Ich mache einen Nachrichten-Urlaub | Gedankenkritzelei

Das ist kein wissenschaftlicher Text, sondern eine Gedankenkritzelei. Jeden Freitag schreibe ich über etwas, das mir auf dem Herzen liegt. Wenn ich etwas wissenschatftlicher werde, bemühe ich mich keine Falschinformationen auf den Weg zu bringen. Wenn das doch passiert, lasst einen Kommentar da. Ebenso, wenn ihr Lust zu diskutieren habt oder wenn ihr eine virtuelle Umarmung braucht. Die gibt es hier gratis.

Ich mache einen Nachrichten-Urlaub

Ukraine, Iran, Naturkatastrophen – überall auf der Welt passieren schreckliche Dinge und sie dominieren die Nachrichten. Das Gute geht unter, weswegen ich auch meine guten News auf Social Media veröffentliche. Aber selbst trotz meines verschobenen Fokus, sind mir die Nachrichten gerade zu viel und ich habe beschlossen, mal einige Zeit uninformiert zu sein.

Der Zwang informiert sein zu müssen

Zum Erwachsensein gehört es dazu, über die Welt informiert zu sein. Meine Eltern haben immer die Tageszeitung gelesen und abends die Nachrichten gesehen, ebenso meine Großeltern. Und auch wenn ich verstehe, dass es wichtig ist, über Dinge, die einen selbst betreffen, informiert zu sein, damit man informierte Entscheidungen treffen kann, frage ich mich manchmal, ob man immer alles wissen muss, was in der Welt passiert. 

Zu viel

Es passiert einfach zu viel und es ist schwer abzusehen, was welche Auswirkungen auf das eigene Leben hat. Es passiert so viel, dass Mitleid ein wirklich abstraktes Gefühl wird. Wie kann man auch das Leid so vieler Menschen überhaupt erfassen, ohne daran zu zerbrechen? Unser Gehirn macht das ganz gut und schafft Distanz, aber nicht dauerhaft und bei vielen sickert trotzdem etwas durch. Ich bin sehr empathisch und wenn ich mitbekommen, dass Kinder leiden, habe ich oft das Gefühl, aus meiner Haut zu fahren. Ich kann das Gefühl schlecht beschreiben, aber der Anteil dabei, den ich am schlimmsten finde, ist die Hilflosigkeit. Ich kann erst mal nichts verändern und das überfordert mich manchmal.

Was ich nicht weiß…

Mitgefühl ist wichtig. Zu wissen, dass es meiner Familie hier im Verhältnis gut geht, ist wichtig, zu helfen, wenn nötig. All das fordert, dass man sich informiert, nur darf man sich dabei selbst nicht vergessen. Ich glaube, trotz aller Erwartungen, die man ans Erwachsensein hat, manchmal ist es nötig, ein paar Sorgen abzuschütteln, ein Stück weit wieder Kind zu sein, die Nachrichten zu ignorieren und sich auf den Tag, der vor einem liegt, zu konzentrieren.

Gerade ist mir das Leid auf der Welt zu viel und ich habe beschlossen aktiv Urlaub von den Nachrichten zu machen. Einiges wird trotzdem durchsickern, alleine schon, wenn ich nach guten News suche, aber die große Masse, die will ich eine Weile meiden. Ich brauche einen Nachrichten-Urlaub, ein wenig „in den Tag leben“, ein bisschen mehr Sorglosigkeit.

4 Kommentare zu „Ich mache einen Nachrichten-Urlaub | Gedankenkritzelei

  1. Da bin ich ganz auf deiner Seite. Irgendwann ist es einfach zu viel und dann schaltet man ab. Teilweise sogar komplett. Dieser „überwiegende“ Nachrichtenurlaub. ist eine super Idee. Ganz befreien kann man sich davon eh nicht. Aber eben eben mal Urlaub machen. Familie und persönliches Umfeld als Grenze nehmen.

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  2. Ich lege auch immer öfter Nachrichtenpausen ein. Es braucht Verschnauf- und Verdauungspausen, sonst lande ich im Keller. Ja, obwohl ich in der Lage bin alles Schöne und Positive zu sehen, sind die Nachrichten immer erdrückender.
    Herzliche Grüße, Ulli

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  3. Leider speist sich ein Teil der Belastung aus Medienbeiträgen, denen man aufgrund von Unaufmerksamkeit Gelegenheit gegeben hat, einen mit ihren allzu sensationsorientierten, auf kurzlebigen Konsum ausgerichteten Berichten sozusagen von der Seite „anspringen“, statt dass man nur liest, hört oder anschaut, was man sich bewusst auswählt, wenn man sich dazu bewusst entschieden hat.
    Ich suche es mir genau aus, wieviele politische Informationen ich „zu mir nehme“ und vor allem, aus welchen Quellen. Ausserdem meide ich tägliche Fetzen wie „Wer zu wem worüber was gesagt hat“, zu verfolgen. So komme ich mit einmal täglichen, ausgewählten Berichten ganz gut zurecht.

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