Digital Na(t)ive | Gedankenkritzelei

Das ist kein wissenschaftlicher Text, sondern eine Gedankenkritzelei. Jeden Freitag schreibe ich über etwas, das mir auf dem Herzen liegt. Wenn ich etwas wissenschatftlicher werde, bemühe ich mich keine Falschinformationen auf den Weg zu bringen. Wenn das doch passiert, lasst einen Kommentar da. Ebenso, wenn ihr Lust zu diskutieren habt oder wenn ihr eine virtuelle Umarmung braucht. Die gibt es hier gratis.

Digital Na(t)ive

Ich bin technik-affin und mir fällt es leicht neue Software etc. zu verstehen, vor allem aber bin ich damit aufgewachsen. Ich hatte meinen ersten PC mit 10 und mein erstes Handy mit 16. Für mich ist der Umgang damit Alltag. Wenn ich dann meinem Vater (Jahrgang 1950) versuche zu erklären, wie was läuft, fällt mir auf wie groß die Kluft ist und ich habe mich gefragt, wie es wohl ist, nicht damit aufgewachsen zu sein.

Ich vs mein Vater

Wenn ich etwas bestellen will, gehe ich online, wenn ich etwas suche, wenn ich mit Leuten kommunizieren will, dann nutze ich Mail, Social Media u.s.w. Das ist für mich Alltag und dann sagt mein Vater so Dinge wie, dass er kein Passwort für seine Email-Adresse hat, hatte er noch nie. Joa. Dass das gar nicht ohne geht, weil man einen Account braucht, dass man ohne Passwort keinen Zugriff hat und das Outlook ein Programm und nicht der Server ist – wie genau erkläre ich das? Für mich ist das alles furchtbar selbstverständlich, aber meinem Vater fehlen die Grundlagen, weil er sich nie damit beschäftigt hat und so geht es vielen, die nicht damit aufgewachsen, die keine Digital Natives sind.

Digital Native

Ich kann mich gar nicht mehr so recht an meinen ersten Rechner erinnern und ob ich ihn eigenartig fand. Ich habe viel rumprobiert und dadurch irgendwann Zusammenhänge kapiert. Im Zeitalter der Foren habe ich dann einfach alles nachgelesen und meine erste Webseite gestaltet. Bei meinem Sohn wird das nochmal anders sein. Der ist 5 und versteht was Scrollen ist und das er auf Spotify Lieder hören und auf YouTube sehen kann. Er weiß, dass ich einen Spotify Acount habe und mein Mann nicht, weswegen er nur bei mir ohen Werbung hören kann. Er hat keinen Zugriff, aber er beobachtet und lernt und nun ist es normal für ihn. Für ihn wird das nochmal schwieriger zu verstehen sein, dass einige Menschen die grundlegenden Prinzipien von Computer und Internet nicht verstehen.

Die Kluft

Nur weil man Computer und Internet bedienen kann, heißt das noch nicht, dass alle gleich fit darin sind, sonst hätten Scammer keine Chancen. Nicht jeder hat eine Neigung dazu oder die Möglichkeiten, trotzdem kann ich diesen Menschen eher erklären, wie so ein Browser funktioniert oder was Accounts sind. Bei meinem Vater fehlen aber die Grundlagen und ich weiß nicht einmal, wo ich da beginnen soll. Es ist, als würden wir eine andere Sprache sprechen und ja, das ist bei Generationenunterschieden meist so, aber ich finde diese Technikkluft nochmal schwieriger, alleine schon weil ich keine Vorstellung davon habe, wie es ohne dieses Wissen ist.

Kann man die Kluft überwinden? Ich glaube tatsächlich nicht. Klar, kann ich meinem Vater ein bisschen was beibringen oder ihn in einen Computerkurs setzen, aber er wird niemals das gleiche Selbstverständnis-Gefühl haben wie ich, wenn es um Computer/Internet geht.

10 Kommentare zu „Digital Na(t)ive | Gedankenkritzelei

  1. „Alten Leuten“ kann man da kaum etwas beibringen. Deswegen hat meine Schwiegermutter ein Seniorenhandy ohne Internet. Mit einem Smartphone wäre sie völlig überfordert. Ich habe in den 80ern mit einem C64 angefangen und bin heute natürlich als „Alter“ voll drin. 😆 Junior ist 13 und PC – Handy – Internet – erfahren. Die Kids von heute wachsen damit auf und haben es dementsprechend auch viel einfacher, das zu lernen.

    Der wirkliche Vorteil von „früher“ ist tatsächlich der Umstand, dass du relativ machen konntest, was du wolltest. Heute musst du bei jedem Satz, bei jeder Aktion erstmal schauen, ob da keiner mit Handy filmt etc. 😦

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  2. Man braucht keinen PC und kein Internet.
    Meine Eltern beide weit über 80.
    Haben nichts dergleichen und leben super ohne.
    Das Handy wird benutzt, wenn einer von Ihnen im Krankenhaus liegt.
    Sonst gibt es Post und Festnetztelefon.

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      1. Ich weiß, wird immer schwieriger.
        Meine Eltern hielten noch nie viel von Technik.
        Alle hatten früher einen Videorecorder nur wir nicht.
        Meine Eltern haben 3 Häuser und alles schriftliche macht Mama mit 85 immer noch mit der Schreibmaschine und per Telefon.
        Es ist eher ein Wunder,
        dass Sie ein Faxgerät besitzen.
        Das Finanzamt möchte, dass Sie über Email schreiben.
        Meine Mutter meinte dass Sie zur Not vor Gericht deswegen geht, wenn es soweit ist.
        Ich würde wetten den Prozess gewinnt die alte Dame auch.

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  3. Ja, davon kann ich ein (Klage-)Lied singen …
    Mein Daddy ist jenseits der 80, war EDV-Mann bei einem Großkonzern, aber das ist natürlich ewig her.

    Außer E-Mail verweigert er alles, er kann Unerwünschtes löschen (aber niemals bei Bedarf aus dem „Papierkorb“ zurückholen). Ebenso verweigert er, die Windows-Anwendung „Erste Schritte“ anzuschauen.

    Große Begeisterung, als er mich per Kamera-WhatsApp anrief (hat ihm eine Bekannte eingerichtet). Sogleich zeigte ich ihm mal einen Rundblick, wo ich gerade war. Auch bei ihm Begeisterung. Für eine einzige Stunde.
    Inzwischen nutzt er nur noch „Normal“-Handy (immerhin).
    Reicht ja auch.

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    1. Meine Schwiegereltern können zum Glück Videoanruf machen etc. Sie wohnen weiter weg und so haben sie auch Anteil am Leben ihres Enkels. Auch Bilder versenden und so, um in Verbindung zu bleiben, sind Handys sehr praktisch.

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  4. Ich liege ja so altersgemäß zwischen dir und deinem Vater.

    Ich komme mit Rechner, Internet etc. problemlos klar, meine Mutter Jg.1937 übrigens auch, kaum jemand schickt mir so viele WhatsApps wie sie, aber was uns beiden m.E. im Unterschied zu meinen Kindern fehlt ist der selbstbewusste, selbstverständliche Umgang, wir haben lange gebraucht um zu verstehen, was wir für einen Nutzen aus diesen Geräten ziehen, immer ist da die Angst „etwas kaputt zu machen“ und ich kriege bei jedem Update ein klein bisschen die Krise, weil es nicht so aussieht wie das, was ich gerade glaubte verstanden zu haben, die Behauptung, dass man gewisse Software „intuitiv“ verstünde, weckt bei mir immer den Verdacht, dass an meiner Intuition etwas nicht stimmt.

    Bei Tarzanberlins Beitrag musste ich echt lachen, mein Vater (ebenfalls JG.1937, aber schon länger verstorben) manövrierte in den 70ern Computer, die ein halbes Haus einnahmen, aber mit dem PC hat er immer nur äußerst widerstrebend gearbeitet , privat gar nicht und ein Handy hat er gar nicht erst angefasst ( aber mir eins geschenkt, damit er mich erreichen kann.).

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    1. Ja, dieses Gefühl, etwas kaputt zu machen, ist glaube ich, der größte Unterschied, der zeigt, dass es diese Kluft gibt. Ich habe mir das noch nie gedacht, aber mein Vater und meine Schwiegermama sagen das des öfteren. 😅 Intuition ist da vielleicht das Falsche Wort. Eher gewachsenen Verständnis. Es ist ja auch ein Unterschied, ob eine Sprache deine Muttersprache ist oder nicht, egal wie lange, du sie schon sprichst.

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