Die Prophezeiung | Impulswerkstatt

Dies ist ein Text zu der Impulswerkstatt von Myriade und Frau Flumsel. Ziel ist es etwas Kreatives zu einem oder beiden vorgeschlagenen Bildern zu erstellen. Hier könnt ihr alles darüber lesen: *KLICK*

Die Prophezeiung

Er kniete vor der Tafel nieder und sprach ein kurzes Gebet, dann warf er sie in das letzte Feuer der Nacht. Heute war es soweit. Diese Nacht hatte er mit seinem Volk gefeiert und heute machte er sich auf dem Weg, um sich dem Biest zu stellen. Er würde es besiegen, doch ob er dafür sein Leben lassen musste, wusste er nicht. Es war unbedeutend. Viel wichtiger war, dass er die Prophezeiung erfüllte und sein Volk rettete. Mit Stolz und Liebe blickte er auf die ruhigen Häuser, dann machte er sich auf den Weg. Der Himmel war wolkenverhangen und am Horizont sah er Blitze. Donner grollte und kündigte die Ankunft des Biestes an. „Götter steht mir bei“, flüsterte er.

Es dauerte zwei Stunden, dann war er am Meer angekommen. Schon von weitem sah er den Stein, der die Stelle markierte, an der das Biest erscheinen würde. Mit Schild und Schwert stand er bereit und wartete. Das Gewitter zog langsam vorbei. Es regnete, hörte wieder auf, fing wieder an, dann verzogen sich die Wolken. Die Mittagssonne wärmte ihn. Langsam schmerzten seine Beine und er setzte sich in den Sand. Vielleicht würde das Biest später erscheinen. Die Priester hatten nur gesagt, er solle in den frühen Morgenstunden aufbrechen und nicht, dass es in den frühen Morgenstunden erscheinen würde.

Als die Sonne unterging, saß er immer noch da. Sein Magen knurrte und er hatte Durst. Den kleinen Wasservorrat, den er eingepackt hatte, war schon lange verbraucht. Als es dunkel wurde, schlief er ein und wachte erst in den frühen Morgenstunden frierend auf. Er streckte seine steifen Glieder, dann sah er sich um. Das Biest war immer noch nicht erschienen. Über Nacht waren wieder Wolken aufgezogen, aber am Horizont klarte es bereits auf. Auch heute würde es wechselhaft werden. Ein paar Stunden harrte er noch aus und gab sich seinen Gedanken hin. Warum war das Biest nicht erschienen? Die Götter hatten es vor Jahrzehnten einem ihrer höchsten Priester prophezeit. Sie hatten es auf die Holztafel gebannt und den Moment erwartet, bis ein Held das Biest bezwingen würde. Der Moment war gestern. Er war der Held. Nur das Biest war nicht gekommen. Hatten sie sich geirrt? Priester irrten nie. Sie sprachen mit den Göttern. Hatten also die Götter gelogen? Er war verzweifelt.

Als die Mittagssonne auf ihn schien, beschloss er zurückzukehren, doch er wusste nicht, was er erzählen sollte. Als er das Dorf in der Ferne sah, fasst er einen Entschluss. Er zertrümmerte sein Schild, schlug mit dem Schwert mehrmals gegen einen Felsen, zerriss seine Kleidung und fügte sich einen kleinen Schnitt im Gesicht zu. Er sah zu den Göttern. Gestern hatte er ein Biest besiegt. Fortan konnten sie ohne Angst leben.

Der Held, der Biestbezwinger, kehrte in sein Dorf und wurde gefeiert. Eine neue Holztafel wurde gefertigt, die seinen Sieg darstellte. Er war stolz auf seine Leistung, doch an die Götter glaubte er nie wieder.

18 Kommentare zu „Die Prophezeiung | Impulswerkstatt

  1. Eine wunderbare Lösung für das Biest-Problem ! Oder ist es doch eher das Priester-Problem ? Jedenfalls gefällt mir dieser Held sehr: guten Willens aber flexibel in unerwarteten Situationen. Danke dir für den Beitrag, der so gekonnt beide Fotos verbindet !

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