Kannerschöpfung | Gedankenkritzelei

Das ist kein wissenschaftlicher Text, sondern eine Gedankenkritzelei. Jeden Freitag schreibe ich über etwas, das mir auf dem Herzen liegt. Wenn ich etwas wissenschatftlicher werde, bemühe ich mich keine Falschinformationen auf den Weg zu bringen. Wenn das doch passiert, lasst einen Kommentar da. Ebenso, wenn ihr Lust zu diskutieren habt oder wenn ihr eine virtuelle Umarmung braucht. Die gibt es hier gratis.

Kannerschöpfung 

Ich bin erschöpft, so allgemein, allumfassend, aber es ist Freitag und ich will meine Routine nicht aufgeben, also hier ein kleiner Rant über das Wort Burn Out:

Burn Out

Burn Out klingt immer ein bisschen so, als hätte man nicht genug Holz und deswegen kriegt man das Feuer nicht weiter zum Laufen. Es erfasst zwar den Fakt, dass man zu erschöpft ist, aber irgendwie schiebt es wieder die Schuld auf die Einzelperson. Das machen wir bei psychischen Erkrankungen/Zuständen ja sowieso. Such dir Hilfe. Mache dies, mache das. Der Fakt, dass die Person sich keine Hilfe sucht, sollte aber nie als Unvermögen gedeutet worden. Meist gibt es keine Hilfe oder es kann keine erfragt werden. 

Kann

Kann ist ein mächtiges Wort. Ich kann das nicht. Trotzdem neigen andere zu, dann Tipps zu geben, aber manchmal ist kann einfach das Ende des Satzes. Danach gibt es keine Leistung mehr, einfach nur so ein Trudeln ohne kann. Davor manchmal auch nicht, weil das Wort kann einfach schon zu viel können voraussetzt und es zu sagen erst recht.

Vielleicht sollten wir Burn Out einfach Kannerschöpfung nennen.

Ps.: Ich deaktiviere die Kommentare nicht, aber ich wäre sehr verbunden, wenn ihr keine Tipps gebt. Gerne aber, ob ihr das Wort passend findet oder andere Wörter für Burn Out besser oder ebenso passen findet.

9 Kommentare zu „Kannerschöpfung | Gedankenkritzelei

  1. Die Erschöpfung des Kann-Vermögens als Übersetzung, also Kannerschöpfung statt Burnout, finde ich sehr gut gelungen. Es ist so frei von Schuldzuweisung wie Sonnenuntergang. So wohltuend ungeeignet zum Flüstern hinter der Hand.

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  2. Für meine dunkle Zeit (es war über ein Jahr) hatte ich übrigens das Wort Gedankensabbern entwickelt. Es spiegelte meine Hilf- und Planlosigkeit sowie die Ängste des Verlustes der eigenen Kräfte wieder.

    Und erst durch 6 Wochen psychosomatische Klinik, anderthalb Jahre weg von der Arbeit und viel Verständnis meiner besseren Hälfte bin ich wieder auf dem Damm – zu 80 oder 90 Prozent, je nach dem.

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    1. Gedankensabbern finde ich auch sehr treffend. Stand mal vor jmd. und habe die Worte nicht mehr verstanden. Er hat Deutsch gesprochen, aber bei mir kam nichts bei rum. Da passt Gedankensabbern sehr gut.

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  3. Ich erlebe derzeit, dass ich immer wieder zu hören bekomme: „Sorgen Sie für Ihre Entlastung“ und dann kommen Vorschläge, die einfach nicht umsetzbar sind, weil es die Angebote, die die Entlastungfordernden vorschlagen entweder gar nicht so gibt , wie sie sie sich vorstellen, oder ich sie selbst wenn ich wollte nicht in Anspruch nehmen kann.

    IDennoch bleibt ein unausgesprochenes „selber schuld “ in der Luft hängen.

    Dabei gibt es einfach Dinge die nicht oder nur mit der Inkaufnahme noch größerer Probleme zu ändern sind.

    Und das fällt vielen scher mit anzusehen.

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