wie beschreibt man hass | Der Dienstag dichtet


Der Dienstag ist für mich Gedichtetag. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

wie beschreibt man hass

wenn ich versuche, den hass, der derzeit
allgegenwärtig zu sein scheint, in worte zu
fassen, scheitere ich kläglich. ich schreibe
von unüberwindbaren bergen, kahlen wüsten,
von tiefem schlamm, aber kein bild scheint
ihn zu fassen. vielleicht, weil ich den hass
nicht verstehe. warum hasst man menschen,
die eine andere hautfarbe, augenfarbe, religion
haben? warum hasst man menschen, die
lieben, wen sie wollen, die leben, wie sie
fühlen? warum hasst man worte, die dazu
da sind, um zu verbinden? wenn ich versuche,
den hass in worte zu fassen, scheitere ich
kläglich, weil ich den hass unerträglich finde.
und ich hoffe, dass der hass nur so laut ist,
weil denen ohne hass auch die worte fehlen.

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Haiku | Impulswerkstatt

Zettel und Federhalter. Über dem Federhalter steht Impulswerkstatt

Dies ist ein Text zu der Impulswerkstatt von Myriade. Ziel ist es etwas Kreatives zu vorgeschlagenen Bildern oder zu einer Schreibaufgabe zu erstellen. Hier könnt ihr alles darüber lesen: *KLICK*
Die aktuellen Bilder und Mosaikstücken zur aktuellen Impulswerkstatt findet ihr hier: *KLICK*

Ich habe mich mal an einem „echten“ japanischen Haiku probiert. Ich bin allerdings nicht sehr gut im Kanji (ok, die Hiraganas sind auch nur so halb gut) schreiben, da fehlt mir einfach die Übung. Nuja, aber erst der Haiku in japanischer Schrift, dann in unserer Schrift und dann die Übersetzung.

Asa narai – Hyosho ga hassei suru – Madobe iru

morgendlicher winterwind
eiskristalle wachsen
ich stehe am fenster

minus 6 Grad | Der Dienstag dichtet


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minus 6 grad

unter meinen sohlen bricht eine
dünne kristallene schicht. leise
knirscht die kalte welt. ich schüttele
eis ab. wie kleine glitzernde sterne
flirrt es durch die luft bis es auf
meinen atem trifft, der als sichtbarer
nebel in der kälte erstirbt. eisig, klar,
scharf oder einfach nur arschkalt.

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warm ums herz | Der Dienstag dichtet


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warm ums herz

manchmal ist es in der kälte wärmer als
im sommer. wir sitzen am fenster. auf dem
marmor eine kuschelige decke, hinter uns
dampftender heißer tee und die heizung
schnurrt wie ein kätzchen. wir beobachten
wie der schnee fällt und die welt mit weißen
linien nachmalt. kälteblitze prallen von der
scheibe ab. kurz spüre ich ein wenig gänsehaut
in meinen gedanken, während sich meine
warme haut an deine presst und unser atem
die welt vernebelt. du lachst und selbst draußen
wir der kälte ein wenig warm ums herz.

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braun | Der Dienstag dichtet


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Frohes Neues!

braun

der himmel ist blau. scheiße ist braun. faschisten
sind böse. der himmel färbt sich rot. nach zu viel
bockwürsten bekommt man durchfall. aber es gibt
auch böse ausländer. der himmel ist dunkel, ohne
sterne. von pflaumen bekommt man irgendwann
verstopfung. tofu ist menschenfleisch. ob man dir
ins hirn geschissen hat, möchte ich fragen.

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auf ein neues | Der Dienstag dichtet


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Einen guten Start in 2025!!

auf ein neues

nach einem jahr voller treibhausgase
blasen sie explodierende chemie in
die luft. entschlackung. entgiftung.
nächstes jahr wird es besser, sagen sie
sich, doch außer verbrannten fingern
ändert sich nichts. hätten sie lieber
abführmittel genommen und all den
scheiß des jahres an die keramikgötter
geopfert. auf ein neues.

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und dann ist wieder dieses einmal im jahr | Der Dienstag dichtet




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Habt schöne Feiertage, egal wie oder ob ihr feiert!

und dann ist wieder dieses einmal im jahr

und dann ist wieder dieses einmal im jahr. sterne
erleuchten die fenster, lichterketten die bäume.
manchmal etwas zu hell und bunt, aber man muss
ja was zeigen. das essen ist bei vielen reichlich.
karpfen, ente, tofu, kartoffelsalat, lebkuchen und
schokoweihnachtsmänner. etwa in der reihenfolge.
bei manchen zu viel, bei anderen nicht. an die wird
wenigstens gedacht, während man unter stöhnen
große geschenkburgen stapelt. glühwein gibt es auch,
bier, wein, sekt. ein bisschen glanz zum antrinken
und um den schwelenden streit zu verdrängen. und
dann, zwischen dem ganzen schein und trara, riecht
es nach omas plätzchen, kaminfeuer, tannenzweigen.
dieses eine lied erinnert an chorgesang, vorführungen,
ans gemeinsame baumschmücken, warme schunkelnde
arme. dann linsen zwischen all den kugeln, dem glitzer
und glanz ein paar kindliche augen hervor. und dann
ist wieder dieses einmal im jahr.

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der zweifel | Der Dienstag dichtet


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der zweifel

zart knabbert er am ohrläppchen, arbeitet
sich langsam bis zum innenohr durch.
aber vielleicht. denkst du nicht? ich weiß
ja nicht. schau mal bei anderen. aber dieser
kleine fehler. raunt er. behutsam arbeitet
er sich von kleinhirn zum großhirn. tanzt
ein wenig auf meinem kopf, dann auf meiner
nasenspitze herum. um dann, ganz hungrig
von getaner arbeit, mir einmal herzhaft
in den hintern zu beißen.

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wenn wilde töne | Der Dienstag dichtet



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wenn wilde töne

wenn wilde töne meine ohren
umschwirren. bässe meine
synapsen zum schwingen
bringen. der raum bebt und
stimmengewirr wie ein sturm
durch den wald fegt. bin ich
zwischen allen und ganz bei
mir.

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wenn ein kleines bäuchlein schmerzt | Der Dienstag dichtet



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wenn ein kleines bäuchlein schmerzt

wenn ein kleines bäuchlein schmerzt,
bleibt erst einmal die welt stehen. der
Tag besteht aus nähe, streicheln, wärme.
wenn ein kleines näschen läuft, ein
leises husten erklingt, die wangen rot,
das köpflein heiß, dann kreisen viele
sorgenpartikel in großen köpfen und
liebe strömt aus offenen armen.

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