Gespräche mit Rüdiger: Kalter Tee | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für Januarbeinhaltet die Worte „Gewohnheitstier, absichtlich, einsetzen„.

Rüdiger hatte schon lange keinen Gastauftritt mehr auf meinem Blog. Mir sind ein bisschen die weniger komplexen philosophischen Themen ausgegangen, aber Aristoteles geht immer.

Gespräche mit Rüdiger: Kalter Tee

Jeden Nachmittag nach der Arbeit mache ich mir Tee. Manchmal probiere ich neue Sorten, aber wie ich den Tee mache, das ist immer gleich. Als ich gerade darüber nachdenken will, ob ich mein Leben etwas aufrütteln, zum Beispiel mich im Tierschutz einsetzen oder Tanzunterricht starten soll, steht Rüdiger in der Küche.

„Du bist auch ein Gewohnheitstier, oder?“

„Wie meinst du das?“, fragt er.

„Du kommst immer zur gleichen Zeit, frisst, putzt dich und dann legst du dich schlafen.“

„Hat sich etabliert.“

„Findest du das nicht langweilig?“

„Mit mehr Essen in meinem Leben wäre mir sicher weniger langweilig.“

Ich lache, öffne ihm eine Dose Nassfutter und beobachte wie Rüdiger das Essen verzehrt. Erst die Soße dann die Stückchen. Als er fertig ist, putzt er sich, dann springt er vor mir auf den Küchentisch.

„Langweile ist toll. Man muss nicht nachdenken.“ Rüdiger stupst mich an und ich kraule ihn hinter den Ohren. „Wir sind, was wir wiederholt tun. Exzellenz ist demnach keine Handlung, sondern eine Gewohnheit.“

„Das klingt nach einem deiner Philosophieleuten.“

„Aristoteles. Er meint damit, dass, wenn man gute Handlungen immer wiederholt, sie zur Gewohnheit werden und das führt zu einem glücklichen Leben.“

„Also bin ich nicht langweilig, sondern exzellent“, sage ich mit einem Augenzwinkern.

„Wenn du schlechte Handlungen zur Gewohnheit werden lässt, nicht.“

„Dann bin ich exzellent schlecht.“

„Du bist weniger witzig, als du denkst“, sagt Rüdiger und geht aus der Küche Richtung Schlafzimmer.

„In meinem Bett zu schlafen ist auf jeden Fall eine schlechte Gewohnheit“, rufe ich ihm hinterher.

„Nur für dich. Ich mag Haare im Bett.“

Ich seufze und trinke meinen kalten Tee. Auch so eine Gewohnheit, aber eher eine von Rüdiger, weil er immer kommt, wenn mein Tee fertig ist und mich dann absichtlich vom Trinken abhält. Was Aristoteles wohl dazu sagen würde?

Quelle: Eigentlich nicht von Aristoteles direkt, sondern von Will Durant aus: „The Story of Philosophy The Lives and Opinions of the Greater Philosophers“ (S. 87)

2 Kommentare zu „Gespräche mit Rüdiger: Kalter Tee | abc.etüden

  1. Rüdiger ist ein cooler Kater! 🧡 Und ich merke mal wieder, wie sehr ich den Herrn Fellträger immer noch vermisse.
    Dass gute Gewohnheiten glücklich machen, das trage ich heute mal durch den Tag. 😉 Danke für die Etüde, und danke bei dieser Gelegenheit mal wieder für die Illustration, ich finde sie nach wie vor überaus bezaubernd.
    Morgenteegrüße ☁️❄️🛋️🍵

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    1. Das denke ich mir. 😥 Der eine Kater meiner besten Freundin ist vorgestern leider verstorben. Hier ist auch etwas landunter und daher wollte ich mal wieder Rüdiger ausgraben.
      Und wegen der Grafik: Es freut mich sehr, dass sie dir gefällt. 😇♥️

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