
Das ist kein wissenschaftlicher Text, sondern eine Gedankenkritzelei. Jeden Freitag schreibe ich über etwas, das mir auf dem Herzen liegt. Wenn ich etwas wissenschatftlicher werde, bemühe ich mich keine Falschinformationen auf den Weg zu bringen. Wenn das doch passiert, lasst einen Kommentar da. Ebenso, wenn ihr Lust zu diskutieren habt oder wenn ihr eine virtuelle Umarmung braucht. Die gibt es hier gratis.
Ich war nach 6 Jahren endlich mal wieder auf einem Metal-Festival und holy shit habe ich das vermisst. Vor ca. 8 Jahren habe ich über meine Erfahrungen auf Festivals einen Text für ein Straßenmagazin geschrieben und dann auch hier auf meinem Blog veröffentlicht. Da ich ihn noch immer sehr mag, dachte ich, ich bereite ihn nochmal auf und poste ihn.
Metal-Festival oder wie man Urlaub von der Zivilisation macht
Der tägliche Umgang mit unseren Mitmenschen ist geprägt von gewissen Umgangsformen. Damit meine ich nicht „Bitte“ und „Danke“ zu sagen, sondern ein gepflegtes Äußeres, Bier erst nach dem Feierabend und das Verbergen von körpereigenen Gasen in Gesellschaft. Auf Metal-Festivals kann man das alles gepflegt über Bord werfen.
Tag 1
Der erste Tag eines Festivals zählt kaum als Zivilisationsurlaub. Die meisten sind noch sauber, einige tragen Make-up, einige sind rasiert. Das erste Bier gibt es erst nach dem Aufbau, oft begleitet von einem ersten harmlosen Bekleidungsverlust. Abends finden die ersten Konzerte statt, doch im Zentrum der Aufmerksamkeit steht das Ankommen und Kennenlernen der Zeltnachbarn. Diese werden im Laufe des Festivals zu den besten Freunden oder, wenn sie eine schlechte Musikanlage oder einen schlechten Geschmack haben, zu den ärgsten Feinden. Außerdem gewöhnt man sich langsam wieder daran, wie laut so ein Rülps klingen kann.
Tag 2
Man gewöhnt sich nun auch an die Toiletten, achtet aber noch auf die Sauberkeit und nutzt ggf. Desinfektionstücher. Man erinnert sich daran, dass man Toiletten meiden muss, aus denen zufrieden lächelnde Personen kommen. Essen wird noch gekocht. Bier macht etwa 30 Prozent der Nahrung aus. Einige spielen Flunkyball (Trinkspiel) und andere bieten auf Pappschildern Umarmungen an. Die ersten bedeutenden Konzerte laufen und man sieht etwa 90 Prozent der Bands, die man sehen wollte. Mittlerweile kennt man etwa 2 Prozent der Festivalbesuchenden mit Namen.
Tag 3
Dreckige Toiletten sind das neue normal. Essen wird noch zubereitet, aber man weicht bereits auf die teuren Lebensmittel an den Essensständen aus. Bier nähert sich als Anteil an der Gesamtnahrung konstant den 50 Prozent. Auch die Differenz zwischen den Bands, die man sehen wollte vs die man sieht, erreicht die 50 Prozent. Der Nacken vieler Besuchenden beginnt leicht zu ziehen, der Rücken spannt etwas, dank dem ständigen Mitwippen und Schlafen auf ungewohnten Untergründen. Etwa 10 Prozent der Festivalbesuchenden zählt man nun zu den guten Freunden.
Tag 4
Wenn der Toilettensitz dreckig oder das Dixie-Klo randvoll ist, schwebt man eben drüber. Essen ist Nebensache, Bier gibt es genug. Die, die am nächsten Tag fahren müssen, beginnen zu jammern, weil sie dann nüchtern sein müssen. Bands sind Nebensache, man schafft optimistisch berechnet 30 Prozent. Das sind dann die wirklich guten Konzerte. Man fühlt sich durch den Kakao gezogen und sieht ein wenig wie ein sehr schmutziger Zombie aus. 15 Prozent der Festivalbesuchenden will man nächstes Jahr definitiv wieder treffen. Die sentimentale Phase beginnt, denn die Zivilisation naht raschen Schrittes.
Tag 5
Es wird sentimental, trotzdem freut man sich auf die heimische Dusche. Meist hat man versehentlich doch mal geschnauft und riecht sich und seine Mitmenschen mit völlig neuer Nase. Es wird alles zusammengepackt und man verabredet sich beim nächsten Fast-Food-Laden für ein Abschiedsmahl. Die ersten sauberen Spültoiletten sind befremdlich und man belächelt die vollkommen in die Zivilisation integrierten Besuchenden des Restaurants. Ein letztes Mal wird aus tiefstem Herzen gerülpst, dann muss man selbst den letzten Dreck abwaschen und aufs nächste Metal-Festival warten.

Da muss ich mal meine Tochter fragen. Die waren letztes Jahr in Wacken und fahren wohl dieses Jahr auch wieder hin. 🙂
LikeLike