Der Dienstag ist für mich Gedichtetag. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.
krönchen
gestern sind mir die zähne ins gras gefallen. eine einzelne krone habe ich zwischen den eisblumen gefunden. die trage ich heute auf dem kopf und fühle mich wie eine prinzessin.
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schmauchspuren
deshalb ist das so. erklärst du. ein heuballen weht durch meinen kopf. ein paar fusseln bleiben hängen. gähnende leere macht sich breit. aus protest. das wissen versteckt sich lieber hinter der saloontür. es betrinkt sich. die wut sitzt daneben und prostet dem selbstverständnis mit gin tonic zu. auf der anderen seite fühlt man sich besser. hat man doch wieder eine unwissende aufgeklärt. die schulter wird geklopft, mit dem kopf zufrieden genickt. der colt wird weggesteckt. den schnellen schusswechsel hat man gewonnen, ohne schießen zu müssen. nur an der saloontür findet man leicht schmauchspuren.
Da ich ohne Druck kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.
von palmen
von palmen komme ich. meer hat meine nase umspült. der warme sand knistert noch zwischen meinen zehen. und nun sitze ich hier. auf meinen schultern liegen aktenordner voller alltag und palmenfreier realität.
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migräne
heute feuern meine synapsen mit kanonenkugeln auf spatzen. der knall ist bis in die follikel zu spüren. das keilbein bebt, der mittelfuß zuckt und die zehen tanzen im takt dazu. wenn mein kopf endlich das kopfkissen trifft, ist ruhe. sage ich ihnen. gestern haben sie trotzdem weiter party gemacht. heute nehme ich ihnen die stereoanlage weg und die verdammte diskokugel.
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Inspiriert von Twitter.
menschlich
manchmal verstehen wir einander einfach nur nicht. dein kopf liegt nicht auf meinem kissen. meine füße nicht in deinem bett. und doch findest du meine federn zu hart. ich deine bettwäsche zu unbequem. du brüllst durch die schlafzimmer. ich beiße ins kopfkissen und spucke wolle. eigentlich faszinierend wie ähnlich man sich fühlt und wie fremd man sich ist. wenn wir einen raum teilen würden. aber dann wären wir nicht mehr menschlich.
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Das ist bisher nicht mein Jahr. Über Silvester grippaler Infekt, Ende Januar beginnende Lungenentzündung und jetzt hat das Kind und Corona aus der Krippe mitgebracht. Ich lese eure Gedichte nach, wenn ich etwas fitter bin.
das große c in meiner nase kitzelnd, in meinem hals kratzend, schabend. kleine beinchen tanzen durch mein system. hatschi und hust. wandern sie über ein kleines stiftchen mit blassschmieriger tinte auf ein manuskript, dass ruhe und bett mit einen großen c schreibt.
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valentinstagsgedicht
heute pressen sie alle probleme in schokolade, schmuckstücke. düngen ihre blumen damit. schreiben sie zwischen die zeilen von schnulzigen songs. wenn sie morgen aufwachen sind die probleme noch da. jetzt dann eben rosa mit einem hauch glitzer.
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auf einer skala wir haben alles gegeben, mental, vielleicht auch geld, zeit, worte, reichweite. die ersten hilfsgüter sind schon lange verbraucht und abgetragen. der strom fließt weiter. an einen ort. wir geben mehr. wenn ein zweiter dazu kommt. geben mehr vielleicht noch bei drei und vier. doch was wenn die ganze weltkarte plötzliche voller orte ist. auf einer skala von mir egal bis kümmert mich nicht, wo liegt die nächste katastrophe.
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Es gibt bestimmt bald wieder positivere Gedichte, aber heute ist so ein Tag.
sicher schmeckt das essen morgen wieder besser
ich habe den morgen mit dem müsli vermischt und zum frühstück gefressen. das mittagessen gibt es à la carte mit einem faden beigeschmack und einem hauch genervter soße. vielleicht mache ich nachtisch und ersetzte die süße durch salz und essig. sauer geht heute super runter. dazu abgelaufenes mineralwasser oder verkorkter wein. zum kaffee esse ich nichts. ich will die bitterkeit schmecken und den würgereiz so richtig genießen. beim abendessen werde ich sicher wieder versönlicher sein. neben butter gibt es einen positiveren ausblick auf die stulle. auf die tomaten träufle ich hoffnung. vor dem fernseher tunke ich chips in vergessen. sicher schmeckt das essen morgen wieder besser.
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meine zehennägel hängen durch meine zehennägel hängen durch. die knochen, gelee geworden, fließen auf meiner haut hinunter. bröckchen schwimmen darin. zerbröselte zähne wie brotkrumen. mit einem meißel haue ich steinernen kaffee aus meinen poren. wenn ich glück habe, lösen sich ein oder zwei partikel heraus. verbinden sich mit meiner müdigkeit. gebunden ist sie vielleicht erträglicher.