und dann ist wieder dieses einmal im jahr | Der Dienstag dichtet




Der Dienstag ist für mich Gedichtetag. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

Habt schöne Feiertage, egal wie oder ob ihr feiert!

und dann ist wieder dieses einmal im jahr

und dann ist wieder dieses einmal im jahr. sterne
erleuchten die fenster, lichterketten die bäume.
manchmal etwas zu hell und bunt, aber man muss
ja was zeigen. das essen ist bei vielen reichlich.
karpfen, ente, tofu, kartoffelsalat, lebkuchen und
schokoweihnachtsmänner. etwa in der reihenfolge.
bei manchen zu viel, bei anderen nicht. an die wird
wenigstens gedacht, während man unter stöhnen
große geschenkburgen stapelt. glühwein gibt es auch,
bier, wein, sekt. ein bisschen glanz zum antrinken
und um den schwelenden streit zu verdrängen. und
dann, zwischen dem ganzen schein und trara, riecht
es nach omas plätzchen, kaminfeuer, tannenzweigen.
dieses eine lied erinnert an chorgesang, vorführungen,
ans gemeinsame baumschmücken, warme schunkelnde
arme. dann linsen zwischen all den kugeln, dem glitzer
und glanz ein paar kindliche augen hervor. und dann
ist wieder dieses einmal im jahr.

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der zweifel | Der Dienstag dichtet


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der zweifel

zart knabbert er am ohrläppchen, arbeitet
sich langsam bis zum innenohr durch.
aber vielleicht. denkst du nicht? ich weiß
ja nicht. schau mal bei anderen. aber dieser
kleine fehler. raunt er. behutsam arbeitet
er sich von kleinhirn zum großhirn. tanzt
ein wenig auf meinem kopf, dann auf meiner
nasenspitze herum. um dann, ganz hungrig
von getaner arbeit, mir einmal herzhaft
in den hintern zu beißen.

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wenn wilde töne | Der Dienstag dichtet



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wenn wilde töne

wenn wilde töne meine ohren
umschwirren. bässe meine
synapsen zum schwingen
bringen. der raum bebt und
stimmengewirr wie ein sturm
durch den wald fegt. bin ich
zwischen allen und ganz bei
mir.

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wenn ein kleines bäuchlein schmerzt | Der Dienstag dichtet



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wenn ein kleines bäuchlein schmerzt

wenn ein kleines bäuchlein schmerzt,
bleibt erst einmal die welt stehen. der
Tag besteht aus nähe, streicheln, wärme.
wenn ein kleines näschen läuft, ein
leises husten erklingt, die wangen rot,
das köpflein heiß, dann kreisen viele
sorgenpartikel in großen köpfen und
liebe strömt aus offenen armen.

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langsam rieselt | Der Dienstag dichtet



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langsam rieselt

langsam rieselt die weihnachtsdeko in fenster,
gärten, auf tische, auslagen und die regale der
supermärkte. schicht um schicht stapeln sich
glitzer, bling und kitsch. ein herzhaft lachendes
plastikrentier, ein aufblasbarer schneemann,
ein glitzernder leuchtender weihnachtsmann.
immer voller werden die fenster, bis die nacht
zum tag wird. bis der weihnachtsdekoberg so
hoch ist, dass er zusammenbricht und die
weihnachtszeit mit einer schicht leuchtdioden,
batterien und bunten plastikpartikeln begräbt.
stehen bleiben nur ein paar rentiere. sie sind aus
holz, haben ein paar macken und statt glitzer
kleben erinnerungen an ihren hufen.

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weltmüde | Der Dienstag dichtet



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weltmüde

manchmal bin ich weltmüde. dann ziehe ich
meine realitätsvorhänge zu und mache es
mir in meiner eigenen welt gemütlich. hier
gibt es keine ungerechtigkeit, keine kriege,
keine sterbenden kinder, keine misshandelte
tiere, keine schlechte nachrichten. ich kuschele
mich neben meine liebsten, die mit fell und
die ohne. denke nur zwischen meinem job
und meiner freizeit. nachts träume ich von
einer welt, die nicht über meine hinausgeht.
manchmal bin ich weltmüde und wenn ich
ganz ehrlich bin, verstehe ich nicht warum
ich immer wieder zurückkehre.

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wer hätte das denn ahnen können | Der Dienstag dichtet



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Ich habe sehr lange keinen Haiku mehr geschrieben. Hier gleich drei vom Nebel inspiriert.

wer hätte das denn ahnen können

zwischen vielen kleinen hoffnungswölkchen
liegt gewitter in der luft. wir riechen bereits
die kühle feuchte des regens, erahnen die
hitze des blitzes und den ohrenbetäubenden
lärm des donners. noch weit entfernt raunt
es zwischen den kleinen wölkchen. noch
viele sonnentage entfernt. und dann plötzlich
zwischen zwei einzelne sonnenstrahlen
schiebt sich ein wirbelsturm hindurch. konnte
niemand ahnen. flüstern die wölkchen und
mischen sich unter die nahende wolkenwand.
der himmel blitzt orange, die wolken strahlen
braun und wir zucken mit den schultern. wer
hätte das denn ahnen können.

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Nebel-Haikus | Der Dienstag dichtet



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Ich habe sehr lange keinen Haiku mehr geschrieben. Hier gleich drei vom Nebel inspiriert.

Nebel-Haikus

nebel am morgen
sanft ziehen tiefe wolken
durch fahrradspeichen

der himmel atmet
undurchsichtige kälte
an durchschaubare fenster

atme ich jetzt aus
male ich mein inneres
weiß in weiße luft


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zweifel | Der Dienstag dichtet



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Ich bin gerade beim Überarbeiten meines Gedichtbandes und hier ist, wie es läuft:

zweifel

wie laub trudeln sie vom wind getrieben
über mein erdenes herz. ich will ein rotes
blatt greifen, doch eine brise weht es davon.
dann vielleicht ein braunes oder ein gelbes.
vielleicht fange ich eines dieser seltenen
matschorangenen. ein schwarzes zerbröselt
unter meinen fußsohlen. am besten wäre
es, ich würde mich in den blätterhaufen
setzen, mich fallen lassen.stattdessen hole
ich einen kescher. irgendwie muss man sie
doch greifen können, diese nervigen zweifel.

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herbstlaubmeer | Der Dienstag dichtet



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herbstlaubmeer

über mir rauscht es, unter mir
raschelt es. ich grabe meine nase
tief in die herbstwaldluft ein. atme
orangetöne, rotnuancen und das
sich langsam verflüchtigende grün.
am rande modert es. riecht nach
vergänglichkeit, nach herannahender
kälte und dunkelheit. nur wenn ich
die augen schließe. offen ertrinken
meine sinne im herbstlaubmeer.

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