Geistergedicht | Writing Friday

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Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Eigentlich war das mein Lieblingsthema diesen Monat, aber irgendwie hatte ich Probleme die perfekte Idee zu haben. Die Geschichte ist einfach aus dem Bedürfnis entstanden etwas Positives zu schreiben.

Thema: Du findest auf dem Dachboden eine alte Schreibmaschine, darin stecken noch beschriebene Blätter des Besitzers. Welche Geschichte verbirgt sich darauf? Berichte davon.

„Sag mal Oma, kann ich mir die Sachen anschauen, die du gesammelt hast?“

„Aber klar, Schatz. Du kannst nur nichts davon behalten. Die Sachen sind alle für Menschen, denen es viel viel schlechter geht als uns.“

Lisa nickt, dann lief sie die Stufen in den ersten Stock. Von dort kraxelte sie über eine Leiter auf den Dachboden. Sie liebte es hier oben. Der Dachboden war riesig und durch die ganzen alten Teppiche, die hier herumlagen super gemütlich. Manchmal lag sie hier stundenlang und las.

Jetzt war der Dachboden allerdings vollgestopft mit allerlei Kram, den ihr Großvater am Wochenende zu der Spendenstation fahren sollte. Einige Sachen waren echt cool, wie ein Schaukelpferd und eine grüne Lampe, die wie ein Raumschiff aussah. Bei anderen Dingen war Lisa eher verwundert, warum das jemand brauchte. Zum Beispiel die Schreibmaschine. Heute hatte doch jeder einen Computer.

Das Ding machte sie neugierig. In Büchern hatte sie davon gelesen und auch Zeichnungen davon gesehen, aber in echt hatte sie noch nie eine sehen können. In der Schreibmaschine steckte sogar noch ein Blatt Papier. Der Vorbesitzer hatte anscheinend ein Gedicht darauf versucht.

Rosen sind rot,
Veilchen sind blau,
wenn ich dich seh

Anscheinend hatte der Dichter nicht gewusst, wie er weiter reimen soll. Lisa brauchte eine Weile bis sie an der richtigen Stelle war und noch länger bis sie den Dreh mit dem Tippen raus hatte, dann schrieb sie:

Seh ich ne Fee

Lisa kicherte, dann erkundete sie weiter den Dachboden bis es Abendbrot gab. Erst am nächsten Tag kam sie wieder und sah, dass jemand weiter an dem Gedicht geschrieben hatte.

Dahlien sind lila

Wer hatte das wohl geschrieben? Ihre Oma ging wegen ihrer kaputten Hüfte nur hier hoch, wenn es wirklich notwendig war und ihr Opa war nicht zu solchen Scherzen aufgelegt. Vielleicht einer der Jungs von neben an, die ihr einen Streich spielen sollten. Lisa tippte:

ich find dich prima

Sie beschloss die Leiter zum Dachboden zu beobachten, doch das war beim Mittagessen schwierig und als sie wieder kam, stand dort etwas Neues:

Klee ist grün

Lisa überlegte kurz, dann tippte sie

Und kann nicht verblühn

Ein wenig unheimlich fand sie das schon, also schrieb sie ein paar Zeilen darunter

Wer bist du?

Wieder nahm sich Lisa vor, die Leiter zu beobachten, diesmal kam ihr das Abendessen in die Quere. Danach stand in einer neuen Zeile:

Ein Freund

Lisa tippte:

Wie heißt du?

Dann musste sie leider ins Bett. Vor Nervosität konnte sie kaum schlafen. Direkt nach dem Aufstehen lief sie hoch um nachzusehen was da stand.

Edmund

Was ein seltsamer Name. War das vielleicht ein Geist? Sie tippte:

Bist du ein Geist?

Sie kam sich ziemlich dämlich dabei vor. Wenn das wirklich die Nachbarsjungen waren, würde sie sich fürchterlich blamieren.

Nach dem Frühstück stand leider nichts Neues, aber nach dem Mittagessen konnte sie lesen:

An manchen Tagen schon.

Lisa bekam eine Gänsehaut und überlegt sich mit ihrer Großmutter zu reden. Sie kam sich aber echt doof vor, als versuchte sie zunächst mehr Informationen zu bekommen, bevor sie sich jemanden anvertraute. Beim Schreiben hatte sie das Gefühl einen kalten Windhauch zu spüren.

Bist du gut oder böse?

Sie ging raus zum Spielen und beobachtete die Leiter durch die Fenster. Nach Kaffee und Kuchen ging sie wieder auf den Dachboden.

Wenn du gut bist, bin ich gut. Wenn du böse bist, bin ich böse.

Lisa erschrak sich. Das klang irgendwie wie eine Drohung. Sie hatte zu viel Angst etwas zu schreiben. Erst nach dem Abendbrot ging sie wieder hoch.

Hell ist der Tag

Lisa zögerte, dann schrieb sie:

weil ich dich mag. Oder nicht, ich habe Angst.

Die Nacht konnte Lisa nicht schlafen. Morgen würde die Schreibmaschine mit den anderen Dingen verschwinden. Hoffentlich verschwand der Geist mit ihr. Dauernd sah sie Schatten und hatte das Gefühl einen Windhauch zu spüren, doch nichts passierte.

Nach dem Frühstück ging Lisa mit ihrer Oma auf den Dachboden, um die Sachen runterzutragen. Als ihre Oma die Schreibmaschine fand, las sie was darauf stand. Dann sah sie Lisa kurz besorgt an.

„Friedrich Karl Edmund. Komm sofort hier hoch.“

„Ja Liebste?“

„Du hast deine Enkelin Angst gemacht.“

„Hab ich?“ Lisas Opa las die letzte Zeile. „Oh Gott das tut mir Leid, Liebes. Das sollte nur ein kleiner Spaß sein. Gestern habe ich es nicht mehr hier hoch geschafft.“

Lisa war erst richtig sauer auf ihren Opa, dann fand sie es aber auch ein wenig witzig. „Du bist nicht sehr gut im Gedichte schreiben.“

Lisas Oma lachte. „Nein, ist er nicht. Sein erster Liebesbrief war voller Retchtschreibfehler und richtig schwer zu verstehen. Er meinte meine Augen wären wie ein Sonnenaufgang und meine Stimme würde wie Rauschen klingen.“

„Pff, dafür kann ich wundervolle Geschenke machen.“

„Das stimmt.“ Lisas Oma drückte ihrem Mann einen Kuss auf die Wange, dann Lisa. Bisher hatte Lisa ihren Opa nicht so gemocht. Er war immer so still, vielleicht war er doch cooler, als sie dachte.

„Ich bring dir dichten bei.“

„Oh ja bitte. Dann kann ich deiner Oma einen schönen Liebesbrief schreiben.“

„Oh bitte nicht.“

Lisa hörte ihren Opa zum ersten Mal herzhaft lachen. Es war so ansteckend, dass sie immer noch kicherte, als sie die Schreibmaschine bereits mit den anderen Sachen verladen war. Dann beschloss sie mir ihrem Opageist Edmund zu der Spendenstation zu fahren und ihm eine erste Lektion im Gedichteschreiben zu geben.

12 Gedanken zu “Geistergedicht | Writing Friday

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