Der Dienstag ist für mich Gedichtetag. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.
kindergarten oder bundestag
feixen, lachen. hey, schau dir doch den an. die da. wie lächerlich. ein kleinkindkichern und eine menge augenrollen. mancheiner erhebt sich und stampft bockig aus dem raum. andere kritzeln lustige sachen auf ihre blöcke und zeigen sie unter lachen dem sitznachbarn. und der zuschauende fragt sich, ist das schon kindergarten oder noch bundestag?
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hoffnungserinnerung
dann ist da plötzlich ein kleiner schimmer. lila ist er, ein bisschen grün, pink und gelb. eine feine linie am horizont. sie besteht aus leisen stimmen, lauten rufen, auf dem gefühl von gemeinsamkeit, von wir-schaffen-das. du bist nicht alleine, sagen sie und zeichnen zarte streifen in den himmel. heute nehme ich ein blatt papier und male sie nach. für tage, an denen wolken am himmel sind und alles trist und grau wirkt. eine hoffnungserinnerung.
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wie beschreibt man hass
wenn ich versuche, den hass, der derzeit allgegenwärtig zu sein scheint, in worte zu fassen, scheitere ich kläglich. ich schreibe von unüberwindbaren bergen, kahlen wüsten, von tiefem schlamm, aber kein bild scheint ihn zu fassen. vielleicht, weil ich den hass nicht verstehe. warum hasst man menschen, die eine andere hautfarbe, augenfarbe, religion haben? warum hasst man menschen, die lieben, wen sie wollen, die leben, wie sie fühlen? warum hasst man worte, die dazu da sind, um zu verbinden? wenn ich versuche, den hass in worte zu fassen, scheitere ich kläglich, weil ich den hass unerträglich finde. und ich hoffe, dass der hass nur so laut ist, weil denen ohne hass auch die worte fehlen.
Dies ist ein Text zu der Impulswerkstatt von Myriade. Ziel ist es etwas Kreatives zu vorgeschlagenen Bildern oder zu einer Schreibaufgabe zu erstellen. Hier könnt ihr alles darüber lesen: *KLICK* Die aktuellen Bilder und Mosaikstücken zur aktuellen Impulswerkstatt findet ihr hier: *KLICK*
Ich habe mich mal an einem „echten“ japanischen Haiku probiert. Ich bin allerdings nicht sehr gut im Kanji (ok, die Hiraganas sind auch nur so halb gut) schreiben, da fehlt mir einfach die Übung. Nuja, aber erst der Haiku in japanischer Schrift, dann in unserer Schrift und dann die Übersetzung.
Asa narai – Hyosho ga hassei suru – Madobe iru
morgendlicher winterwind eiskristalle wachsen ich stehe am fenster
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minus 6 grad
unter meinen sohlen bricht eine dünne kristallene schicht. leise knirscht die kalte welt. ich schüttele eis ab. wie kleine glitzernde sterne flirrt es durch die luft bis es auf meinen atem trifft, der als sichtbarer nebel in der kälte erstirbt. eisig, klar, scharf oder einfach nur arschkalt.
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warm ums herz
manchmal ist es in der kälte wärmer als im sommer. wir sitzen am fenster. auf dem marmor eine kuschelige decke, hinter uns dampftender heißer tee und die heizung schnurrt wie ein kätzchen. wir beobachten wie der schnee fällt und die welt mit weißen linien nachmalt. kälteblitze prallen von der scheibe ab. kurz spüre ich ein wenig gänsehaut in meinen gedanken, während sich meine warme haut an deine presst und unser atem die welt vernebelt. du lachst und selbst draußen wir der kälte ein wenig warm ums herz.
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Frohes Neues!
braun
der himmel ist blau. scheiße ist braun. faschisten sind böse. der himmel färbt sich rot. nach zu viel bockwürsten bekommt man durchfall. aber es gibt auch böse ausländer. der himmel ist dunkel, ohne sterne. von pflaumen bekommt man irgendwann verstopfung. tofu ist menschenfleisch. ob man dir ins hirn geschissen hat, möchte ich fragen.
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Einen guten Start in 2025!!
auf ein neues
nach einem jahr voller treibhausgase blasen sie explodierende chemie in die luft. entschlackung. entgiftung. nächstes jahr wird es besser, sagen sie sich, doch außer verbrannten fingern ändert sich nichts. hätten sie lieber abführmittel genommen und all den scheiß des jahres an die keramikgötter geopfert. auf ein neues.
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Habt schöne Feiertage, egal wie oder ob ihr feiert!
und dann ist wieder dieses einmal im jahr
und dann ist wieder dieses einmal im jahr. sterne erleuchten die fenster, lichterketten die bäume. manchmal etwas zu hell und bunt, aber man muss ja was zeigen. das essen ist bei vielen reichlich. karpfen, ente, tofu, kartoffelsalat, lebkuchen und schokoweihnachtsmänner. etwa in der reihenfolge. bei manchen zu viel, bei anderen nicht. an die wird wenigstens gedacht, während man unter stöhnen große geschenkburgen stapelt. glühwein gibt es auch, bier, wein, sekt. ein bisschen glanz zum antrinken und um den schwelenden streit zu verdrängen. und dann, zwischen dem ganzen schein und trara, riecht es nach omas plätzchen, kaminfeuer, tannenzweigen. dieses eine lied erinnert an chorgesang, vorführungen, ans gemeinsame baumschmücken, warme schunkelnde arme. dann linsen zwischen all den kugeln, dem glitzer und glanz ein paar kindliche augen hervor. und dann ist wieder dieses einmal im jahr.
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der zweifel
zart knabbert er am ohrläppchen, arbeitet sich langsam bis zum innenohr durch. aber vielleicht. denkst du nicht? ich weiß ja nicht. schau mal bei anderen. aber dieser kleine fehler. raunt er. behutsam arbeitet er sich von kleinhirn zum großhirn. tanzt ein wenig auf meinem kopf, dann auf meiner nasenspitze herum. um dann, ganz hungrig von getaner arbeit, mir einmal herzhaft in den hintern zu beißen.