Die Sache mit der Traumgeburt | Mama Gedanken

Da es mir in meiner Reihe „Schwangere Gedanken“ so viel Spaß gemacht hat, mich über Klischees und Erwartungen an Schwangere aufzuregen, habe ich mir überlegt fortzufahren, denn auch an Mütter gibt es eine Reihe von unsinnigen Erwartungen. Falls btw. jm. ein besserer Titel einfällt, nur her damit.

So, ihr kennt das ja: Macht euch einen Tee, holt euch einen Keks und los geht’s.

Die Sache mit der Traumgeburt

Den Monat vor der Geburt meines Sohnes habe ich begonnen, mir aus Neugierde Geburtsberichte durchzulesen bzw. auf YouTube anzusehen. Dabei ist mir vor allem eines aufgefallen: das Wörtchen Traumgeburt.

Traumgeburt, die
Nicht der Zeitraum der Wehen oder das Nicht-Vorhandensein von Geburtsverletzungen machen die Traumgeburt zur Traumgeburt, sondern das maximal „Natürliche“. Laut den Damen, die diesen Begriff prägen, soll eine Traumgeburt ohne Schmerzmittel auskommen, am besten Zuhause sein, noch besser in der Badewanne nur mit einer Hebamme stattfinden. Irgendwie schwebt da so eine „die Frau im Teich zieht sich das Baby selbst raus“-Romantik mit.  Natürlich definiert so nicht jede Frau dieses Wort, für einige beschreibt es nur die Idealvorstellung, wie die Geburt ablaufen soll, aber auch das finde ich problematisch.

So soll es ablaufen
Traumgeburt ist ein seltsamer Anspruch auf etwas, dass vollkommen außerhalb unserer Hände liegt. Wie die Geburt verläuft hängt von Kind, Körper und Umgebung ab, manchmal auch von Wind, Wetter und dem, was man gegessen hat. Klar, kann man versuchen einige Parameter der Geburt zu verbessern, wie die Vermeidung eines Dammrisses durch regelmäßige Massage. Dann reißt aber halt die Scheide und dagegen kann man nichts tun. Für Sie getestet von: mir. Eine Geburt wird nicht geplant (außer es ist ein Kaiserschnitt), sondern sie passiert.

Wie eine Gebärende zu sein hat
Also erstmal soll frau den Schmerz aushalten und genießen. Warum konnte mir noch niemand sagen. Was jetzt Schmerzmittel an einer Geburt schlechter machen, auch nicht. Eigentlich eine super Erfindung, dass Frauen bei der Geburt nicht vor Schmerzen halb eingehen. Das andere ist diese „natürlich“-Idee. Am Besten ganz unkompliziert ohne Arzt oder Eingriffe. Das geht so weit, dass Frauen, die einen Kaiserschnitt machen lassen, das Gefühl bekommen, versagt zu haben. Ich habe das so oft gelesen und gehört, dass es mich wütend macht.

Meine ähm Traumgeburt
Klar hatte ich auch Vorstellungen.
Punkt 1: Ich wollte unbedingt ambulant entbinden, da in Zeiten von Corona Krankenhäuser nicht unbedingt der sicherste Ort sind. War eine doofe Idee im Nachhinein. Es kann gut gehen, es kann aber auch hinterher noch Komplikationen geben und dann nochmal ins Krankenhaus zu müssen, ist richtig beschissen.
Punkt 2: Ich wollte unbedingt PDA, weil ich Schmerzen, wenn möglich, vermeide. Allerdings war es bereits zu spät dafür, als ich ankam. Mein Sohn hatte es eben eilig. War es schlimm? Glaube ja. Das Tolle ist, dass die Hormone einen die Schmerzen vollkommen vergessen lassen.
Letztendlich sind beide Punkte eben nicht gut bis gar nicht erfüllt worden. Man kann so eine Geburt eben nicht planen.

Was ziehe ich daraus?
Geburt ist was Persönliches und jeder darf frei entscheiden, aber eine Geburt als „unnatürlich“ zu labeln, weil Schmerzmittel im Spiel sind, man im Krankenhaus entbindet oder einen Kaiserschnitt machen lassen muss, ist sowas von Unfug. Eine Geburt an sich ist stressig genug, da muss man nicht auf noch ein ganzes Zelt an Erwartungen aufbauen. Und in einem sollten sich alle einige sein: Das wichtigste an einer Geburt ist, dass Baby und Mutter hinterher gesund sind.

17 Kommentare zu „Die Sache mit der Traumgeburt | Mama Gedanken

  1. Als ich mit 10 Jahren das erste Mal zu einem Zahnarzt musste, sagte dieser: ein deutscher Junge kennt keinen Schmerz und bohrte ohne Betäubung drauf los.
    So ähnlich habe ich es noch von früher im Ohr: eine deutsche Mutter beißt bei der Geburt die Zähne zusammen,während der Vater im Wirtshaus feiert.
    Siehe auch 1. Mose 3:16 – denn wie hat die Kirche immer verkündet: unter Schmerzen sollst Du Dein Kind gebären!

    Statt Gedichte schreiben hättest Du lieber mal die Bibel lesen sollen! *duck*

    Gefällt 3 Personen

  2. Vielen Dank, Katharina. und damit geht es ja erst los.
    Dann kommen all die Erwartungen und Ideen, wie eine „gute Mutter“ zu sein hat. Ich finde es einfach schrecklich, dass so viele Mutter-Bilder unreflektiert weitergegeben werden.
    Dabei will ich dir keine Angst machen – Gott bewahre. Ich bekomme das nur immer wieder mit.
    In den letzten Wochen habe ich einige pädagogische Vorträge gehalten – und immer wieder begegnen mir die Schuldgefühle von Müttern, nie genug zu tun.
    Wenn du dir dein Hinschauen und das Reflektieren bewahrst, kannst du sicher gut damit umgehen.
    Alles Liebe
    Grüße
    Judith

    Gefällt 2 Personen

    1. Ich finde das auch fürchterlich, daher schreibe ich mir das von der Seele. Zum Glück ist mein Partner auch so wie ich. Wir wissen, dass wir unser Kind lieben und unser bestes geben. Mehr geht nicht. Und was andere sagen, ist uns ziemlich egal. 😇

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      1. Spannend. An soviel kann ich mich definitiv nicht erinnern, v.a. nicht an die 1 1/2 Stunden Kreissaal, da habe ich nur noch funktioniert. Ich bin aber auch ein sehr pragmatischer Mensch. Mir war von Anfang an nur wichtig, dass Little J gesund auf die Welt kommt. 😅😇

        Gefällt 1 Person

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