Ich hasse das Wort „Trotzphase“ | Gedankenkritzelei

Das ist kein wissenschaftlicher Artikel, sondern eine Gedankenkritzelei. Es gibt selten Quellen und nirgendwo den Anspruch auf Richtigkeit. Ich bemühe mich aber, keine Falschinformationen auf den Weg zu bringen. Wenn das doch passiert, lasst einen Kommentar da. Ebenso, wenn ihr Lust zu diskutieren habt oder wenn ihr eine virtuelle Umarmung braucht. Die gibt es hier gratis.

Ich hasse das Wort „Trotzphase“

Vorangestellt, ich bin keine Pädagogin. Das hier ist reine Beobachtung und flache Recherche.

Trotzphase

Ist ja schon einfach ein dummer Term. Trotz heißt „oft auch von heftigen Gefühlsausbrüchen begleitetes Beharren auf einer Meinung oder einem Recht“. Das „Phase“ bezieht sich auf das Alter von etwa 1,5 Jahren bis etwa 4 Jahren. Ein Alter, in dem Kinder weder wissen, was eine Meinung ist noch, dass sie sowas abstraktes wie Recht haben können. Was ich bei meinem Sohn beobachte ist, dass er etwas unbedingt will, aber auch gar nicht weiß, warum er das plötzlich will. Wenn er es nicht bekommt, ist er überfordert und weiß nicht, wie er mit der Enttäuschung umgehen soll. Manchmal hilft trösten, meistens hilft bei ihm ablenken. Wenn etwas anderes seine Aufmerksamkeit fesselt, vergisst er sogar vollständig, dass er gerade unbedingt etwas wollte, was er nicht bekommen konnte. Dasselbe gilt dafür, wenn er unbedingt etwas selbst machen möchte, aber es noch nicht hinbekommt.

Erwachsenenwelt

Mein Sohn versteht nicht, was es bedeutet „zu spät an die Arbeit zu kommen“. Er erkennt noch wenige Gefahren und Konsequenzen sind auch eher so ein schwammiges Etwas. Was bedeutet es denn konkret, wenn man z.B. Wasser verschwendet oder Dinge aus Regalen im Supermarkt nimmt, weil sie spannend aussehen und wo anders hinstellt? Und was bedeutet es, wenn jemandem etwas peinlich ist? So vieles kennt und versteht mein Sohn noch nicht (manchmal beneide ich ihn) und dann kommen wir Erwachsenen und fordern, dass Kinder Dinge tun, die für sie Null Sinn ergeben. Klar, kann man erklären, aber nicht alles kann in dem Alter schon verstanden werden.

Mein Minimensch

Weil ich weiß, dass ich mehr Überblick als mein Sohn habe, frage ich mich meist zuerst „Ist das jetzt so schlimm, dass (er kurz vor dem Abendbrot noch eine Reiswaffel isst, zum dreißigsten Mal Rolltreppe fahren will oder auf den Nachhauseweg eine halbe Stunde dem Bagger zuschauen will). Oftmals ist es eben nicht so wichtig, dass wir z.B. schnell Zuhause sind und ob er jetzt mal eine Scheibe Brot weniger und dafür kurz vorher eine Reiswaffel futtert, ist eigentlich auch nicht dramatisch. Für mich ist mein Sohn kein Kind, sondern einfach ein Minimensch, der bestimmte Level (wie ein Sinn für Pünktlichkeit) noch nicht freigeschaltet hat. Trotzdem bin ich natürlich genervt, wenn etwas mit ihm nicht funktioniert oder stressig ist. Manchmal vergesse ich mir die Frage zu stellen und meist fühle ich mich danach doof. Ich bin nicht perfekt und verhalte mich dumm, genauso wie mein Sohn und wie eigentlich jeder Mensch, ob groß oder klein. Wir alle lernen dazu, Minimenschen müssen halt noch ein bisschen mehr dazulernen als die ausgewachsenen. Das macht sie nicht trotzig, sondern unbeholfen und unerfahren.

5 Kommentare zu „Ich hasse das Wort „Trotzphase“ | Gedankenkritzelei

  1. Deine Sichtweise mag ich. Mensch ist Mensch. Egal welches Alter. Dieses das ist noch ein Kind, könnte man auch umdrehen. Jeder Erwachsene ist noch ein Kind. Betrachtet man Verhaltensweisen von Erwachsenen, erkennt man schnell, Trotzphasen die auf Stunden oder Tage reduziert. Bei manchen auch Jahre. Das Kind lebt immer in uns, egal wie alt wir auch sein mögen. Denn wohin sollte es verschwunden sein? Es löst sich nicht einfach auf, es wandelt sich, aber garantiert nicht vollständig. Es ist Teil unseres Gehirns. Unser Gehirn kann es nicht eliminieren. Dazu ist es nicht imstande. Wandlung in und nicht auflösen zu. Sollten wir nie vergessen. Daher kann jeder Erwachsene sich in ein Kind, egal wie alt es gerade ist, hineinversetzen. Man muss es nur wollen.

    Gefällt 1 Person

  2. Ja, deine Sichtweise gefällt mir. Das Gleiche gilt für Erwachsene, die Probleme oder Krankheiten haben. Niemand ist perfekt, jeder Mensch ist anders. Man kann für alles superschlaue Theorien und Begriffe finden, aber verstehen ist etwas Anderes. Viel Freude mit deinem Sohn wünsche ich dir vom ganzen Herzen!

    Gefällt 1 Person

Hinterlasse einen Kommentar