohnung zu erkunden.

Greta saß auf einem großen Sessel und beobachtete Fippo erfreut. „Na du erholst dich aber schnell.“

Als Fippo nach einer großen Erkundungstour wieder müde wurde, wollte er nicht ohne die warme Hand einschlafen, aber die kam nicht zu ihm. Also legte sich Fippo neben die warme Hand, die gleich ihren Dienst tat.

So vergingen einige Tage bis Fippo wieder ganz fit war. Er war voller Energie und tobte in der Wohnung herum.

Nach einer Woche, Greta kraulte Fippo in den Schlaf, merkte der kleine Fuchs, dass sich etwas verändert hatte. Greta klang anders als sonst.

„Seidig, ich glaube du musst wieder gehen. Meine Wohnung ist viel zu klein für dich und eigentlich darf ich auch keine Haustiere halten. Wahrscheinlich gehörst du jemanden, der ich vermisst. Jetzt bist du stark genug es alleine zu schaffen. Morgen lasse ich dich frei.“

Fippos Fell wurde stellenweise nass und er leckte die Hand ab die ihn gerade streichelte. Sie schmeckte salzig.

Am nächsten Morgen, noch vor dem Sonnenaufgang, öffnete Greta die Wohnungstür. „Komm.“

Fippo folgte Greta neugierig. Zunächst ging es wieder in den sich bewegenden Kasten. Greta musste ihn beruhigen. Dann sah Fippo auch schon einen Baum. Sie gingen durch eine weitere Tür und Fippo sah den Himmel.

„Komm. Ich bringe dich noch zum Park. Da in der Nähe habe ich dich gefunden. Jetzt findest du sicher wieder heim. Das weiß ich.“

Fippo folgte Greta unsicher. Ein paar Mal erschrak er vor den blechernen Monstern und anderen Menschen, aber mit Greta fühlte er sich sicherer. Es dauerte nicht lange dann waren sie am Park. Die Luft roch herrlich. Greta setzte sich hin und Fippo setzte sich vor sie.

„Nun Seidig, es wird Zeit heimzukehren. Danke für deine Gesellschaft. Du hast mir viel Freude bereitet. Und jetzt geh.“

Fippo wedelte mit dem Schwanz. Er erinnerte sich hier vorbeigekommen zu sein. Hinter dem Park war noch eine Weile Betonwüste und dann kamen ein Feld und dahinter sein Wald. Ja, jetzt war er sicher.

Er bellte, leckte Greta über die Hand, dann stob er davon.

Greta blieb lächelnd und mit Tränen in den Augen sitzen.

„Eine komische Katze.“

 

15 Gedanken zu “Greta und die komische Katze | Writing Friday

  1. Eine fette Katze! 😀
    Seeeeehr niedlich. Sehr … menschlich. Aber eigentlich egal, im Grunde sind wir alle doch sehr ähnlich. Hunger, Schutz, soziale Interaktion. Man sollte öfter darüber nachdenken.
    (Als praktizierender Katzenmensch frage ich mich natürlich sofort, wo denn in den paar Tagen, in denen er sich bei Greta erholen durfte, sein Klo stand. Da wird Greta vielleicht noch ein paar unangenehm riechende Überraschungen erleben.)
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 1 Person

    • Danke. 🙂
      Öhem, ich hatte erst nen Absatz drinnen, wo ich beschrieben habe, dass sie Katzenstreu in ihre Fußwanne füllt, dann dachte ich aber, dass es mehr Fragen aufwirft als Probleme löst. Deswegen habe ich es einfach unter den Tisch fallen lassen. Sie wird das schon irgendwie gelöst haben und Fippo ist ja ein netter Fuchs, der kackt nicht aufs Sofa. 😉
      LG

      Gefällt 2 Personen

  2. Sehr berührend. Beide haben voneinander profitiert. Der Fuchs von der Zuneigung und Pflege in einer fremden Umgebung und Greta, weil sie jemanden in ihrer Einsamkeit um sich hatte.
    Schön geschrieben.

    Gefällt 1 Person

  3. Huhu,

    mit zwei Anläufen bin ich auch endlich dazu gekommen deine Geschichtezu lesen. Sie gefällt mir und ist süß. Schöne Idee. Sie ist meiner wirklich recht ähnlich.

    LG Corly

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