Der Dienstag ist für mich Gedichtetag. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.
minus 6 grad
unter meinen sohlen bricht eine dünne kristallene schicht. leise knirscht die kalte welt. ich schüttele eis ab. wie kleine glitzernde sterne flirrt es durch die luft bis es auf meinen atem trifft, der als sichtbarer nebel in der kälte erstirbt. eisig, klar, scharf oder einfach nur arschkalt.
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warm ums herz
manchmal ist es in der kälte wärmer als im sommer. wir sitzen am fenster. auf dem marmor eine kuschelige decke, hinter uns dampftender heißer tee und die heizung schnurrt wie ein kätzchen. wir beobachten wie der schnee fällt und die welt mit weißen linien nachmalt. kälteblitze prallen von der scheibe ab. kurz spüre ich ein wenig gänsehaut in meinen gedanken, während sich meine warme haut an deine presst und unser atem die welt vernebelt. du lachst und selbst draußen wir der kälte ein wenig warm ums herz.
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Frohes Neues!
braun
der himmel ist blau. scheiße ist braun. faschisten sind böse. der himmel färbt sich rot. nach zu viel bockwürsten bekommt man durchfall. aber es gibt auch böse ausländer. der himmel ist dunkel, ohne sterne. von pflaumen bekommt man irgendwann verstopfung. tofu ist menschenfleisch. ob man dir ins hirn geschissen hat, möchte ich fragen.
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Einen guten Start in 2025!!
auf ein neues
nach einem jahr voller treibhausgase blasen sie explodierende chemie in die luft. entschlackung. entgiftung. nächstes jahr wird es besser, sagen sie sich, doch außer verbrannten fingern ändert sich nichts. hätten sie lieber abführmittel genommen und all den scheiß des jahres an die keramikgötter geopfert. auf ein neues.
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Habt schöne Feiertage, egal wie oder ob ihr feiert!
und dann ist wieder dieses einmal im jahr
und dann ist wieder dieses einmal im jahr. sterne erleuchten die fenster, lichterketten die bäume. manchmal etwas zu hell und bunt, aber man muss ja was zeigen. das essen ist bei vielen reichlich. karpfen, ente, tofu, kartoffelsalat, lebkuchen und schokoweihnachtsmänner. etwa in der reihenfolge. bei manchen zu viel, bei anderen nicht. an die wird wenigstens gedacht, während man unter stöhnen große geschenkburgen stapelt. glühwein gibt es auch, bier, wein, sekt. ein bisschen glanz zum antrinken und um den schwelenden streit zu verdrängen. und dann, zwischen dem ganzen schein und trara, riecht es nach omas plätzchen, kaminfeuer, tannenzweigen. dieses eine lied erinnert an chorgesang, vorführungen, ans gemeinsame baumschmücken, warme schunkelnde arme. dann linsen zwischen all den kugeln, dem glitzer und glanz ein paar kindliche augen hervor. und dann ist wieder dieses einmal im jahr.
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der zweifel
zart knabbert er am ohrläppchen, arbeitet sich langsam bis zum innenohr durch. aber vielleicht. denkst du nicht? ich weiß ja nicht. schau mal bei anderen. aber dieser kleine fehler. raunt er. behutsam arbeitet er sich von kleinhirn zum großhirn. tanzt ein wenig auf meinem kopf, dann auf meiner nasenspitze herum. um dann, ganz hungrig von getaner arbeit, mir einmal herzhaft in den hintern zu beißen.
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wenn wilde töne
wenn wilde töne meine ohren umschwirren. bässe meine synapsen zum schwingen bringen. der raum bebt und stimmengewirr wie ein sturm durch den wald fegt. bin ich zwischen allen und ganz bei mir.
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wenn ein kleines bäuchlein schmerzt
wenn ein kleines bäuchlein schmerzt, bleibt erst einmal die welt stehen. der Tag besteht aus nähe, streicheln, wärme. wenn ein kleines näschen läuft, ein leises husten erklingt, die wangen rot, das köpflein heiß, dann kreisen viele sorgenpartikel in großen köpfen und liebe strömt aus offenen armen.
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langsam rieselt
langsam rieselt die weihnachtsdeko in fenster, gärten, auf tische, auslagen und die regale der supermärkte. schicht um schicht stapeln sich glitzer, bling und kitsch. ein herzhaft lachendes plastikrentier, ein aufblasbarer schneemann, ein glitzernder leuchtender weihnachtsmann. immer voller werden die fenster, bis die nacht zum tag wird. bis der weihnachtsdekoberg so hoch ist, dass er zusammenbricht und die weihnachtszeit mit einer schicht leuchtdioden, batterien und bunten plastikpartikeln begräbt. stehen bleiben nur ein paar rentiere. sie sind aus holz, haben ein paar macken und statt glitzer kleben erinnerungen an ihren hufen.
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weltmüde
manchmal bin ich weltmüde. dann ziehe ich meine realitätsvorhänge zu und mache es mir in meiner eigenen welt gemütlich. hier gibt es keine ungerechtigkeit, keine kriege, keine sterbenden kinder, keine misshandelte tiere, keine schlechte nachrichten. ich kuschele mich neben meine liebsten, die mit fell und die ohne. denke nur zwischen meinem job und meiner freizeit. nachts träume ich von einer welt, die nicht über meine hinausgeht. manchmal bin ich weltmüde und wenn ich ganz ehrlich bin, verstehe ich nicht warum ich immer wieder zurückkehre.