Wenn man keine Ahnung hat, warum nicht einfach mal zuhören und schweigen? | Gedankenkritzelei

Das ist kein wissenschaftlicher Artikel, sondern eine Gedankenkritzelei. Es gibt selten Quellen und nirgendwo den Anspruch auf Richtigkeit. Ich bemühe mich aber, keine Falschinformationen auf den Weg zu bringen. Wenn das doch passiert, lasst einen Kommentar da. Ebenso, wenn ihr Lust zu diskutieren habt oder wenn ihr eine virtuelle Umarmung braucht. Die gibt es hier gratis.

Wenn man keine Ahnung hat, warum nicht einfach mal zuhören und schweigen?

Sobald man eine gewisse Reichweite oder Prominenz hat, scheint es Pflicht zu sein, sich zu allem zu äußern. Vor allem in dem „Konflikt“ Israel/Palästina fällt mir das auf. Jede*r äußert sich dazu, zeigt Betroffenheit und/oder schlägt sich auf eine der beiden Seiten. Ganz trickreiche Menschen Positionieren sich ohne sich zu Positionieren und zwar mit einer Captain Obvious-Aussage a la „jedes zivile Opfer ist schlimm“ oder „tote Kinder machen betroffen“.

Wenn sich Leute nicht äußern, die in der Öffentlichkeit stehen (ich bemühe mich erst gar nicht, das zu definieren), werden sie fast schon dazu genötigt. Bestes Beispiel Greta Thunberg. Warum zur Hölle sollte sich jemand, der sonst nichts mit Außenpolitik zu tun hat, dazu äußern? Bei Greta sieht man zumindest, wie schief das gehen kann. Bei Friday for Future insgesamt scheint das nun ein großes Problem zu sein, obwohl doch eigentlich niemand erwarten sollte, dass eine Klimabewegung plötzlich Nahostexpertise besitzt.

Es geht natürlich noch eine Spur schlimmer, Menschen die sich zu allem äußern, was es so an populären Themen gibt, egal ob sie davon Ahnung haben oder nicht. Prominentester Vertreter dieser Art Mensch ist Richard David Precht. Scheint auch nicht daraus zu lernen, wenn er Backlash kassiert.

Im Kleinen kommt die Positionierung noch gehäufter vor. Gefühlt jeder Social Media-Account muss etwas zu aktuellen Themen posten. Ein Schauspieler, eine Musikerin, irgendein Model ist gestorben? Mitleidsbekundung und „ich war so ein Fan“. Eine Minderheit weißt auf Missstände hin? Das Profilbild wird geändert und irgendein virales Meme geteilt. Natürlich ist Solidarität toll, aber lässt die sich überhaupt über Social Media zeigen, vor allem über sowas wie ein geändertes Profilbild? Ich zumindest fühle mich nicht repräsentierter, wenn Regenbogenflaggen als Hintergrund von Profilbildern verwendet werden.

Social Media ist eine Form von Selbstdarstellung, das ist mir bewusst, aber muss man sich zu allem positionieren, vor allem zu Dingen, von denen man null Ahnung hat? Ich steige zum Beispiel beim Israel/Palästina-Konflikt kaum durch. Ich habe mir eine Doku angesehen, ein paar Artikel gelesen und einfach gemerkt, dass die ganze Situation so komplex ist, dass ich nicht wüsste, wie ich sie jemandem erklären sollte. Ich könnte jetzt schreiben, dass es schlimm ist, wenn Menschen sterben, aber das sollte jede*r mit Empathie so empfinden. Daher finde ich es besser, wenn Menschen, die tatsächlich Ahnung oder Berater*innen mit Ahnung haben, sich äußern. Wie so etwas in positiver Form aussehen kann, sieht man derzeit bei Robert Habeck. Leider ist das die Ausnahme und ich könnte hier eine ganze Liste an Positionierungen anführen, die man als klaren Fail bezeichnen kann. Ich will einen gewissen Comedian nicht zitieren, daher meine Version:

Wenn man keine Ahnung hat, warum nicht einfach mal zuhören und schweigen?

9 Kommentare zu „Wenn man keine Ahnung hat, warum nicht einfach mal zuhören und schweigen? | Gedankenkritzelei

  1. Das ist Gesetz: Wenn du keine Ahnung hast, Mund halten!
    Nicht wie so viele, dummdreist weiterquatschen.

    Ganz ehrlich: Auch „bekannte“ Menschen müssen nicht überall ihren Senf zugeben. Hab erst letztens einen Artikel gelesen, wo anscheinend Promis wegen der Hamas – Sache befragt wurden und sich dann aufgeregt wurde, dass Zweidrittel keine Antwort gaben. Muss man ja auch nicht.
    In diesem Konflikt gibt es einfach keine objektive Meinung. Das ist Fakt.

    Wie du oben auch schon gesagt hattest, man muss auch nicht zu allem etwas posten im Social Media Bereich. Den einzigen Tod 2023, wenn ich mich recht erinnere, den ich gepostet hatte, war der von David McCallum. Ist auch schnell erklärt: Navy CIS ist meine Lieblingsserie. Das musste der Post einfach sein.

    Fridays for Future sollte sich aus der Politik raushalten. Gretas „Stand with Gaza“ und einige antisemitische Bemerkungen können dieser Bewegung schnell den Garaus machen.
    Genauso wie die Klimakleber. Waren sie erst nur nervig, kann sie jetzt keiner mehr ernst nehmen, wenn sie alles beschmieren usw.. Was hier an Reinigungsaufwand betreieben werden muss, macht jeden ökölogischen Fußabdruck unsichtbar. Da wird der Klimaschutz ausgebootet. Vom ganzen Ressourcenverbrauch rede ich schon gar nicht.

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    1. Nuja, das mit den „Klimaklebern“ ist ja ein anderes Thema, aber sie sollten halt bei ihrer Expertise bleiben bzw keine öffentlichen Statements raushauen.
      Erinnert mich auch an die Zeit, wo Unternehmen unbedingt politisch sein musste, siehe Nike oder Negativbeispiel Pepsi.

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  2. Wenn mensch politisch nicht mega interessiert ist, steigt mensch speziell da auch nicht um durch: Das Thema war vor 25 Jahren schon emotional besetzt und hochkomplex, weil so viele Faktoren reinspielen. Ich halte es wie du, versuche, keine Plattitüden abzusondern und gehe ansonsten weg, wenn ich in so etwas hineingerate. Allerdings habe ich mich vor 25 Jahren seriöser informiert gefühlt, aber vielleicht habe ich mich damals geirrt … 🤔
    Abendgrüße ☁️🍃🍵🍪

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    1. Es ist ja noch komplexer geworden, deswegen kann ich mir gut vorstellen, dass es einfacher war, sich zu informieren. Plus, wir haben zuviele Quellen und zu viele Experten. Das macht es dann auch nochmal schwieriger.
      Abendgrüße zurück. 🌜

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