
Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 23-26 beinhaltet die Worte „Örtlichkeit, sausen, unkonventionell“, gesponsert von mir.
Pecunia non olet
Frau Lokus saß wie immer auf ihrem kleinen Hocker. Er sah ziemlich schäbig aus. Seine Sitzfläche war mit rissigem und ausgeblichenem Leder überzogen und seine Beine waren über die Jahre krumm geworden. Der Chef von Frau Lokus, Herr Priem, hatte ihr mehrfach angeboten, ihn zu ersetzen, aber sie meinte, er sei perfekt eingesessen. Irgendwann hatte er aufgegeben. Natürlich konnte er ihr auch einfach einen neuen Stuhl vorsetzen, schließlich war er ihr Chef, aber ihre Beziehung war eher unkonventionell. Herr Priem hatte Respekt vor Frau Lokus und auch ein wenig Angst. Immer wenn, er etwas vorschlagen wollte, mit dem sie nicht einverstanden war, merkte er, wie es in seinen Ohren zu sausen begann und er entschied sich schnell dazu, Frau Lokus Willen nachzugeben. Eigentlich war es ihm auch egal, denn Frau Lokus war zuverlässig und bekam so viel Trinkgeld wie alle anderen Toilettenservicekräfte zusammen. Da ihm achtzig Prozent davon zustanden, beschwerte er sich nicht, auch wenn das hieß, die Personalpläne und das Interieur der Toilette Frau Lokus Willen anzupassen.
Verstehen tat er das trotzdem nicht. Einen Nachmittag nahm er sich etwas Zeit und beobachtete die Toilette. Wie bei jeder seiner Sanitäreinrichtungen gingen die Leute hinein und kamen wieder raus. Einige blieben ungewöhnlich lange, aber ein Muster erkannte Herr Priem nicht. Nach einer Stunde nahm er schließlich all seinen Mut zusammen und fragte Frau Lokus direkt: „Wie kommt es, dass sie so viel mehr Trinkgeld bekommen, als all die anderen?“
Frau Lokus sah Herrn Priem lächelnd an. „Wissen Sie, die Menschen suchen die Örtlichkeiten auf, um sich zu erleichtern. Bei einigen ist es eine direkte Folge ihrer Verdauungsprozesse, bei anderen eher eine der persönlichen Umstände.“
Herr Priem nickte höflich und beschloss nicht näher darüber nachzudenken. Im Gegensatz zu Toiletten stank Geld wenigstens nicht.

Rätselhaft, rätselhaft 😉
Und: Was soll ich von einer Toilettenfrau halten, deren Toiletten stinken, die aber trotzdem so große Erfolge hat? 🤔
Mein inneres Auge sieht dich kichern beim Schreiben … 😎
Abendgrüße 🌅🍓🍷🍪
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Die Toiletten stinken nicht, aber die Hinterlassenschaften, zumindest temporär immer mal wieder. 😜
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Frau Lokus ist ja schon mal ein Hammer-Name. Die zweite USP ist denn wohl, dass sie auch noch eine Art Lebensberatung betreibt, wie wäre sonst das viele Trinkgeld möglich?
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Ich weiß auch nicht, vielleicht kann sie auch, nicht nur metaphorisch, Scheiße in Gold verwandeln. 😂
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Die Frau Lokus *kicher* scheint ja wirklich eine höchst ungewöhnliche Person zu sein 😉
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Den Nachnamen gibt es tatsächlich. Die Dame leider nicht. Ich würde sie gerne kennenlernen. 😅
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Sie hätte wohl viel zu erzählen. Eine wirklich gute Idee. Du sprudelst ja in letzter Zeit nur so! Die Horrorgeschichte ist auch sehr atmosphärisch und spannend !
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Danke. 😊 Ich habe mir jetzt einen festen Schreibabend eingeräumt. Dadurch schreibe ich auch wieder mehr.
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DAs ist eine sehr gute Idee …
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Vielleicht betreibt sie nebenbei Wahrsagerei oder so etwas.
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Darauf bin ich gar nicht gekommen. 😅 Wer weiß?
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