„Besser als Narnia“ | Writing Friday – KW25

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Diesmal ein Dialog mit einem Buch. Ich habe mein Buch wie einige andere auch als frech/arrogant charakterisiert. Ich weiß nicht woran das liegt, aber irgendwie passt es einfach zu einem Buch.

Thema: Du findest auf der Straße ein Buch, welches sehr mitgenommen aussieht, plötzlich fängt es an mit dir zu sprechen. Schreibe das Gespräch auf.

„Hallo, junge Dame. Hier unten.“

Für einen kurzen Moment ließ ich meinen Abend rekapitulieren. Zweimal Altbierbowle und einen Schnaps. Nicht genug vollkommen betrunken zu sein. Kurz vorher hatte ich außerdem einen Döner verputzt. Definitiv genug, um die Wirkung von Alkohol zu entschleunigen. Vielleicht hatte mir jemand etwas in mein Getränk gemixt. Ich saß sehr lange in der Bar. Auch mit Leuten, die ich nicht gut kannte. Vielleicht wollte der eine sehr auffällig flirtende Typ mich gefügiger machen.
„Hey. Sag mal, bist du schwerhörig oder was?“
Ich beschloss mitzuspielen. Wenn ich schon unter Drogeneinfluss stand, konnte ich den Zustand wenigstens erforschen.
„Was willst du?“
„Das geht auch höflicher. Ich bin von der alten Schule.“
Ich schluckte den Kommentar, der mir auf der Zunge lag, hinunter.
„Wie kann ich dir behilflich sein?“
„Na na nicht so förmlich.“
Meine drogeninduzierte Halluzination ging mir jetzt schon gehörig auf die Nerven. Ich setzte mich auf den Bordstein.
„Ich bin ‚Tanaswarimbantac‘.“
„Ich heiße Sabrina.“
Ich beschloss nicht meinen richtigen Namen zu benutzen. Man wusste ja nie.
„Freut mich dich kennenzulernen. Was treibt dich in diese Gegend?“
„Ich bin auf dem Nachhauseweg.“
Ich zögerte kurz.
„Sag mal, darf ich dich was fragen?“
„Aber selbstverständlich?“
„Bist du ein Buch?“
„Ja, was denn sonst? Sehe ich aus wie ein Hund, eine Kaffeekanne oder ein Haus?“
„Ist ja schon gut. Die Frage war doof. Warum kannst du reden?“
„Ich bin ein magisches Buch.“
Das Cover hob sich leicht. Ich hörte Seiten rascheln.
„Aha.“
„Aha? Bitte etwas mehr Bewunderung.“
„Ohhhh.“
Ich überlegte aufzustehen und wegzugehen. Ich fand das Buch unhöflich. Außerdem sah es ziemlich schäbig aus.
„Besser.“
Das Buch machte eine dramatische Pause und raschelte nochmal mit den Seiten.
„Wenn du mich liest, tauchst du in die spannendste aller Fantasiewelten ein, erfährst sie hautnah.“
„So wie Narnia oder eher so wie Fantasien? Oder das Wunderland?“
„Besser. Gefährlicher. Abenteuerlicher. Realer.“
„Puh. Ach ne, lass stecken.“
Eigentlich lief mein Leben gerade fantastisch. Toller Job, toller Partner, niedliche Katzen. Auf sprechende Löwen, umherfliegende Drachen und Hexen hatte ich wenig Lust. Und meinen Kopf wollte ich auch nicht verlieren.  Sollte sich das Buch doch jemanden suchen, der eine gute Portion Realitätsverlust nötiger hatte.
Ich hörte das Buch noch einige Meter hinter mir her brüllen. Dann hörte ich nur noch die üblichen Nachtgeräusche. Ab jetzt würde ich besser auf meine Getränke Acht geben.

9 Gedanken zu “„Besser als Narnia“ | Writing Friday – KW25

  1. Hahahahaha! Auch ich muss lachen! Wie GENIAL! Auf diese Idee wäre ich nie gekaummen! Ich hatte richtig nen Film vor Augen, wie das Buch das nicht glauben kann, dass du dich nicht drauf einlassen wolltest! hahahaha

    Diese Aufgabe steht mir nächsten Freitag noch bevor. Ich hoffe, ich werde sie annhähernd so gut lösen wie du! 😀
    GlG, monerl

    Gefällt 1 Person

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