Der Dienstag ist für mich Gedichtetag. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichtenden findet ihr am Ende.
pinguine
heute habe ich pinguine watscheln sehen. rote, blaue, schwarze, gelbe. kleine füße, große. mit gepäck und ohne. morgen werden sie wieder rennen und vergessen haben, dass nicht sie das tempo vorgeben.
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türschwellen
häuser fahren an mir vorbei. auf autobahnen mit schildern. ich sehe geschlossene fenster mit geöffneten augen, haustüren, die fußabtreter sind. tausende leben. millionen gefühle. fahren an mir vorbei. auf autobahnen. mit schildern. ich sitze, klein, ohne fenster und türen. meine augen flattern und mein kopf stolpert über unüberbrückbare türschwellen.
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boom und wieder fliegen all die guten vorsätze in die luft, bevor sie gemacht werden konnten. ein paar finger explodieren mit, vögel, igel, maulwürfe, scheinchen, die unverschmutzte luft, ein paar leben, auch junge. das neue jahr beginnt mit einem boom damit der krach des restlichen jahres nur noch wie ein furz klingt. den geruch nach faulen eiern ignoriert man lieber. hauptsache boom.
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alle jahre
alle jahre wieder. unterm baum liegen versprechen. gebrochene, gehaltene, zukünftige. wir tauschen raschelndes papier gegen lächeln und schieben warme herzen in regale. greifbar ist es. das bleibende nicht. ein bisschen zimtig riecht der große familienstreit. wohlig warm sind omas tröstende hände. alle jahre anders. es bleibt nur das wieder. alle jahre.
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ein zentimeter deiner haut
ein zentimeter deiner haut. riecht nach der creme von heute morgen. unserer letzten nacht. nach dir. strahlt wärme aus. wohlige nähe. ein zentimeter ohne einen millimeter platz. ist weich wie seide und erzählt von sonne. einem kratzer, der mal da war. in der mitte ein leberfleck. beinahe herzförmig, wenn ich meinen kopf etwas drehe. ein zentimeter deiner haut. auf dem meine nase ruht und seele verweilt.
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kittschig
und dann hängen sie wieder, die bunten sterne. schön sind sie, ein wenig grell mancherorts. ich lasse mich inspirieren. decke verrottendes laub mit tannenzweigen zu, kunstschneebestäubt. ein paar figürchen neben dreckiges geschirr, ein paar auf die staubige fensterbank. über die risse in der außenwand klettern lachende nikoläuse. vor allem zur weihnachtszeit reparieren wir mit kitsch statt mit kitt. kittschig.
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bald bin ich da
sanft fährt er mit langen kalten händen über nasen und ohren. liebkost gräser und blätter. sät weiße küsse auf den rauen asphalt. abends klopft er sachte an die fensterscheibe. bald bin ich da. schreibt er in kristallschrift auf das glas. noch ist seine nase warm, aber sein atem wabert wie nebel, seine stimme klirrend klar
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etwas, das nichts ist
etwas, das nichts ist, kann sich nicht ausbreiten. etwas, das nichts ist, kann keinen raum einnehmen. ich beobachte die leere, wie sie wabert, kreist, tanzt. eine abwesenheit, die sich verdichtet. in meinem magen, zwischen meinen beinen, zehen. an den haarspitzen kräuselt sie sich. in den fingerspitzen kribbelt sie. etwas, das nichts ist, kann sich nicht wie etwas anfühlen. und doch ist innere leere eines der ausfüllendsten gefühle.
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Und welche Autor*innen hier kennen das? 😉
kunstleiden
eisig kalt. mein rücken schmerzt. der magen knurrt, der darm seufzt. meine hände sind am limit. aber mein kopf sagt weiter. finger tanzen über tasten, schaffen welten, beleben ideen und malen wortbilder. immer weiter. bis mein kopf leergeschrieben ist und michelangelo mir unter der sixtinischen decke hängend zulacht.
Weil wahrscheinlich kaum einer den Michelangelo Hinweis am Ende versteht, hier der Anfang des Gedichtes, das Michelangelo über seine Arbeit an der Decke der Sixtinischen Kapelle schrieb:
„Ich habe schon einen Kropf von dieser Tortur bekommen, hier zusammengekauert wie eine Katze in der Lombardei (oder irgendwo sonst, wo das stehende Wasser giftig ist). Mein Magen ist unter meinem Kinn gequetscht, mein Bart ist zeigt auf den Himmel, mein Gehirn ist in einem Sarg zerquetscht, meine Brust verdreht sich wie die einer Harpyie. Mein Pinsel, die ganze Zeit über mir, tropft Farbe so dass mein Gesicht einen feinen Boden für Exkremente bildet!…“