Genie | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 42 + 43 beinhaltet die Worte „Billard, aktuell, gestalten, gesponsert von Allerlei Gedanken.

Genie

Wie Puppen ließ er sie über die Bühne tanzen, wie Billardkugeln über den Pooltisch wandern. Die Menschen merkten nicht wie sie manipuliert wurden, bis es zu spät war. Er war ein Genie und verbarg es so gut, sodass er nie verdächtigt wurde. Etwas komisch fanden ihn die meisten. Seine Sprache war nicht altersangemessen und er beobachtete lieber, als selbst Konversationen zu führen. Sie schoben es darauf, dass seine Eltern ihn erst so spät bekommen hatten, aber für ihn war es eine Lebenseinstellung, etwas, dass er bewusst gewählt hatte. Er wollte sich abheben, zeigen, dass er mit dem gemeinen Pöbel nichts zu tun hatte.

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strohballen | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 40 + 41 beinhaltet die Worte „zeitlupe behäbig verprassengesponsert von Werner Kastens.

Ich bin zu spät. Wollte das eigentlich Gestern noch veröffentlichen, aber dann war ich müdedoof (Kind ist wieder krank) und hab es schlicht vergessen.

strohballen

behäbig rollen die strohballen durch die
regalreihen. wie in zeitlupe sammeln sie
den nötigsten staub, rubbeln den obersten
glanz ab. es war einmal. da haben sie alles
verschüttet. etwas rollte in ritzen, bisschen
mehr in taschen, einiges in tresore. nur der
rest wurde eingesammelt. dasselbe lied
nochmal? dasselbe lied nochmal. heute ist
man müde. man rollt ängstlich herum und
hat angst nass zu werden. dabei brennt das stroh.
verprasst wurde lange nichts mehr. niemand.

Der Wind weht | Impulswerkstatt

Zettel und Federhalter. Über dem Federhalter steht Impulswerkstatt

Dies ist ein Text zu der Impulswerkstatt von Myriade. Ziel ist es etwas Kreatives zu vorgeschlagenen Bildern oder zu einer Schreibaufgabe zu erstellen. Hier könnt ihr alles darüber lesen: *KLICK*
Die aktuellen Bilder und Schreibaufgaben zur aktuellen Impulswerkstatt findet ihr hier: *KLICK*

Ich habe diesmal die erste Schreibaufgabe genommen und sie auf alle vier Bilder angwendet. Ist irgendwie so entstanden, weil es gepasst hat.

Der Wind weht

Der Wind weht über eine Brücke. Er fährt einem Mann unters Hemd, einer Frau in die kurze Hose, einem Jungen ins Haar. Der lacht. Der Mann und die Frau bemerken ihn kaum. Selbst als er stärker wird, haben sie keine Zeit für ihn. Wenigstens die Oberleitungen reagieren mit einem Knistern. Sie kitzeln und er lacht, wie der Junge.

Der Wind weht durch eine Galerie. Bilder kann er nicht bewegen, aber die Farbe auf der Oberfläche streicheln. Er reibt sich an blauen Pigmenten, grünen Roten, an Dingen, die keine eindeutige Gestalt haben und Gestalten, die wie Dinge aussehen. Zum Schluss bringt er die Flyer neben dem Eingang zum Rascheln. Zu laut. Der Aufseher sperrt ihn aus.

Der Wind weht über das tosende Meer. Er und das Wasser stacheln sich gegenseitig an. Es schunkelt und schaukelt. Ob die Fische etwas mitbekommen, fragt er sich. Er kitzelt einen, der am Haken über dem Wasser hängt, doch er bleibt stumm. Frustriert klaut der Wind einem Angler den Hut, dann saust er wieder aufs Meer hinaus.

Der Wind weht in das sanfte Abendrot. Er schickt Wolken Richtung Sonne, damit sie den Himmel anmalen. Einige wollen die Sonne verdecken, doch er hindert sie daran. Dann lässt der Wind die Blätter rascheln, damit der Abend noch stimmungsvoller wird. Ein Pärchen bleibt stehen. Sie lobt die warme Abendbrise, er bewundert die Zeichnung der Wolken.

Der Wind weht in die Nacht. Für ihn ist jeder Tag ein Erfolg, aber erst mit einem Lachen und einem Lächeln wird er vollkommen.

Speziell | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 38 + 39 beinhaltet die Worte „Regentonne, schwanken, sensibel“, gesponsert von nellindreams.

Speziell

Toms Klassenkameraden nannten ihn langweilig und eine Heulsuse. Seine Eltern sagten, er sei ein Träumer und sensibel, meinten damit aber dasselbe nur schöner formuliert. Das hätte er sicher von seiner Oma, die er nur ein paar Mal gesehen hatte, da sie selten zu Familientreffen kam. Wenn seine Eltern von ihr sprachen, nannten sie sie immer „speziell“. Erst kürzlich hatte Tom erfahren, dass das nicht immer nett gemeint war. Speziell konnte auch andersartig oder befremdlich heißen. Wenn er wie seine Großmutter war, fanden ihn andere dann auch befremdlich?

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Zuviel | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 36 + 37 beinhaltet die Worte „Brechreiz, anschmiegsam, buchstabieren“, gesponsert von Ludwig Zeidler

Ich habe einen sehr guten Kurzfilm über Gaslighting gesehen und kam so auf das Thema.

Zuviel

„Soll ich dir das etwa buchstabieren?“ schrie er.

Sie zuckte nicht einmal mehr zusammen. Die Frage stellte er immer, wenn sie etwas Dummes getan hatte. Seine Art sie zu erniedrigen, das wusste sie. Meistens. Manchmal glaubte sie ihm. Ihr wurde etwas schwindelig, trotzdem holte sie den Staubsauger und entfernte die Krümel, die nur er unter seinem Schreibtisch sah. Als sie sich bückte, um zu kontrollieren, ob nun alles sauber war, wurde ihr übel, aber sie ignorierte das Gefühl.

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Sonnenurlaub | Writing Friday

Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Thema: Die Sonne ist weg. Wie sieht das Leben auf der Erde nun aus?

Sonnenurlaub

Alles umwebende Kälte. Eiskristalle reihen sich an Eiskristalle. Die Luft ist so klar, dass jeder der hindurchsieht erfriert. Ich sitze hier unten und sehe dem Wachsen des Eises zu. Schicht um Schicht dringt es in die Erde ein. Jeden Tag kommt es ein paar Zentimeter näher und wir fliehen tiefer und tiefer in die Erde hinein, bis wir ihren Kern erreichen oder uns die Luft zum Atmen ausgeht. Es ist beklemmend und hoffnungslos und trotzdem ist da dieser eine Funke: Was wenn sie wieder aufgeht?

Als die Sonne das letzte Mal unterging, habe ich das nur bemerkt, weil ich das Licht anschalten musste. Ich ging ins Bett, in der Erwartung, dass die Sonne wieder aufgeht und ich im Sonnenschein zur Arbeit gehe. Dreißig Grad waren angesagt und ich habe gedanklich aufgestöhnt, da ich die Hitze nicht gut vertrage. Als mein Wecker um acht Uhr klingelte, wachte ich frierend auf. Es war stockduster und ich irritiert. In den Nachrichten sagten sie, dass die Sonne verschwunden war. Man sah sie von keinem Punkt der Erde aus. Das Chaos setzte in den nächsten Stunden ein. Und nun sind wir hier, unter der Erde. Eine Handvoll Menschen, die nach Wärme und Licht suchen.

Niemand weiß, was passiert ist. Vielleicht hatte uns die Sonne einfach satt. Vielleicht brauchte sie einen Ortswechsel und hat Pflichtvergessen eine Reise in eine andere Galaxie gewagt. Ich weiß nicht wie das Weltall funktioniert, aber ich hoffe, dass sie irgendwo anders eine Welt gefunden hat, die es Spaß macht zu bescheinen, mit Menschen, die ihre Wärme zu schätzen wissen.

Wenn ich groß bin | Writing Friday

Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Hatte mal Lust auf ein kleines sprachliches Experiment. 🙂

Thema: Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Wenn ich groß bin, werde ich… “ beginnt.

Wenn ich groß bin

„Wenn ich groß bin, werde ich glücklich“, sagte er, als er vier Jahre alt war.

„Wenn ich groß bin, werde ich Feuerwehrmann“, sagte er mit fünf Jahren, nachdem das Nachbarshaus gebrannt hatte.

„Wenn ich groß bin, werde ich Tierarzt“, beschloss er mit acht Jahren, als er das erste Mal mit in der Tierklinik war.

„Wenn ich groß bin, werde ich Astronaut“, sagte er schluchzend, nachdem ein halbes Jahr später sein Hund eingeschläfert werden musste.

„Wenn ich groß bin, werde ich Lehrer“, sagte er mit zehn, als er auf der Riesenrutsche feststellte, dass er Höhenangst hatte.

„Wenn ich groß bin, werde ich auf keinen Fall Lehrer“, sagte er als die Pubertät einsetzte.

„Wenn ich groß bin, werde ich auf keinen Fall wie meine Eltern“, schrie er als er sich mitten in der Pubertät befand.

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nach endlos | Writing Friday

Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Thema: Bist du eher ein Strand- oder Stadttyp? Erzähle von deinem perfekten Sommerurlaub.

nach endlos

zwischen häuserschluchten treibt mich der
wind nordwärts, bläst mich hinaus auf wilde
wogen. ich will mich im sand verbuddeln,
mit muscheln freundschaften schließen. will
wasser zwischen meinen zehen spüren. wie
die sonne meine haut küsst, ohne sie zu
verbrennen. mein haare wehen im wind,
mein herz weht hinterher. vielleicht will
ich mich einfach treiben lassen. von grau
nach blau. von eng nach weit nach endlos.

 

Der Sinn vom Urlaub | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Diesmal mit dem Etüdensommerpausenintermezzo. Ziel ist es mindestens 7 aus 12 Wörtern (siehe Bild) in einem Text unterzubringen und es muss der Satz „Eigentlich ist es schade, wie wenig wir einander kennen.“ vorkommen.

Der Sinn vom Urlaub

Dunja hasste es in aller Herrgottsfrühe aufzustehen, aber ihr Flug würde in vier Stunden gehen und sie mussten noch Frühstücken, zum Flughafen fahren und dieses ganze nervige Eincheck-Prozedere durchlaufen. Dunja hasste auch das Fliegen, aber auf Teneriffa kam man schlecht mit dem Auto. Sie rüttelte Juri wach, der sie müde anblinzelnde und dann gleich lächelte. „Urlaub“, sagte er und sprang auf.

„Nach dem Flug“, erwiderte Dunja und stellte sich vor, wie sie nach dem Einchecken ins Hotel, an den Strand schlenderten und sich in die Wellen stürzten. Dunja war eine klassische Wasserratte, während Juri lieber im Schatten blieb und las. Manchmal fragte sie sich, warum sie überhaupt gemeinsam in den Urlaub fuhren.

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Ein letztes Mal | Impulswerkstatt

Zettel und Federhalter. Über dem Federhalter steht Impulswerkstatt

Dies ist ein Text zu der Impulswerkstatt von Myriade. Ziel ist es etwas Kreatives zu vorgeschlagenen Bildern oder zu einer SChreibaufgabe zu erstellen. Hier könnt ihr alles darüber lesen: *KLICK*
Die aktuellen Bilder und Schreibaufgaben zur aktuellen Impulswerkstatt findet ihr hier: *KLICK*

Diesmal habe ich nur den Anfang der Schreibaufgabe mehrfach verwendet.

Ein letztes Mal …

Ein letztes Mal den Sonnenuntergang am späten Abend genießen. Bald werden die Tage zu früh enden, um das Farbenschauspiel an den Pflichten vorbei genießen zu können.

Ein letztes Mal mit den Kollegen schnacken, den Gang hinuntergehen und ausstempeln. Bald macht man das woanders, wo es andere Kollegen, Gänge und Stempelautomaten gibt. Irgendwie doch das gleiche, nur anders.

Ein letztes Mal das Hotelzimmer kontrollieren, dass man auch nichts vergessen haben. Nachschicken geht, ist aber immer teuer. Außerdem will man noch kurz den letzten Rest Urlaub einatmen.

Ein letztes Mal durch die beleuchtete Einkaufsstraße gehen. Bald hängen die Geschäfte die Lichterketten ab und dann ist der letzte Rest Weihnachten verschwunden.

Ein letztes Mal diesen herrlichen Rosenduft einatmen. Nach dem angekündigten Regen haben die Rosen sicherlich alle Blätter verloren und am Boden zu schnüffeln, ist irgendwie auch nicht dasselbe.

Ein letztes Mal von der süßen Verheißung namens Schokolade naschen. Es sind nur noch wenige Wochen bis zum Sommer. Alles neu kaufen ist ätzend, teuer und man will sich ja auch wohlfühlen, so schwitzend und halbnackt bei vierzig Grad.

Ein letztes Mal vom 5-Meter-Turm springen. Man würde gerne länger bleiben, aber die Eltern werden sauer, wenn man zu spät zum Abendbrot kommt. Nächste Woche dann wieder.

Ein letztes Mal den Tag beginnen. Vielleicht ist es gar nicht das letzte Mal, sondern nur ein mittendrinnen, aber vielleicht kommt heute schon das Ende.