verloren | Der Dienstag dichtet


Der Dienstag ist für mich Gedichtetag. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichtenden findet ihr am Ende.

Meine Mutter hat aus Wut die beiden Kisten mit all den Erinnerungsstücken, wie Zeugnisse, Bilder, aus meiner Kindheit weggeworfen. Ich weiß nicht, ob das als Gedicht durchgeht, aber irgendwas ist es und es ist mir danach es heute zu schreiben.

verloren

die worte von frau jehle aus der ersten klasse
meine gedanken zu romeo und julia vom dorfe
meine hand und mein fuß in gips
wie weit ich 1994 springen konnte
die gesichter aus dem ersten kindergarten
das holzbrett mit den samen im kreis
gehäkeltes, geknotetes und genadeltes
bilder aus wörtern
die geschichte über peter den geist
meine eine 4 in latein und jede 1 in mathe
wie schlecht ich im turnen war
wie gut ich im faustball war
alle monate künstlerisch interpretiert
gepresste stunden auf wiesen und im wald
schritte, stolpersteine, hoffnungen, leidenschaften
freude, tränen, liebe, verlust, unschuld, wut
zwei kisten
gefüllt, erfüllt

verloren

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6 Kommentare zu „verloren | Der Dienstag dichtet

  1. aber wenn es noch im Kopf herumschwirrt – vielleicht auch nur als dunkler Schatten, unklares Bild, dafür voller Gefühle – dann ist es noch nicht GANZ verloren 😊 – wobei ich mich gerade frage, ob es tatsächlich so etwas gibt, wie noch nicht ganz verloren? muss am ehesten verblassend genannt werden 🤔
    Zum Denken anregendes Gedicht auf jeden Fall 😉

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  2. Als Erlebnis sicherlich verloren, wie alles Gelebte, Erleidete, Gejauchzte.
    Man kann das damals Gefühlte in der Form niemals mehr empfinden, trotzdem aber Bilder damit verbinden. Ich sehe es nicht als verloren an, denn es ist ja immer noch drin in einem, so oft man in der Kiste wühlt und ganz sicher auch verdeckt unbewusst als Erfahrung.

    Gefällt 1 Person

    1. Bei mir sind ja die physischen Kisten weg. Und sowas, wie mein erstes Schulheft und alle meine Zeugnisse sind schwer in Erinnerung zu speichern. Ich kann sie meinem Sohn nun auch niemals zeigen, was ich gerne getan hätte.

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