Wintervögel | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 2 + 3 beinhaltet die Worte „Fluchtsieger, füttern, wunderbar, gesponsert von Ludwig Zeidler.

Gottlieb stand am Fenster und beobachtete die Vögel. Es waren wenige geworden über die Jahre. Gerade speisten nur eine Blaumeise und ein Grünling nebeneinander. Früher hatten um die Uhrzeit bestimmt fünfzehn seiner gefiederten Freunde dort gesessen – Buchfinken, Amseln, Blaumeisen, die ganze Palette an Wintervögeln. Er seufzte. Selbst wenn es nur noch ein Wintervogel wäre, er würde unermüdlichen weiterfüttern. Zum einen fand er den Anblick der Vögel wunderbar, zum anderen glaubte er, dass jeder noch so kleine Beitrag zum Tierschutz ein sinnvoller Beitrag war.

Wie immer holte er sich einen Tee. Als er wieder ans Fenster trat, hatte ein Taube die Blaumeise und den Grünling verscheucht. Natürlich hatten alle Tiere ihre Daseinsberechtigung, aber Tauben nervten ihn. Sie waren die unfairen Fluchtsieger. Ohne die anderen Wintervögel hatten sie so viel Nahrung, dass sie noch fetter wurden und sich noch mehr verbreiteten. Mehr als davonjagen konnte er sie auch nicht. Gottlieb stieß das Fenster auf und rief „Ksch ksch“. Aufgeschreckt flogen die Tauben davon. Hoffentlich kamen jetzt die anderen Wintervögel wieder, sicherlich aber nicht bevor sein Tee kalt wurde.

Gottlieb warf noch einen Blick auf sein mit Liebe gefertigtes Vogelhäuschen, dann setzte er sich vor den Fernseher. Eine Dokumentation über Vögel in Brasilien lief. Vielleicht sollte er auswandern, aber wer fütterte dann seine Vögel?

Kinder wie Lu | abc.etüde

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 46 + 47 beinhaltet die Worte „Rolle, halbherzig, belohnen, gesponsert von blaupause7.

Ich rege mich derzeit gerne über Kinderbücher auf. Selbst solche, die wir gerne lesen, gehen mir mit den stereotypischen Darstellungen einfach auf die Nerven.

Kinder wie Lu

Als Max sieben Jahre alt war, stellte er erschrocken fest, dass das Kind in seinem Lieblingsbuch ein Mädchen war. Bisher hatten seine Eltern immer behauptet, dass das Kind sowohl ein Junge als auch ein Mädchen sein konnte, je nachdem wer das Buch las, denn Bücher wurden erst beim Lesen zum Leben erweckt, behaupteten sie. Nun, wo er selbst lesen konnte, sah er, dass direkt auf Seite eins nicht „Kind“ sondern „Mädchen“ stand. SIE hieß auch nicht „Lu“ sondern „Luise“. Max war sauer, bisher hatte er immer wie das Kind aus dem Buch sein wollen, so kreativ und selbstbewusst. Lu malte sich sie Welt selbst mit einem großen bunten Stift, der je nach Stimmung die Farbe wechselte, daher hatte Max immer selbst Malen wollen. Jetzt wollte er nicht mehr Malen, das war anscheinend Mädchensache.

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Genie | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 42 + 43 beinhaltet die Worte „Billard, aktuell, gestalten, gesponsert von Allerlei Gedanken.

Genie

Wie Puppen ließ er sie über die Bühne tanzen, wie Billardkugeln über den Pooltisch wandern. Die Menschen merkten nicht wie sie manipuliert wurden, bis es zu spät war. Er war ein Genie und verbarg es so gut, sodass er nie verdächtigt wurde. Etwas komisch fanden ihn die meisten. Seine Sprache war nicht altersangemessen und er beobachtete lieber, als selbst Konversationen zu führen. Sie schoben es darauf, dass seine Eltern ihn erst so spät bekommen hatten, aber für ihn war es eine Lebenseinstellung, etwas, dass er bewusst gewählt hatte. Er wollte sich abheben, zeigen, dass er mit dem gemeinen Pöbel nichts zu tun hatte.

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strohballen | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 40 + 41 beinhaltet die Worte „zeitlupe behäbig verprassengesponsert von Werner Kastens.

Ich bin zu spät. Wollte das eigentlich Gestern noch veröffentlichen, aber dann war ich müdedoof (Kind ist wieder krank) und hab es schlicht vergessen.

strohballen

behäbig rollen die strohballen durch die
regalreihen. wie in zeitlupe sammeln sie
den nötigsten staub, rubbeln den obersten
glanz ab. es war einmal. da haben sie alles
verschüttet. etwas rollte in ritzen, bisschen
mehr in taschen, einiges in tresore. nur der
rest wurde eingesammelt. dasselbe lied
nochmal? dasselbe lied nochmal. heute ist
man müde. man rollt ängstlich herum und
hat angst nass zu werden. dabei brennt das stroh.
verprasst wurde lange nichts mehr. niemand.

Speziell | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 38 + 39 beinhaltet die Worte „Regentonne, schwanken, sensibel“, gesponsert von nellindreams.

Speziell

Toms Klassenkameraden nannten ihn langweilig und eine Heulsuse. Seine Eltern sagten, er sei ein Träumer und sensibel, meinten damit aber dasselbe nur schöner formuliert. Das hätte er sicher von seiner Oma, die er nur ein paar Mal gesehen hatte, da sie selten zu Familientreffen kam. Wenn seine Eltern von ihr sprachen, nannten sie sie immer „speziell“. Erst kürzlich hatte Tom erfahren, dass das nicht immer nett gemeint war. Speziell konnte auch andersartig oder befremdlich heißen. Wenn er wie seine Großmutter war, fanden ihn andere dann auch befremdlich?

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Zuviel | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 36 + 37 beinhaltet die Worte „Brechreiz, anschmiegsam, buchstabieren“, gesponsert von Ludwig Zeidler

Ich habe einen sehr guten Kurzfilm über Gaslighting gesehen und kam so auf das Thema.

Zuviel

„Soll ich dir das etwa buchstabieren?“ schrie er.

Sie zuckte nicht einmal mehr zusammen. Die Frage stellte er immer, wenn sie etwas Dummes getan hatte. Seine Art sie zu erniedrigen, das wusste sie. Meistens. Manchmal glaubte sie ihm. Ihr wurde etwas schwindelig, trotzdem holte sie den Staubsauger und entfernte die Krümel, die nur er unter seinem Schreibtisch sah. Als sie sich bückte, um zu kontrollieren, ob nun alles sauber war, wurde ihr übel, aber sie ignorierte das Gefühl.

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Der Sinn vom Urlaub | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Diesmal mit dem Etüdensommerpausenintermezzo. Ziel ist es mindestens 7 aus 12 Wörtern (siehe Bild) in einem Text unterzubringen und es muss der Satz „Eigentlich ist es schade, wie wenig wir einander kennen.“ vorkommen.

Der Sinn vom Urlaub

Dunja hasste es in aller Herrgottsfrühe aufzustehen, aber ihr Flug würde in vier Stunden gehen und sie mussten noch Frühstücken, zum Flughafen fahren und dieses ganze nervige Eincheck-Prozedere durchlaufen. Dunja hasste auch das Fliegen, aber auf Teneriffa kam man schlecht mit dem Auto. Sie rüttelte Juri wach, der sie müde anblinzelnde und dann gleich lächelte. „Urlaub“, sagte er und sprang auf.

„Nach dem Flug“, erwiderte Dunja und stellte sich vor, wie sie nach dem Einchecken ins Hotel, an den Strand schlenderten und sich in die Wellen stürzten. Dunja war eine klassische Wasserratte, während Juri lieber im Schatten blieb und las. Manchmal fragte sie sich, warum sie überhaupt gemeinsam in den Urlaub fuhren.

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Die Hütte im Wald | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 25 + 26 beinhaltet die Worte „Widergeburt blümerant antanzen“, gesponsert von Onlybatscanhang.

Die Hütte im Wald

Er atmet durch, fühlt sich etwas blümerant, nicht vollständig miserabel, aber auch nicht ausgezeichnet. Er hat auf letzteres gehofft, jetzt wo er endlich ausgebrochen ist. Vielleicht sind ihm die Walderdbeeren nicht bekommen. Er hätte sie erst im Bach abwaschen sollen, oder vielleicht ist es das Wasser vom Bach, das er getrunken hat. Er überlegt sich einen Moment hinzulegen und zu schlafen. Das kann er jetzt einfach so machen. Er hat keine Pflichten oder Termine. Er muss sich fortan nur noch um sich selbst kümmern. Ein Windhauch lässt seine Hütte erzittern.

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Itsemi Mario | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 23 + 24 beinhaltet die Worte „Yachtclub besenrein abspecken“, gesponsert von Annuschkas Northern Star.

Mir war mal danach einen sinnlosen und albernen Text zu schreiben. 😉

Itsemi Mario

„Hey du!“

Mina öffnete kurz die Augen. Sicher war die Katze über die Tastatur gelaufen und hatte ein YouTube-Video gestartet.

„Hey du.“

„Kiki, raus!“ Mina hörte ein Maunzen neben sich und sah, dass sich die Katze neben ihr eingerollt hatte.

„Bist du schwerhörig?“

Mina richtete sich so ruckartig auf, dass Kiki aufgeschreckt aus dem Zimmer rannte. Auf dem Bildschirmhintergrund zwischen all den Ordnern winkte Super Mario.

 „Ich weiß nicht, wer mir hier gerade einen Streich spielt, aber verpiss dich von meinem Rechner,“ schrie sie.

„Itsemi Mario.“

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Gespräche mit Rüdiger – Ein sinnvolles Leben | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Es ist Zeit für eine Extraetüdenrunde: Ziel ist es 5 Worte in 500 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung beinhaltet die Worte „Giraffe, mondsüchtig, suchen, Wetterbericht, ordentlich, irisieren“.

Ich wollte unbedingt mal was zu Hannah Arendt schreiben. Sie ist eine meiner Lieblingsdenkerinnen, aber es ist schwer sie kurz zusammenzufassen. Daher habe ich im Prinzip nur einen winzigen Teilaspekt herausgezogen und am Ende sogar nur 300 Wörter geschrieben. Aber egal, um Arendt gerecht zu werden, bräuchte ich wohl ein ganzes Buch.

Ein sinnvolles Leben

Es ist einer dieser nichts-will-funktionieren-Tage, als mir meine Kette reißt und die Perlen über den Küchenboden kullern. Ich seufze und betrachte die irisierenden Kugeln lustlos, wie sie so daliegen und wollen, dass ich sie wieder einsammle. Plötzlich geraten die Perlen in Bewegung und ich sehe eine Pfote durch die Balkontür schnellen. Rüdiger schiebt einige der Perlen unter den Kühlschrank, andere jagt er aus der Küche hinaus in den Flur.

„Vielen Dank für deine Hilfe. Da suche ich ja wenig, bis ich die wieder zusammen habe.“

„Gerne“, antwortet der kleine Kater und setzt sich demonstrativ vor seinen Napf.

„Du willst eine Belohnung für das Chaos?“

„Chaos?“, antwortet er.

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