„Henry wartet“ | abc.etüden 14+13

*Dies ist ein Text zu den abc.Etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 14.15 beinhaltet die Worte „Tulpenzwiebel“, „kurzweilig“ und „auferstehen“.*

Wenn schon das Wort auferstehen vorkommt, muss ich ja was aus dem Bereich Horror schreiben. Ist allerdings eher humorvoll als gruselig geworden.

Henry wartet

Henry saß seit drei Stunden vor Etienne Schnabels Grab und wartete. Davon abgesehen, dass der Name fürchterlich klang, war Etienne der perfekte Kandidat für den offenen Posten. Jung, drahtig, bisschen dumm mit einem furchtbar langweiligen Leben.

Nur Pünktlichkeit war wohl nicht sein Ding. Immerhin war das Buch, das Henry gerade las kurzweilig. Es handelte von einem Teenagermädchen, das sich in einen Vampir verliebte. Wünschenswert. Wenn sie noch Teenager waren, konnte man sie gut heranziehen und später wandeln. Das hatte er die letzten Jahrhunderte mehrfach getan, und die meiste Zeit hatten sich seine Bediensteten als passabel erwiesen.
Etienne war eine Notfalleinstellung, weil sein vorheriger Bediensteter vorgestern einer nicht richtig angebrachten Gardinenstange zum Opfer gefallen war.

Gerade wollte er weiterlesen, da bewegte sich die Erde und Henry sah, wie sich Finger durch die obere Schicht Erde gruben. Kurz darauf folgte ein schmutziges Gesicht, das panisch nach Luft schnappte und eine Tulpenzwiebel ausspuckte. Die Erde vom Nachbargrab war wohl vor kurzem besäht worden. Ups.

Nach und nach grub Etienne sich frei und legte sich dann keuchend neben das Grab.

„Willkommen in der Welt der Nacht oder so. Ich habe dich gemacht, das heißt du bist mein Bediensteter. Hey, dafür kannst du ewig leben, vorausgesetzt du machst keine Dummheiten oder verärgerst mich.“

Etienne sah ihn weiterhin panisch an. Hach. Henry erinnerte sich nostalgisch, wie er damals auferstanden. Er hatte sich befreit und so beschissen gefühlt.

Henry reichte dem Neuen einen Wodka-Blut-Cocktail. „Prost! Wird besser. Jetzt brauchst du erst einmal einen gescheiten Namen. Wie wäre es mit Ludwig oder Franz? Hab gehört altdeutsche Namen sind voll im Trend.“

„Allein/einsam“ | Extraetüden

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*Dies ist ein Text zu den abc.Etüden von Christiane. Diesen Monat gibt es eine Extraetüde, d.h. man muss 5 Worte in 500 Wörter unterbringen. Aus folgenden 6 Wörtern kann gewählt werden: „Nieselregen“, „weich“, „irren“, „beißen“, „verdorben“ und „Café“.*

Ich habe Gestern einen Text über Einsamkeit gelesen, das hat mich inspiriert. Eigentlich sollte es eine Geschichte werden, aber ich konnte mich nicht für einen Protagonisten entscheiden. Jetzt gibt es acht Positionen.

Der schmale Grat zwischen allein und einsam

Vor, zurück, vor, zurück, vor und hops. Sie landet im weichen Gras und rollt sich zur Seite. Die Schaukel schwingt noch eine Weile nach. Vor, zurück, vor, zurück. Ruhe.

Der Kaffee dreht sich im Kreis und zieht langsam den Michschaum hinter sich her. Sein Löffel berührt den Tassenrand. Kling. Das Café ist voll. Er beginnt zu lesen.

Sein Zimmer ist gefüllt mit allem, was er liebt. Ein Film flimmert im TV. Er bemüht sich seinen Atem zu beruhigen. Aus und ein und aus und ein und aus. Er sitzt hier, die Anderen sind draußen.

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„Der Tanz“ | abc.etüden 12+13

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*Dies ist ein Text zu den abc.Etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 12.13 beinhaltet die Worte „Café“, „verdorben“ und „beißen“.*

Zuerst habe ich kein Thema gefunden und dann bin ich bin irgendwie über das Lesen eines Artikels über die Café-Concerts bei diesem Text gelandet.

Der Tanz

Wenn wir an Tanz denken, denken wir in Adjektiven. Tanz ist klassisch beim Walzer im Tanzsaal, traditionell beim Butoh im Tempel, verdorben beim Cancan in den Café-Concerts, spirituell beim Regentanz ums Feuer, betörend beim Bauchtanz in der Disko, ausgelassen beim Samba im Karneval in Rio.

Als der Tanz geboren wurde, wollte er aber nur ein Adjektiv sein: frei.

Frei von Vorschriften, frei von Zielen, Mustern oder Zuweisungen. Er wollte eine Bewegung sein, die nicht eine bestimmte Aufgabe erfüllt, eine Bewegung um ihrer Bewegung willen.Weiterlesen »

„Edmund“ | abc.etüden 10+11

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*Dies ist ein Text zu den abc.Etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 10.11 beinhaltet die Worte „Nieselregen“, „weich“ und „irren“.*

Irgendwie fehlen mir derzeit ein wenig die Ideen bzw. ich brauche mehr Zeit um eine Idee zu haben. Ich weiß nichtmal mehr wie ich auf Edmund kam, aber irgendwie wollte ich was über „irre sein“ schreiben und dann ist er in meinem Kopf entstanden.

Edmund

Edmund war ein kurioser Mensch. Die meiste Zeit schwieg er und starrte vor sich hin. Wenn man sich dann doch mal mit ihm unterhielt, gingen einem nach wenigen Minuten die Gesprächsthemen aus. Er schien kaum Hobbies zu haben. Musik interessierte ihn nicht. Filme fand er meist langweilig. Nur Bücher las er ab und an gerne, aber so wirklich darüber reden wollte er auch nicht. Seine Mitmenschen fanden ihn daher meist langweilig und mürrisch. Einige behaupteten sogar, er sei etwas weich in der Birne.Weiterlesen »

„Das Buch“ | abc.etüden 8+9

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Dies ist ein Text zu den abc.Etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 08.09 beinhaltet die Worte „Lesezeichen“, „altersschwach“ und „hüpfen“.

Diesmal hatte ich relativ schnell eine Idee und eine langweilige Mittagspause. Erst wollte ich ein Buch etwas erzählen lassen und dann ist irgendwie etwas ganz anderes daraus geworden.

„Das Buch“

Das Eingangsschild hüpfte auf und ab als der Bibliothekar seine Bibliothek betrat. Aus zahlreichen alten Kerzenleuchtern strömte Licht. Schon vor Jahren waren die Wachskerzen durch künstliche Kerzen ersetzt worden. Jetzt hingen Leitungen am Schaft der Leuchter und spannten sich über die Decke. Das war nicht perfekt, aber moderne Lampen hätten den Charme der alten Bibliothek zerstört.Weiterlesen »

„Verfolgt“ | abc.etüden 6+7

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Dies ist ein Text zu den abc.Etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 06.07 beinhaltet die Worte „Winterreifen“, „eifersüchtig“ und „stolpern“.

Ich habe mir vorgenommen mich ein wenig im Genre Horror auszutoben. Irgendwie haben die Wörter ganz gut dazu gepasst.
Falls übrigens jm. ein besserer Titel einfällt, gerne her damit, mir fiel partout nichts ein.

 

Verfolgt

Anka war außer Atem. Schweiß rann ihren Rücken hinunter und durchweichte ihr Viskoseshirt. Sie kauerte sich vor einen Holzschuppen, zwischen einen Stapel Winterreifen und eine Schubkarre. Nicht das beste Versteck, doch sie traute sich noch nicht zu dem angrenzenden Wald zu rennen. Dafür brauchte sie mehr Kraft.

Es roch nach Heu und Benzin. Nach und nach kämpfte sich der Mond durch die dicke Wolkendecke.Weiterlesen »

„Die Sternenreiter“ | abc.etüden 4+5

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Dies ist ein Text zu den abc.Etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 04.05 beinhaltet die Worte „Salatschüssel“, „seidig“ und „übernehmen“.

 

Die Sternenreiter

„Erster Offizier Starke, übernehmen Sie!“

„Aye, Sir.“ Starke hörte den Stress in der Stimme des Captains. Das vor ihnen liegende Phänomen glich nichts ihnen Bekanntem.

„Langsam heranfliegen. Denken Sie dran, das ist nur unser Erkundungsshuttle, nicht die Sternenreiter. Wenn es Schwerkraft besitzt, haben wir nicht genug Energie.“Weiterlesen »

„Vom Bleibeglück“ | abc.etüden 2+3.19

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Auf der Suche nach Inspiration bin ich auf die abc.Etüden von Christiane gestoßen und dachte ich probiere das auch mal: 3 Worte in 300 Zeichen. Die Schreibeinladung für die Wochen 02.02.19 beinhaltet die Worte „Abfallglück“, „Verfallsdatum“ und „unschuldig“.

Ich hatte keine Lust über Müll zu schreiben, also habe ich Abfall als Abfallen gedeutet. Das mit den 300 Worten fiel mir nicht schwer, dafür hatte ich das Problem bei meiner Idee für den Text nicht zu naiv/märchenmäßig zu schreiben.

Vom Bleibeglück

Hans stöhnte als er einen kleinen Hügel hinaufging. Der einstige Glücksjunge war in die Jahre gekommen. Statt den Weg entlang zu hüpfen, humpelte er. Statt lockere Gespräche zu führen, musste er ständig nachfragen, denn sein Gehör ließ nach. Hans hatte das Gefühl sein Verfallsdatum überschritten zu haben und wenn er ehrlich zu sich war, wartete er nur darauf, dass Gevatter Tod ihn holte.

Wie jeden Sonntag war er auf dem Weg ins Nachbarsdorf, um seinen jüngsten Enkel zu besuchen, da sah er ein Mädchen am Wegesrand sitzen, das in den Himmel sah und lächelte. Sie sah so jung und unschuldig aus, wie jemand, der mit sich im Reinen war.

„Hallo junges Mädchen. Brauchst du Hilfe?“Weiterlesen »