Wieviel gibt man im Internet von sich preis? | Gedankenkritzelei

Das ist kein wissenschaftlicher Text, sondern eine Gedankenkritzelei. Jeden Donnerstag schreibe ich über etwas, das mir auf dem Herzen liegt. Wenn ich etwas wissenschatftlicher werde, bemühe ich mich keine Falschinformationen auf den Weg zu bringen. Wenn das doch passiert, lasst einen Kommentar da. Ebenso, wenn ihr Lust zu diskutieren habt oder wenn ihr eine virtuelle Umarmung braucht. Die gibt es hier gratis.

Wieviel gibt man im Internet von sich preis?

Da ich blogge und auf Social Media unterwegs bin, frage ich mich oft, wie viel ich bereit bin von mir zu teilen, denn alles was im Internet landet, bleibt dort. Klar kann man löschen, aber ob es damit wirklich weg ist, weiß man nicht. Vielleicht hat jemand einen Screenshot gemacht oder eine andere Seite hat den Inhalt geteilt. Ab der Sekunde, in der man etwas Online stellt, verliert man die Kontrolle darüber und das ist ein unheimliches Gefühl.

Bei allem was mein Kind betrifft ist es einfach. Ich teile niedliche Anekdoten, aber das Internet wird seinen Namen nie erfahren, genauso wann er wo ist und Details, die irgendwie so viel über ihn verraten, dass andere ihn offline identifizieren können, die uns nicht persönlich kennen. Er soll selbst einmal entscheiden können, was er mit dem Internet teilt und bis dahin möchte ich ihn genug dafür sensibilisiert haben.

Was meinen Kram angeht, das ist schwieriger. Ich teile meine Kunst online und das ist bereits ein riesiger Teil von mir und mein Foto. Das sind schon eine Menge Infos. Ich versuche nie allzu viel von meiner Wohnung zu zeigen, aber manchmal merke ich, dass ich unvorsichtig werde. Mein Wohnort ist auch schon bekannt, also so schwierig ist es nicht einzugrenzen, wo ich lebe. Das ist wirklich gruselig.

Das andere ist Persönliches. In meinen Gedichten und Texten verarbeite ich mein Innerstes, zum Beispiel mein Verhältnis zu meiner Alkoholiker-Mutter, aber auch Zweifel, Ängste, Sorgen. Oftmals ist es mir zu viel darüber nachzudenken, was ich da teile, aber es nicht zu teilen, hieße aufzuhören meine Kunst zu teilen. Es ist eine Gratwanderung. Einige Fakten halte ich bewusst zurück oder verschleiere sie, aber das ist nur ein kleiner Part von mir. Es ist eine Art Safe Space, wenn ich das Gefühl habe, zu viel zu teilen. Dann kann ich mir sagen, dass wenigstens dieser Teil von mir, nur mir gehört.

15 Kommentare zu „Wieviel gibt man im Internet von sich preis? | Gedankenkritzelei

  1. Gute Fragen! Darüber denke ich auch immer mal nach. Zumal in Zeiten, wo alles, was man preisgibt auch in falsche Hände kommen kann und was KI daraus macht, weiß man sowieso nie. Aber andererseits wollen wir ja auch andere teilhaben lassen, an dem, was wir so gestalten. Braucht immer wieder weises Abwägen. Viel Erfolg dabei!!

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  2. Ja, ich teile Deine Bedenken. Und bin, anders als früher, vorsichtiger im Netz unterwegs. Das einmalige Angeben einer Rückrufnummer reicht ja schon für Dutzende dämlicher ungefragter Angebote.

    Für Beiträge auf Twitter-X heiße ich anders, aber es folgt oder antwortet eh kaum jemand, haha.
    Auf FB bin ich artig, dass aber FB mir schon „Freunde“ vorschlug, aufgrund Jahre zurückliegender Mail-Anfrage und -Antwort, macht schon nachdenklich.

    Mein Mail-Account wurde vor vielen Jahren mit vielen Mio. anderen gehackt; noch immer landen manchmal Mails „von mir“ mit irgendwelchen Müll-Angeboten bei Bekannten.
    Es ist nun an jenen, zu begreifen, dass ich nicht „gkdz683hTlgwzvmm(at)schwachsinnfurz.com“ heiße, sondern wie jeder normale Mensch vorname.name(at) …

    Wichtig wäre auch, dass Lehrer und Eltern den iPhone-begeisterten Kids die Problematik nahebringen. Nur müssten sie selber informiert sein. Und solange Bekannte am Telefon fragen: „Ist diese Mail „gkdz683hTlgwzvmm(at)schwachsinnfurz.com“ von Dir?“ – nur weil mein Name da steht – ist noch viel zu tun …

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  3. Ich kann deine Bedenken schon nachvollziehen.
    Andersherum: Jeder der bloggt oder sich auf den diversen Social Media Plattformen herumtreibt, gibt etwas von sich preis. Manche mehr als nötig, Andere nur ein bisschen und bleiben eher anonym. Ich persönlich finde nix dabei, wenn meine Mitblogger wissen was ich so mache, wie ich heiße oder in welcher Stadt ich mich herumtreibe. 🙂

    Ich denke, wenn man sich zu viel mit „was-wäre-wenn“ Gedanken unterr Druck setzt, ist es vielleicht besser, den Blog oder den, die anderen Account(s) wo immer man sich herumtreibt, zu löschen. Das irgendwie, irgendwo etwas übrig bleibt, ist ganz normal. wie du schon sagtest, gegen Screenshots etc. kann man nichts ausrichten.

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    1. Lieber zu viel als gar nicht. Wenn ich mir die Insta-Eltern so ansehe, wird mir ganz anders. Da wissen dann tausende von Leute, wo die spielen, was etc.
      Aber auch bei mir. Ich habe mehrere tausend Follower auf Social Media und ab und an auch mal Drohungen. Da bin ich froh, dass ich vorsichtig bin und die nicht wissen, wie die mich finden können.

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      1. Du hast Drohungen? Trolle oder tippst du eher auf Leute, die du kennst?
        Ja, wenn ich teilweise sehe, was da alles auf Insta gepostet wird, da fasse ich mir auch öfters an den Kopf.

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      2. Ich hoffe Trolle, aber meist sind das Leute aus der rechten Ecke, denen etwas politisch nicht gefällt. Kp ob die das in die Tat umsetzen würden, aber die Drohungen finde ich da schon genug. Zeige ich auch fleißig alles an.

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  4. Ich glaube, es ist entscheidend, wo man sich im Leben befindet, auf welcher gesellschaftlichen Ebene – aber auch, welche Geister man mit seiner äußeren Darstellung potentiell anlockt, anlocken könnte. Selbst bin ich beruflich auf keiner Entscheider-Ebene zu finden, bin auch keine „Person öffentlichen Interesses“. Hätte es mich ins Management verschlagen (unwahrscheinliche und gewagte Hypothese 😉 ), wäre ich mit Sicherheit nicht so offen. Am Ende muss das jeder für sich selbst abwägen.

    L.G., Reiner

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  5. Liebe Katha,

    das ist ein Thema über das ich mir viel Gedanken mache, denn ich schreibe ja viel über mein Kind und nicht nur Putziges.

    Aber dass ich und diese Kind noch zusammenleben, verdanke ich zu einem großen Teil auch Menschen, die ihre schwierige Lebenssituation und ihre Weg damit im Internet geteilt haben. Meine Tür in die Blogwelt war Mareice Kaisers sehr lesenswertes „Kaiserinnenreich“, mit vielen klugen Gedanken aus feministischer Sicht über das Leben mit behinderten Kindern.

    Und auch die entscheidenden Hinweise, dass de Große Fundevogel von FAS betroffen sein könnte, erhielt ich letzlich durch Austausch im Internet und beim Kleinen scheine ich gerade so auf die richtige Spur zu geraten, während uns die Kinder- und Jugendpsychiatrie auf der Warteliste verenden lässt.

    Und auf als unser damaliger Jugendhilfeträger unsere kleine Familie auseinanderreißen wollte, bin ich letztlich auch dank des geballten Fachwissens und der moralischen Unterstützung einer virtuellen Community da rausgekommen.

    Weil ich also weiß wie wichtig dieser Mut zur Offenheit, zur Ehrlichkeit, zum Zeigen wie es wirklich ist, ist möchte ich auch meinen Teil dazu beitragen.

    Der Kleine Fundevogel weiß, dass ich über „Koboldprobleme“ im Internet schreibe und findet das (noch?) okay, ein bisschen mulmig war mir,als er angefangen hat bei Frau Stachelbeemond von meinem Account aus unter seinem Namen zu kommentieren, tröstlich , dass er einen ziemlichen Modenamen hat.

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    1. Das Internet ist auf jeden Fall auch hilfreich. Ist halt nur wichtig, dass es unseren Kiddies später nicht auf die Füße fällt. Muss man eben Vorsichtig sein und da scheinst du wie ich zu ticken. Man hinterfragt sich ständig, aber mehr als sein Bestes kann man nicht geben.

      Ui, zum Glück ist Little J da noch zu klein. Er darf aber jetzt schon entscheiden welche Fotos ich in unsere gesicherte Familiengruppe stelle. So lernen sie gleich mit, achtsam zu sein

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