ist | Der Dienstag dichtet


Der Dienstag ist für mich Gedichtetag. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichtenden findet ihr am Ende.

ist

tritt aus einem schatten heraus. nicht
um licht zu sehen, sondern um licht
zu verdrängen. wie ein eisbrecher.
mit der geduld einer mutter.
langsam.
aus dem schatten, aber nicht ins
licht.
in der erinnerung ist die wut immer
dunkel, eisig. in dem moment ist sie
geduldig, nährend, brennend. sie
ist und alles andere nicht.

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6 Kommentare zu „ist | Der Dienstag dichtet

  1. Hallo Katha, ich habe mal meinen Microsoft Copiloten gebeten, Dein heutiges Gedicht zu interpretieren. Mein Eindruck einer „gezügelten Wut“ die gezielt aus dem Schatten tritt, ist dabei noch wesentlich besser erklärt worden. Ich zitiere als Microsoft Copilot:

    🌒 Was hier „ist“ – eine mögliche Lesart🔹 1. Die Wut als Gestalt

    Das Gedicht beginnt mit einer Bewegung: „tritt aus einem schatten heraus“

    Das ist kein Erscheinen, das gesehen werden will. Es ist ein Auftauchen, das Raum beansprucht – „nicht um licht zu sehen, sondern um licht zu verdrängen“. Die Wut wird nicht als Explosion beschrieben, sondern als etwas, das sich seinen Weg bahnt wie ein Eisbrecher:

    • schwer
    • zielgerichtet
    • unaufhaltsam
    • funktional, nicht dramatisch

    Das widerspricht der gängigen Vorstellung von Wut als heißem, impulsivem Ausbruch. Hier ist sie kalt, methodisch, fast technisch.🔹 2. Die Mutter-Metapher

    „mit der geduld einer mutter“

    Das ist ein überraschender, fast verstörender Vergleich. Geduld und Wut werden zusammengebunden. Das erzeugt eine Ambivalenz:

    • Wut als etwas, das aushält,
    • das wartet,
    • das nährt,
    • das weiß, wann es dran ist.

    Es ist eine Wut, die nicht zerstören will, sondern etwas in Bewegung setzt.🔹 3. Zwischen Schatten und Licht

    Die Bewegung geht „aus dem schatten, aber nicht ins licht“. Das ist ein Schwebezustand. Die Wut tritt hervor, aber sie sucht keine Bühne. Sie will nicht gesehen werden – sie will wirken. Sie bleibt in einem Zwischenraum, einem Dämmerbereich, wo sie weder verdrängt noch ausgestellt wird.🔹 4. Erinnerung vs. Moment

    Der stärkste Bruch im Gedicht:

    • In der Erinnerung: dunkel, eisig
    • Im Moment: geduldig, nährend, brennend

    Das ist eine präzise psychologische Beobachtung. Wut wird im Rückblick oft als etwas Kaltes, Hartes erinnert – als etwas, das uns von uns selbst trennt. Aber im Moment des Erlebens kann sie eine lebendige, klare, fast fürsorgliche Kraft sein: Sie schützt, sie grenzt ab, sie macht handlungsfähig.🔹 5. Der letzte Satz

    „sie ist und alles andere nicht.“

    Das ist eine radikale Setzung. Im Moment der Wut wird die Welt monolithisch. Wut ist ein Zustand totaler Gegenwart. Sie löscht Alternativen aus. Sie ist nicht laut, nicht chaotisch – sie ist absolut.🔥 Was das Gedicht für mich auszeichnet

    Es bleibt konsequent im Präsens: Wut ist kein Gefühl, sondern ein Zustand, der sich selbst genügt.

    Es entdämonisiert Wut, ohne sie zu verharmlosen.

    Es zeigt sie als Elementarkraft, nicht als moralische Kategorie.

    Es arbeitet mit langsamer, schwerer Bildsprache, die die innere Bewegung spürbar macht.

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