Eine hutfarbene Kurzgeschichte | Gedankenkritzelei

Das ist kein wissenschaftlicher Text, sondern eine Gedankenkritzelei. Jeden Freitag schreibe ich über etwas, das mir auf dem Herzen liegt. Wenn ich etwas wissenschatftlicher werde, bemühe ich mich keine Falschinformationen auf den Weg zu bringen. Wenn das doch passiert, lasst einen Kommentar da. Ebenso, wenn ihr Lust zu diskutieren habt oder wenn ihr eine virtuelle Umarmung braucht. Die gibt es hier gratis.

Ich schreibe eigentlich für jede Runde der abc.etüden (Grüße an Christiane, falls sie das hier liest :)) eine Kurzgeschichte. Habe ich im Februar auch und dann habe ich sie vergessen zu posten. XD Sprechen wir von verpeilt. Da ich die Geschichte aber mag und mir gerade auch nichts anderes auf dem Herzen liegt, gibt es zu Gedankenkritzelei halt mal eine Geschichte von mir.

Hutfarben

Behutsam nähte er einen lilafarbenen Faden in das graue glänzende Innenfutter des Hutes ein. Dort wo der lilafarbene Faden verlief, schien das Grau ein wenig fröhlicher zu werden. Nur ein paar Zentimeter, kaum sichtbar und doch da. Von außen war der Hut schwarz, schlicht und unauffällig, wie seine künftige Trägerin. Er stellte sich vor, wie sie ihn trug, wie Tränen ihre Wangen hinunterfielen, während des letzten Grußes, und wie sie, wenn sie abends den Hut abnahm, ein kleines Leuchten in sich selbst vernahm. Lila. Für die Hoffnung, dass auch wieder hellere Tage kamen. Eigentlich war die Farbe egal, es ging um das Gefühl, dass er ihr mitgab. Lila vor Hoffnung war gängig, auch wenn die Bedeutung von den frühen Frauenbewegungen abgekupfert worden war.

Die Glocke klingelte und er nahm den Hut in die Hand. Die Tochter war überpünktlich. Als sie den Hut entgegennahm, rang sie sich ein Lächeln ab. Ein ’schön‘ formte sich auf ihren Lippen und verließ sie wieder ungesagt.

„Was ist der Unterschied zwischen einem Putzmacher und einem Hutmacher?“, fragte sie.

„Die Referenz zu Alice im Wunderland“, sagte er.

Sie lachte, kurz aber ehrlich.

„Sie können auch Hutmacher sagen. Ich bin da nicht so spitzfindig.“ Er machte einen Schritt zur Tür, weil er spürte, dass sie gehen aber nicht unhöflich sein wollte. „Grüße an ihre Mutter. Der nächste Hut wird einer mit vielen Farben. Rot oder Orange vielleicht.“

Sie nickte dankbar und ging durch die Tür, die er ihr nun offenhielt.

„Auf Wiedersehen“, hauchte sie im Vorbeigehen.

Er schloss hinter ihr ab. Heute würden keine Kunden mehr kommen und er brauchte die Ruhe, um herauszufinden, welche Farben er für den nächsten Hut verwenden sollte. Rebellisch war die Trägerin und der Hut sollte Glück bringen. Vielleicht wie ein Kleeblatt, überlegte er, und kramte nach dem grünen Filz.

16.12. – Weihnachtsfreie Zone | Adventüden

Besser spät als nie. 😓 Die liebe Christiane hat wieder den Adventüden/Adventskalender ins Leben gerufen und ich durfte auch mitmachen.

Peter saß in seinem Wohnzimmer und musterte die Engelfigur mit Posaune kritisch, die seine Mutter ihm zum Einzug geschenkt hatte. Es störte ihn nicht, dass sie regenbogenfarben war und glitzerte, sondern der Fakt, dass es Weihnachtsdeko war. Eigentlich wollte er erst mal eine Weile Abstand zu Weihnachten bekommen, denn in seinem Elternhaus sah es zur […]

16.12. – Weihnachtsfreie Zone | Adventüden

Aurora und Helios | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für November beinhaltet die Worte „Seelenverkäufer, obskur, ergattern„.

Aurora und Helios

Simone schlenderte über den Flohmarkt und hoffte ein Schnäppchen zu ergattern. Ein Stand am Ende der Hauptgasse weckte ihr Interesse. Der Mann hinter dem Tisch wirkte wie ein Ruhefels in dem Flohmarktchaos. Vor ihm ausgebreitet lagen allerhand obskurer Dinge, die man so auf den Dachböden von Großeltern fand. Sie musterte die Gegenstände und fand ein kleines Flaschenschiff. Sie besaß bereits eines, dass ihr Großvater selbst gebaut hatte, als er ein junger Mann gewesen war. Die Helios. Mittlerweile war ihr Großvater gestorben und das Schiff stand etwas schief in der Flasche, aber sie hielt es in Ehren.

 „Die Aurora“, sagte der Mann.

„Haben Sie das selbst gemacht?“, fragte Simone.

„Nein. Das war mein Vater, bevor er mit dem Seelenverkäufer aufs Meer geschippert und nie wiedergekommen ist.“

„Oh das tut mir leid.“

Der Mann lächelte. „Das ist Teil der Seefahrerei.“

„Warum verkaufen sie das Schiff? Es ist doch sicher ein Erinnerungsstück.“

„Ich glaube, sie ist einsam. Früher sah sie majestätisch aus, jetzt wirkt sie beinahe wie das Wrack, das die echte Aurora ist.“

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Putztag | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für September beinhaltet die Worte „Hausfrau, wichtig, “.

Putztag

Genervt setzte Rike ein Häkchen hinter „Müll rausbringen“. Das war Punkt drei ihrer ellenlangen To-To-Liste. Sie hatte sich zwei Tage freigenommen, weil Papierkram und Hausarbeit so lange liegengeblieben waren, aber innerlich hatte sie gehofft, dass sie ein bisschen Freizeit haben würde, in der sie ihrem Hobby nachgehen konnte: fantastische Welten in Geschichten erschaffen. Nun war schon weit nach dem Mittag und es standen noch wichtige Aufgaben an wie „Steuerunterlagen zusammensuchen“ und ihr Favorit „Backofen reinigen“ auf der Liste.

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Der Bully Fahrer | Etüdensommerpausenintermezzo

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Diesmal mit dem Etüdensommerpausenintermezzo. Ziel ist es mindestens 7 aus 12 Wörtern (siehe Bild) in einem Text unterzubringen und es muss diesmal mit Liebe zu tun haben.

Der Bully-Fahrer

Es ist Juli 2016. Ich habe gerade meine Abschlussprüfung in meiner Weiterbildung bestanden und brauche eine Pause. Viele meiner Freunde fahren aufs Rock Harz-Festival und ich habe mir das Ticket kurzfristig gegönnt, obwohl ich wirklich pleite bin. Ich brauche die Belohnung nach neun Monaten durcharbeiten. Gefühlt habe ich das Wissen, das man sich in mehreren Jahren erarbeitet, in einigen Monaten durch Imbibition in mir aufgenommen.

Alles ist gepackt und vor der Tür. Wir sind zu viert: meine beiden Mitbewohner, eine Freundin und ich. Da passt nicht alles in ein Auto, also will ein Kumpel meiner Mitbewohner vorbeikommen und uns etwas Gepäck abnehmen, schließlich hat er einen Bully.

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Am Adjektivsee | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für Juni beinhaltet die Worte „Begeisterung, lauwarm, greifen“.

Inspiriert von einem Traum. Allerdings fand meiner in einer Buchhandlung statt, wo ich aus einem Buch vorgelesen habe.

Am Adjektivsee

Vorsichtig hielt Emilia ihre Zehen ins Wasser. Zumindest die ersten Zentimeter waren lauwarm, dann wurde es kälter. Schnell zog sie den Fuß zurück. Die Idee im See schwimmen zu gehen, hatte Zuhause verlockend geklungen, aber jetzt, wo sie vor dem See stand, beschloss sie es sich auf einer Decke gemütlich zu machen und endlich das Buch zu beenden, dass sie schon vor fünfzig Seiten weglegen wollte, weil sie es schlecht geschrieben fand. Zu jeder Person gab es ein Adjektiv, ebenso zu den meisten Verben. Sie fühlte sich beim Lesen, als würde sie in einem Adjektivsee schwimmen. Immerhin ging so wenigstens ihr Verstand baden, wenn ihr Körper schon im Trocknen bleiben würde. Eigentlich las sie nur aus Trotz weiter. Sie hatte noch nie ein Buch abgebrochen und vielleicht rettete das Ende der Geschichte das Buch.

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Bunt | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für Mai beinhaltet die Worte „Kompromiss, cool, abziehen“.

Von meinem bunt-liebenden Kind inspiriert, dessen Lieblingsfarbkombination in der Mützenfarbe Niederschlag findet.

Bunt

Nachdem Julian die Mütze abgezogen hatte, fühlte er sich besser. Grau. Auch wenn er sich über Geschenke von seiner Oma freute, sie neigte dazu, ihm Farbloses zu schenken und er liebte bunt. Ihm war es egal, ob seine Kleidung modern, stylisch oder cool war, er wollte aussehen wie eine Frühlingswiese im Sonnenschein. Aber was machte er mit dieser grauen Mütze? Die Form war super. Es war ein leichter Beanie, dünn genug, dass er sie auch an warmen Bad-Hair-Days anziehen konnte. Außerdem besaß die Mütze eine Art Hubbel am Ende, sodass es, wenn er sie anhatte, fast so aussah als würde er Öhrchen darunter verstecken. Nur diese Farbe ging so gar nicht.

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Misslungenes Frühstück | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für April beinhaltet die Worte „Ameisen, unmenschlich, quellen “.

Misslungenes Frühstück

Langsam goss Martina Wasser zu dem bröseligen Pulver und beobachtete, wie das Gemisch kleine Blubberbläschen formte. Einige Stellen wurden bereits schleimig, andere hielten noch an ihrer trockenen Form fest. Wenn eine Blase platzte, flohen daraus hellbraune Teilchen, die wie Ameisen aussahen und stürzten sich in das Wassergemisch. Sie sah nochmal auf die Zubereitungsanleitung auf der Rückseite der Verpackung, fand jedoch nichts dazu, ob sie das Gemisch rühren sollte oder nicht, also ließ sie es.

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Der fast perfekte Plan | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für März beinhaltet die Worte „Milchschaum, trocken, stibitzen“.

Der fast perfekte Plan

Annalena schlich sich langsam in die Küche und schloss leise die Tür hinter sich, dann schaltete sie die Kaffeemaschine ein. Als dieser furchtbar laute Vorgang abgeschlossen war, lauschte sie an der verschlossenen Tür, doch hörte keine auffälligen Geräusche. Erleichtert holte sie den Milchschaumaufbereiter, in den sie bereits heute Morgen Milch gefüllt hatte, aus dem Kühlschrank und montierte ihn an den Kaffeeautomaten. Schnell kontrollierte sie den Füllstand von Kaffeebohnen und Wasser und dass der Auffangbehälter für den Kaffeesatz leer war, dann wählte sie das Programm „Mein Latte Macchiato“, das die perfekte Mischung aus Kaffee, Milch und Milchschaum beinhaltete.

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Kältepause | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für Februar beinhaltet die Worte „Eiswind, grundlos, wallen“.

Kältepause

Lisa war gestresst vom Wetter. Eigentlich grundlos, denn es war Ende Februar und der Frühling war zum Greifen nah. Doch durch das düstere Wetter fühlte es sich an, als würde der Winter noch ewig gehen. Nachts war es bitterkalt und wenn sie sich morgens auf den Weg zur Arbeit machte, fuhr ein Eiswind unter ihren Wintermantel und verwandelte sie in einen Eiszapfen. Außerdem wurde es einfach nicht hell. Ewig graue Wolken verhingen den Himmel. Wenn sie doch wenigstens Schnee bringen würden. Schnee machte alles besser. Er war hell, glitzerte und brachte mit seiner weißen Samtigkeit Kindheitserinnerung mit sich.

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