Ich solidarisiere mich Romance | Gedankenkritzelei

Das ist kein wissenschaftlicher Text, sondern eine Gedankenkritzelei. Jeden Freitag schreibe ich über etwas, das mir auf dem Herzen liegt. Wenn ich etwas wissenschatftlicher werde, bemühe ich mich keine Falschinformationen auf den Weg zu bringen. Wenn das doch passiert, lasst einen Kommentar da. Ebenso, wenn ihr Lust zu diskutieren habt oder wenn ihr eine virtuelle Umarmung braucht. Die gibt es hier gratis.

Ich solidarisiere mich Romance

Mir fällt es oft schwer, in meinen Geschichten Liebe rüberzubringen. Meist wirkt sie unbeholfen, was zu einige Charakteren passt, aber zu anderen eben nicht. Um mich inspirieren zu lassen, dachte ich, ich lese mal ein paar Sachen aus dem Romance-Genre, auch, weil ich da irgendwie noch nie was gelesen habe. Dabei ist mir etwas aufgefallen: Romance ist wahnsinnig populär und gleichzeitig wird das Genre belächelt, als sei es keine „richtige Literatur“. Warum?

Trivialliteratur

Vorher ein kurzer Rant zu dem Begriff (Unterhaltungsliteratur wird meist synonym benutzt, aber ich bleibe hier bei dem Begriff). Laut Definition ist ein Liebesroman der Trivialliteratur einer, der sich hauptsächlich an weibliche Lesende richtet und leicht zugängliche Muster verfolgt. Der Begriff ist einfach furchtbar. Alleine schon, dass der Gegenpart Hochliteratur heißt, sich also darüber stellt, nervt mich. Klar gibt es in der Aufzählung typischer Trivialliteratur auch Abenteuergeschichten und Fantasy wird oft in den Bereich verfrachtet, aber Romance-Büchern wird die Trivialität nahezu unterstellt.

Komplexität

In Romance-Büchern ist das zentrale Thema die Liebe, auch wenn die Grenze zu anderen Genres fließend ist, siehe Romantasy. Das bedeutet aber nicht, dass die Geschichten daher unterkomplex sind. Oft werden andere Themen gestreift, die auf gesellschaftliche und soziale Probleme aufmerksam machen und meist fokussierter die komplexe Gefühlswelt von Menschen thematisieren, als das zum Beispiel in vielen Thrillern der Fall ist.

Historisches Erbe

Zunächst war der Liebesroman nichts Triviales, siehe zum Beispiel Shakespeare, aber irgendwann stand der Vorwurf quasi im Raum und es wurden fortan wenige Liebesromane der Hochliteratur zugerechnet. Wenn man nur über die Komplexität redet, vielleicht teils zurecht. Es gibt durchaus Bücher, die „nur“ unterhalten wollen, aber die gibt es in allen Genres und es ist ein legitimer Ansatz, Lesende unterhalten zu wollen. Die negative Konnotation hat sich in meinen Augen verselbstständigt und sicherlich hat das auch was damit zu tun, dass Romance als Frauengenre gilt (die Huhn/Ei-Frage hier mal ausgeklammert).

Hosen runter: Mag ich Romance/Romantasy?

Ich werde wahrscheinlich auch in Zukunft weniger direkt aus dem Genre lesen. Die reinen Romance-Bücher haben mich thematisch nicht so bewegt, aber wer weiß, vielleicht finde ich da noch was. Romantasy war eher etwas für mich (ehrlich gesagt, habe ich die Grenze zwischen Fantasy und Romantasy noch nicht ganz verstanden). Ich habe zum Beispiel einige Bücher von Sarah J. Maas gelesen und mochte das Worldbuilding sehr gerne und die politischen Intrigen, ebenso die Charakterentwicklungen und wie stark Gefühle verbalisiert wurden. Mein Lieblingsgenre ist es bisher nicht. Ich würde es auf dieselbe Ebene wie Krimis und Thriller auf meiner „favorisierte Genre“-Liste packen. Ich lese vereinzelt Bücher, aber ich raste nicht aus, wenn da was Neues erscheint. Vorerst, Geschmäcker ändern sich.

Warum ich eine Lanze für das Genre brechen will

Zum einen finde ich es furchtbar unfair, ein Genre unter oder über andere zu stellen. Bücher haben unterschiedliche Zwecke, sie können unterhalten, inspirieren, ablenken, etwas lehren, die Perspektive verändern, auf Probleme aufmerksam machen und Zufluchtsort sein. Einige Bücher versuchen alles zu sein, einige fokussieren sich auf einen Zweck, wobei ich jeden davon gleichberechtigt finde. Genres sagen erstmal nur, welches Thema vordergründig diskutiert wird, was noch alles dazukommt, sagt das Genre nicht unbedingt aus, auch nicht, ob das Buch gut, schlecht, komplex oder weniger komplex ist. Romance kann genauso gut und schlecht sein, wie alle anderen Genres auch, also hört auf Genres gegeneinander auszuspielen. Lest das, was euch gefällt und freut euch, dass Bücher auch im Zeitalter von Social Media so populär sind. Egal welches Genre ihr lest, wenn ihr Bücher liebt, vereint uns das.

14 Kommentare zu „Ich solidarisiere mich Romance | Gedankenkritzelei

  1. Was mich befremdet, ist speziell bei Romance die Einteilung in Book Tropes (ich habe zwei Listen gefunden, bei dtv und Piper) und die Tatsache, dass offenbar wirklich alle Titel auf Englisch sein müssen, ggf. mit deutschen Untertiteln. Auch die Aufmachung ist irgendwie immer gleich oder zumindest sehr ähnlich, und ich fühle mich allein von der Optik her zu alt dafür … 😉 Mein Problem, zugegeben.
    Inhaltlich wiederum kann ich dir zustimmen: Ich habe einiges lesen dürfen, was ich richtig beeindruckend fand, und anderes, was den Eindruck Tiefgang einer Briefmarke hatte und mich nicht mal unterhalten hat. Hauptsache, es wird gelesen? Ja, Hauptsache. Und die Entwicklungen auf diesem Sektor sind spannend.
    Morgenkaffeegrüße ☁️🎶🛋️☕

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    1. Das habe ich auch noch nicht durchblickt. Jedes Genre hat zwar Unterkategorien (Steampunk, Cyberpunk etc zb bei SciFi) aber bei Romance sind es eklatant mehr. Ich denke mal, dass das an Booktok/Social Media liegt. Der Austausch in dem Bereich ist echt riesig.
      Die Cover finde ich btw auch furchtbar. Ich glaube auch das liegt an der Social Media-Ästhetik. Ich hoffe, das wandelt sich. Gab auch mal eine Zeit, da sahen alle Krimi-Cover gleich aus. Hat sich zum Glück gegeben.
      Morgengähngrüße zurück (Kaffee ist alle) 😅

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    1. Die Sachen, die ich gelesen habe, waren sprachlich mittelmäßig bis wirklich gut geschrieben. Romance kann genauso gut und beschissen geschrieben sein, wie alle anderen Bücher auch. Kommt auf den/die Autor*in an und nicht aufs Genre.

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    1. Literatur? Meinst du Hochliteratur? Wenn ja, doch, siehe Jane Austen, Shakespeare etc. Einige von Murakamis Geschichten sind Romance, auch wenn sie nicht unter dem Begriff vermarktet werden, weil Murakami ein großer Name ist.
      Ich finde den Begriff aber schwierig und er ist sehr deutsch. Bücher sind Bücher, warum eine Einteilung machen? Bei Musik nervt mich das auch. Was gefällt, gefällt. Ende.

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  2. Was mich an diesen „Genres“ in der (ein Begriff, der dasselbe heisst wie Trivialliteratur wenn du den Begriff nicht magst) stört ist, dass die Einteilung in zig Untergenres nur dazu führt dass die Bücher noch ein Stück klischeehafter und unorigineller werden, weil sie ja die Kriterien des Genres erfüllen müssen

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    1. Ist das so? Ich habe noch nicht viel Romance gelesen, bisher ein Kurzgeschichtenbuch und Romantasy. Die Unterteilung scheint ja ein Social Media Ding zu sein und beschreibt, was im Buch vorkommt. Kannst du in anderen Genres doch auch machen. Fantasy zb, ist das Mittelalter, Gegenwart, High Fantasy, Zwerge, Feen…
      Genre heißt doch einfach nur Thema. Entweder Thriller, Krimi, Horror oder halt Romance. Das hat mit der Einteilung in Trivial- und Hochliteratur erstmal nichts zu tun.

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  3. Das sehe ich auch so. Diese Unterteilung basiert auf Sprache und Struktur und nicht auf Themen.
    Was gefällt, gefällt, ja aber deswegen ist doch nicht alles gleich. Dass man auch den größten Schund mögen kann, unbenommen, dadurch verschwindet aber nicht der Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Text

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