Der Dienstag ist für mich Gedichtetag. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.
tonlos
manchmal suche ich auf anderen planeten nach schönen tönen. ein klingeln, wispern, surren. manchmal suche ich in mir selbst nach schönen tönen und höre nur ein knarzen.
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die konsumhasen da hüpfen sie wieder in scharen. gold, lila, sitzend, stehend, glitzernd, knusprig, weiß, dunkel. anscheiend nicht afd-konform. aber ja, die hasen sind wieder da. süß sind sie. ein bisschen sinnlos, weil so richtig haben sie nichts mit ostern zu tun. aber das, was feste definiert, schreiben schließlich nicht mehr traditionen sondern unternehmen vor.
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lebensweißnichtheiten
zwischen improvisation und gespielter ahnung. die vita ein flickenteppich. der tag ein sammelsurium aus versuchen. manchmal klappt es. aber frag mich nicht um rat. ich bin nur experte für lebensweißnichtheiten.
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Ich bin gerade in Paris und lass es da krachen. Eure Dienstagsgedichte lese ich am Donnerstag, wenn ich nicht mehr mit Baguette- und Crêpe-Essen beschäftigt bin. Ich winke euch vom obersten Teil des Eifelturms zu.
steinalt
und dann bin ich plötzlich aufgerundet. habe wieder etwas hinter mir gelassen. einen vibe, eine definition, ein teil meines selbst. über nacht ist die haut schlaffer und die wehwehen lauter geworden. mit lachweinenden augen schmiere ich etwas antifaltencreme in die neue null und schreibe steinalt in meine vita.
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frühlingswecker
langsam brechen farbwellen durch das grau der letzten kälte. aus frühjahrsquellen sprudeln vogelzwitschern, bienensummen, kinderlachen, flügelschlagen, libellensurren, wurzelstrecken und das erste unter mänteln hervorlugende sommerkleiderflattern. ein hauch krokusse weht darunter davor. der duft von warmer nasser erde, bärlauch und das versprechen von osterfeuer verfangen sich in der luft. eine entblößte wade wird von der sonne sanft gestreichelt und der wind weht wärme in blasse haut. vom baum fällt das letzte blatt des vergangenen jahres, weicht dem neuen erwachensraum. nun ist es zeit aufzustehen, auch wenn mancheiner selbst die tosende farbpracht verschläft.
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das danach
und dann kommt man zurück mit ganz vielen fotos auf dem handy und erinnerungen im kopf. klick. wird der alltag eingeschaltet. der koffer leert sich, die mitbringsel werden zu inventar. das danach lauert schon. es färbt die welt ein wenig grauer, als sie ist. lässt das, was sonst spannend ist, ein wenig langweiliger erscheinen. und dann, nach einer weile, folgt dem danach ein anderes danach. etwas heller. mit erinnerungen, die etwas patina angesetzt haben und einem hauch vorfreude auf das nächste mal.
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montag morgen träge reibt der morgen seine augen. der tag beginnt milchig, mit cerealien. ohne göttin aber mit viel zucker. ein gähner zwischen schüssel abwaschen und der entscheidung für den dreibohnenkaffee. die sonne blinzelt und die kälte treibt rote wolken auf das müde gesicht. ein normaler montag. zumindest für die, die sich privilegiert nennen dürfen.
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ohne soße
tja da haben wir die soße. schwarz ist sie und ein bisschen kot schwimmt drinnen. statt nu-deln eine menge un-: unsinn, ungerechtigkeit, unmöglichkeit. unfassbar. aber auch ein bisschen klares ist dabei. vor allem, dieses ‚das war irgendwie klar‘. tja, da haben wir die soße. fragt sich nur, was wir damit machen. klo runterspülen, geht nicht. ein verstopften klo, kann man bei dem, was man gerade so schlucken muss nicht gebrauchen. vielleicht sollten wir eine weile trockene nudeln, kartoffeln, reis essen. so zur abwechslung. um zu verstehen, dass die meisten gerichte ohne vernünftige soße im hals stecken bleiben.
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am see
klirrend liegt die kälte auf dem see. verschleiert eisig seine spiegelung. gebrochen. nur in schwarzen löchern ruhen die wolken. sonnenumrandet.
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kindergarten oder bundestag
feixen, lachen. hey, schau dir doch den an. die da. wie lächerlich. ein kleinkindkichern und eine menge augenrollen. mancheiner erhebt sich und stampft bockig aus dem raum. andere kritzeln lustige sachen auf ihre blöcke und zeigen sie unter lachen dem sitznachbarn. und der zuschauende fragt sich, ist das schon kindergarten oder noch bundestag?