Itsemi Mario | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 23 + 24 beinhaltet die Worte „Yachtclub besenrein abspecken“, gesponsert von Annuschkas Northern Star.

Mir war mal danach einen sinnlosen und albernen Text zu schreiben. 😉

Itsemi Mario

„Hey du!“

Mina öffnete kurz die Augen. Sicher war die Katze über die Tastatur gelaufen und hatte ein YouTube-Video gestartet.

„Hey du.“

„Kiki, raus!“ Mina hörte ein Maunzen neben sich und sah, dass sich die Katze neben ihr eingerollt hatte.

„Bist du schwerhörig?“

Mina richtete sich so ruckartig auf, dass Kiki aufgeschreckt aus dem Zimmer rannte. Auf dem Bildschirmhintergrund zwischen all den Ordnern winkte Super Mario.

 „Ich weiß nicht, wer mir hier gerade einen Streich spielt, aber verpiss dich von meinem Rechner,“ schrie sie.

„Itsemi Mario.“

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Gespräche mit Rüdiger – Ein sinnvolles Leben | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Es ist Zeit für eine Extraetüdenrunde: Ziel ist es 5 Worte in 500 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung beinhaltet die Worte „Giraffe, mondsüchtig, suchen, Wetterbericht, ordentlich, irisieren“.

Ich wollte unbedingt mal was zu Hannah Arendt schreiben. Sie ist eine meiner Lieblingsdenkerinnen, aber es ist schwer sie kurz zusammenzufassen. Daher habe ich im Prinzip nur einen winzigen Teilaspekt herausgezogen und am Ende sogar nur 300 Wörter geschrieben. Aber egal, um Arendt gerecht zu werden, bräuchte ich wohl ein ganzes Buch.

Ein sinnvolles Leben

Es ist einer dieser nichts-will-funktionieren-Tage, als mir meine Kette reißt und die Perlen über den Küchenboden kullern. Ich seufze und betrachte die irisierenden Kugeln lustlos, wie sie so daliegen und wollen, dass ich sie wieder einsammle. Plötzlich geraten die Perlen in Bewegung und ich sehe eine Pfote durch die Balkontür schnellen. Rüdiger schiebt einige der Perlen unter den Kühlschrank, andere jagt er aus der Küche hinaus in den Flur.

„Vielen Dank für deine Hilfe. Da suche ich ja wenig, bis ich die wieder zusammen habe.“

„Gerne“, antwortet der kleine Kater und setzt sich demonstrativ vor seinen Napf.

„Du willst eine Belohnung für das Chaos?“

„Chaos?“, antwortet er.

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Mondsüchtig | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 18 + 19 beinhaltet die Worte „Giraffe, mondsüchtig, suchen“, gesponsert von Myriade.

Mondsüchtig

Herbert konnte nicht schlafen. Seit er in Rente war, wachte er jede zweite Nacht um Punk drei auf und fand bis um fünf Uhr nicht mehr in den Schlaf. Er hatte vieles ausprobiert, von mehr Sport und weniger Sport bis hin zu Medikamenten. Nichts half. Auch heute. Der Himmel war sternenklar, also beschloss er eine Weile auf dem Balkon den Nachthimmel zu bewundern.

„Na, auch mondsüchtig?“

Herbert zuckte zusammen. Eine junge Frau winkte von dem Balkon schräg unter seinem. Sie war vielleicht zwanzig und trug einen quietschgrünen Pyjama.

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Der Fuck you-Kuchen | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 16 + 17 beinhaltet die Worte „Königskuchen, akribisch, träumen“, gesponsert von Ludwig Zeidler.

Der Fuck you-Kuchen

Mehr Schokolade oder viel mehr Schokolade? Heute war genau so ein Tag. Ilja seufzt und durchkämmt seinen Speiseschrank. Erst hatte sein Chef seine Kleidung bemängelte und dann hatte sein bester Freund nichts Besseres zu tun, als sich auf die Seite seines Chefs zu stellen. So ein Tag halt, an dem alle gegen einen waren. Heute war Ilja besonders sauer und wollte seiner Wut Luft machen, also zog er seinen schicksten Rock an und ging in den Supermarkt. Er ignorierte die schrägen Blicke und ging direkt in die Backwarenabteilung. Dort suchte er die Regale akribisch nach einer Inspiration ab. Nach einer Weile merkte er, wie ihn eine ältere Frau betrachtete.

„Kann ich ihn helfen?“ fragte er genervt, bereit einen Streit anzufangen.

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Der verrückte Tisch | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 14 + 15 beinhaltet die Worte „Erzählstoff, sanft, vibrieren“, gesponsert von mir.

Der verrückte Tisch

Sie nahm einen tiefen Atemzug. Der graue Hoodie roch nach ihm, nach Schweiß, nach dem Mittagessen von Gestern und einer heimlichen Zigarette. Das schwarze Shirt roch nach Waschpulver und einem Hauch frisch gemähtes Gras. Sicherlich hatte er es zum Trocknen in den Garten gehängt. Außer diesen Erzählstoffen gab es viele Gegenstände und Ecken in der Wohnung, die ihre eigene Geschichte erzählten. Dort in der Ecke stand eine große Vase, die die etwas abgeschabte Tapete dahinter verbarg. Das war vor einigen Monaten passiert. Sie hatte renovieren wollen, doch ihm hatte das so gar nicht gefallen. Genauso wenig die neue Reihenfolge der Bücher, doch er war zu faul es zu ändern, nachdem sie sie neu sortiert hatte. Bei der Aktion war einer der Buchbände leicht beschädigt worden. Upsi. Sie war nicht die Geschickteste, das gab sie zu. Daneben stand die Gitarre, die er lange nicht mehr benutzt hatte. Sie erinnerte sich an Abende voller sanfter Klänge, aber auch Phasen, in denen die schiefen Töne ihre Ohren belästigten.

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Die Decke | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 14 + 15 beinhaltet die Worte „Erzählstoff, sanft, vibrieren“, gesponsert von mir. 😉

Die Decke

Für Henry war der Webstuhl ein Pinsel, mit dem er Bilder in Stoff malte. Er nannte seine Arbeiten „Erzählstoffe“. Bereits in zahlreichen Ausstellungen hatte er seine Arbeiten ausgestellt und war von Kritiker hoch gelobt worden, doch mit den Jahren schien er nachzulassen. Er wurde immer weniger ausgestellt und nahm immer mehr Privataufträge an. Er wurde gut bezahlt, aber die Arbeit erfüllte ihn nicht.

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Die gehen auch zum Scheißen aufs Klo | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 12 + 13 beinhaltet die Worte „Birke, blumig, entgiften“, gesponsert von Ich lache mich gesund.

Die gehen auch zum Scheißen aufs Klo

„Das ist also dieses Internet?“, fragte Doris.

„Ja, Oma,“ antwortete ihre Enkelin Sarah und grinste dabei. Doris ließ sich nicht irritieren. Sie wusste, dass sie keine Ahnung von der neuen Technik hatte. Man konnte eben nicht alles wissen, aber man konnte alles lernen.

„Was gibt es noch? Was siehst du dir an, wenn du stundenlang auf dein Handy starrst?“

Sarah grinste. „Am liebsten bin ich auf Insta. Da kann man Bilder hochladen. Das ist so einen Art Fotoalbum.“

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Tassenfreunde | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 10 + 11 beinhaltet die Worte „Zylinder, rau, blühen“, gesponsert von MakeAChoiceAlice.

Mist. Ich habe den Beitrag auf nächsten und nicht diesen Samstag getimed und es erst eben gemerkt. Also hier meine viel zu späte Etüde.

Tassenfreunde

Die ersten Osterblumen schießen aus dem Boden, während die Veilchen bereits blühen. Der Frühling ist auf dem Vormarsch. Frau Varga holt ihren Klappstuhl aus dem kleinen Gartenhäuschen, setzt sich auf die Terrasse und breitet eine Decke über ihren Beinen aus. Die Sonne scheint zwar, aber das Wetter ist noch etwas rau. Nachts wird es kalt, bis unter null Grad, und tagsüber weht ein kalter Wind. Trotzdem will Frau Varga, wie jedes Jahr, den Frühling gebührend begrüßen. Aus ihrem Tragekorb packt sie eine Thermoskanne aus und füllt sich Tee in ihre „Die beste Oma der Welt“-Tasse ein. Der Duft von Hagebuttentee vermischt sich mit der wohlriechenden Frühlingsluft. Gerade will sie sich entspannen, als Herr Kiekenbusch von nebenan seinen Motor aufheulen lässt. Frau Varga zuckt zusammen, so sehr das etwas Tee auf den Boden tropft. Nun wird der Motor wieder leise, dafür ertönt ein Staubsauger und laute Musik. Genervt rollt sie mit den Augen. Wird sicher bald vorbei sein, denkt sie sich. Wie lange kann es dauern ein Auto zu reinigen?

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Winter im Kopf | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 8 + 9 beinhaltet die Worte „Haut, feurig, schweben“, gesponsert von Gerda Kazakou.

Winter im Kopf

Ich bleibe stehen. Sehe meinen Atem. Spüre wie die kalte Luft in meine Nase strömt und warme wieder hinaus. Zarte Schneeflocken schweben langsam auf mich herab. Es ist zu warm. Wenn sie auf den Boden treffen, verschwinden sie, als wären sie nur einer Winter-Fatamorgana. Wann gab es das letzte Mal einen richtigen Winter? Ich erinnere mich an wochenlang Schnee, an Schlittenfahren, daran, dass ich meine Moonboots länger als nur ein paar Tage tragen musste. Ich versuche den Schneemoment zu genießen, doch der Schnee lässt bereits nach wenigen Minuten wieder nach und ich frage mich, ob er wirklich war. Selbst die Kälte fühlt sich nicht echt an. Ich weiß, es gab einmal kalte Tage, bei denen meine Haut vor Kälte feurig gebrannt hat. Es gab Tage, bei denen ich Stunden brauchte, um meine Oberschenkel wieder warm zu bekommen. Ich seufze und gehe weiter.

Meine Wohnungstür lässt sich nur schwer öffnen. Von drinnen presst sich ein riesiger Schneehaufen an die Tür. Mit Gewalt schaffe ich es schließlich sie zu öffnen. Erleichtert hänge ich meinen Mantel an einem Eiszapfen auf, stelle meine Tasche in den Schneehaufen neben den Schreibtisch. Ich mache mir die letzte Tasse Kaffee des Tages und beschließe ein Buch auf der Couch zu lesen. Dank des kleinen grünen Schneeschiebers ist die Couch schnell vom Schnee befreit und ich kuschele mich in eines der großen Plüschkissen. Nochmal seufze ich. Wenigstens in meinem Kopf ist manchmal Winter.

Vor mir liegt er so da | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 6 + 7 beinhaltet die Worte „Zwerg, quer, fühlen“, gesponsert von Kain Schreiber.

Ein Nachzügler. Ich bin Gestern nicht dazu gekommen, die Etüde hier zu posten.

Vor mir liegt er so da

Vor mir liegt er so da. Quer in seinem Bettchen. Die Füße liegen an dem Gitter, der Kopf an unserem Bett. Das Gesicht auf der Seite, der Popo in die Höh.

Vor mir liegt er da so. Einfach. Klein. Ein Zwerg. Ein Minimensch. Und doch ein Richtiger. Er atmet, lacht, weint, isst, schläft, fühlt. Lebt.

Vor mir liegt er so da. Ein Herz das schlägt. Eine Lunge die atmet. Ein Magen, der Essen aufnimmt. Beine, die tragen. Hände, die greifen. Haare, die vom Kopf abstehen, wie bei einer Pusteblume.

Vor mir liegt er so da. Wenn ich seine Wange streichle, bewegt sich sein Kopf in meine Richtung. Wenn ich meine Hand in die Nähe seiner Hände halte, greifen sie danach. Lassen nicht mehr los.

Vor mir liegt er so da. Wenn ich ihn nehme, vertraut er, dass ich ihn nicht fallen lassen. Wenn er Schmerzen hat, braucht er meine Nähe, damit sie besser werden.

Vor mir liegt er so da. Je mehr er für mich fühlt, desto mehr fühle ich für ihn.

Vor mir liegt er so da. Unwirklich, wirklich. Wie ein Moment.