Warum ich „Erziehung“ doof finde | Gedankenkritzelei

Das ist kein wissenschaftlicher Text, sondern eine Gedankenkritzelei. Jeden Freitag schreibe ich über etwas, das mir auf dem Herzen liegt. Wenn ich etwas wissenschatftlicher werde, bemühe ich mich keine Falschinformationen auf den Weg zu bringen. Wenn das doch passiert, lasst einen Kommentar da. Ebenso, wenn ihr Lust zu diskutieren habt oder wenn ihr eine virtuelle Umarmung braucht. Die gibt es hier gratis.

Warum ich „Erziehung“ doof finde

Gerade macht mein Sohn eine eigenartige Phase durch, in der er viel Grenzen austestet und sehr schnell wütend wird. Ich reagiere sicher nicht immer richtig, aber ich bemühe mich ruhig zu bleiben. Auf jeden Fall hat mich diese etwas intensivere Phase dazu verleitet über „Erziehung“ nachzudenken“.

Das Wort Erziehung

Ich mag das Wort nicht. Vielleicht weil es inflationär benutzt wird, wenn es um „schlechtes Benehmen“ geht, außerdem klingt es nach Dressur, als könnte man als Eltern ein Handbuch nehmen und das Kind danach so formen, dass es der Gesellschaft in den Kram passt. Dasselbe gilt für die Wörter „Benehmen“ und „Manieren“. Das sind so Luftschlosswörter, die kaum jemand hinterfragt, obwohl sich dahinter ganz viel Unfug verbirgt.

Benehmen und Manieren

Gutes Benehmen und Manieren sind bis zu einem Grat sicher wichtig, damit man von der Gesellschaft akzeptiert wird, aber alles ohne Hinterfragen zu machen, ist auch Quatsch. Mir ist zum Beispiel aufgefallen, dass ich viele „Tischmanieren“ unsinnig bei Kindern finde. Warum sollte ich mein energiegeladenes Kind zwingen stillzusitzen? Solange er das Essen nicht rumträgt, darf er jederzeit aufstehen. Spielzeug ist am Tisch auch willkommen, solange das Essen dabei nicht vergessen wird. Im Restaurant ist das was anderes, aber der Unterschied ist ziemlich offensichtlich.

Was wichtig ist

Ich versuche ihm stattdessen beizubringen, dass man zu anderen nett sein sollte, damit Leute gerne Zeit mit einem verbringen. Anderen Schmerzen zuzufügen oder sich über sie lustig machen, sie auszugrenzen, all das führt dazu, dass andere einen nicht mögen. Man will ja auch selbst nicht mit Menschen Zeit verbringen, die sich so verhalten. Andere respektieren ist mir dabei soviel wichtiger, als dass mein Kind immer schön ruhig ist, nicht rumrennt oder nicht laut pupst. Gleichzeitig soll Rücksichtnahme aber auch nie bedeuten, dass man sich total verbiegt. Das finde ich weitaus schwieriger und wichtiger beizubringen, als gute Manieren.

Das Ziel und der Weg

Am Ende wird das Kind erwachsen und soll in unserer Gesellschaft klarkommen, vor allem aber soll es glücklich werden. Ich glaube nicht, dass ich die Kontrolle darüber habe und deswegen finde ich das Wort Erziehung so falsch. Mein Kind bringt bereits einen Charakter mit und er wird von vielen anderen Menschen auch geprägt. Das ist für mich etwas gruselig, aber ein Kind ist nun mal kein Roboter. Am Ende kann ich ihm nur zeigen, wie ich mich durch die Welt navigiere, wie ich sie wahrnehme. Ich erkläre, ich leite an, ich lebe vor und hoffe, dass er es schafft, sich selbst ein Leben aufzubauen, mit dem er im Großen und Ganzen zufrieden ist.

7 Kommentare zu „Warum ich „Erziehung“ doof finde | Gedankenkritzelei

  1. Die Schule ist ja in ihren Anfängen als „Erziehungsanstalt“ programmiert gewesen, um die Kinder zu treuen Staats(liebenden) Bürgern zu formen. Mit ist deswegen der Begriff Erziehung immer verbunden mit Obrigkeit und Gehorsam. Jetzt erziehen wir in den Schulen ja nur noch in Richtung zielgerichtete Verwendung in der Wirtschaft. Tugenden wie Respekt und Freundlichkeit anderen gegenüber sind dort ja wohl ausgeklammert und werden alleine den Eltern überlassen. Deinen Ansatz “ so viel Freiheit wie möglich und Respekt innerhalb der Gemeinschaft“ finde ich sehr nachahmenswert.

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    1. Ich finde im Kindergarten wird das vermittelt und da ist das ja fast noch wichtiger als in der Schule. Aber per se müssen das eben schon die Eltern leisten. Ich fände es auch komisch, das jmd. anderem zu überlassen.

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  2. da bin ich ganz bei dir. 🙂 hat bei uns ganz gut geklappt, denke ich. ein gedanke war mir bei allem auch ein bisschen hilfe: so wenig grenzen setzen wie möglich, und so viele wie nötig. ich habe oft auf mein bauchgefühl gehört. und das wort „erziehung“ mag ich auch nicht, ich wollte nie an meinem kind ziehen 😉

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  3. Bei „benehmen“ ist für mich die oberste Direktive, dass mein Kind Dinge wie „bitte, danke, guten Tag und Auf Wiedersehen“ beherrscht.

    Was Manieren angeht, zu Hause läuft auch nicht alles nach Paragraph. 😆 😆 Wie du schon sagst, da darf gehampelt werden etc. , hauptsache, es wird gegessen. Im Restaurant erwarte ich da schon ein gewissen Maß an „manierlichen Benehmen“. Will da ja schließlich auch nochmal essen gehen können. 😆

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    1. Man muss Benehmen aber auch erklären, finde ich. Im Restaurant geht es darum, dass alle ihr Essen genießen können. Bei bitte, danke und Hallo sage ich immer, dass das Nettigkeiten sind und anderen zeigen, dass man sie sieht und wertschätzt.

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