Im Tutorial-Dschungel

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Bremsen reparieren, Haare schneiden, PC zusammenbauen, Haute Cuisine – wer motiviert ist oder kein Geld hat, macht es selbst. Was früher das Fachbuch war, ist heute das Internet und oftmals YouTube-Videos. Das hat so seine Vor- und Nachteile und definitiv auch Gefahren.

Als während einer Weiterbildung die Bremsen meines Fahrrads plötzlich begannen auf der einen Seite zu schleifen, war ich auf dem Höhepunkt des Kein-Geld-Habens. Also beschloss ich, das selbst in die Hand zu nehmen. Schließlich ist so ein Fahrrad weniger kompliziert als ein PC und an denen bastle ich schon seit der Pubertät rum. Erstmal habe ich es mit Foren probiert, aber die schiere Menge an Information und Widersprüchen ließ mich bereits nach wenigen Minuten verzweifeln. Dazu kamen etliche Fachbegriffe und sehr umständlich beschriebene Anweisungen ohne Bilder.

Zum Glück gibt auf YouTube und anderen Videoportalen unzählige Do-it-Yourself-Videoanleitungen zu den unterschiedlichsten Themen. Überflutet ist das Internet insbesondere mit Schmink- und Style-Tutorials. Ganze YouTube-Kanäle haben sich darauf spezialisiert. Ansonsten finden sich Videos zu diversen Bau- und Reparaturarbeiten: Wie man zum Beispiel einen verstopften Ausfluss repariert, einen Router einrichtet oder eine Gartenhütte baut. Und dann gibt es noch eine große Anzahl zu den DIY-Klassikern: Kochen, Backen und Basteln.

Die Auswahl ist enorm und oftmals findet man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Wenn man die Auswahl auf den englischen Sprachraum ausweitet, ist gar kein Durchkommen mehr. Das einfachste ist es, einen Kanal zu abonnieren, der eine große Auswahl hat und dessen Protagonisten man ansprechend findet. Ich persönlich hasse z.B. Tutorials mit zu vielen Einspielern oder wenn man dort generell nicht auf den Punkt kommt.

Bei allem, was die bevorzugten Kanäle nicht abdecken, muss man sich eben durch den Tutorial-Dschungel wühlen. Detailliert Suchen ist dabei nicht immer sinnvoll, denn nicht jeder Videoersteller benennt seine Videos genau. Man schließt also zu Beginn der Suche bereits nur möglicherweise hilfreiche Tutorials aus. Am besten ist es Geduld und Zeit mitzubringen und die Kommentare unter den Videos zu lesen. Kommentatoren sind meist ehrlich und man filtert so Videos heraus, die nicht hilfreich sind.

Da ich mir eine Woche bevor meine Bremsen kaputt gingen bereits einigermaßen erfolgreich die Haare mit Hilfe eines YouTube-Videos geschnitten hatte und schon öfters Backkreationen versaut habe, wagte ich den Versuch. Letztendlich sah ich mir verschiedene Tutorials an, bis ich eines fand, das mein Problem mit der Bremse genau umschrieb und meinen limitierten Werkzeugvorrat (ein Hammer und ein Schraubenzieher mit 8 einsetzbaren Bits) berücksichtigte.

Die Bremse war schnell justiert und das Fahrrad bremste auch noch bergab. Das Ganze hielt zwei Wochen, dann schleifte sie wieder. Diesmal ging ich in die Fahrradwerkstatt der Universität, in der man unter Anleitung sein Fahrrad selbst reparieren kann. Der Mechaniker schlug die Hände über dem Kopf zusammen, reparierte schnell selbst und bat mich Reparaturen nicht an Dingen vorzunehmen, die mich das Leben kosten konnten.

Ich habe mittlerweile dazugelernt. Tutorials ziehe ich nur dann zu Rate, wenn es um ungefährliche Sachen geht wie Schminken, Themen rund um den PC, Basteln oder leichte Reparaturen. Alles was außerhalb meiner erworbenen Kenntnisse liegt, was mit Elektrik zu tun hat sowie, also allgemein alles was mich potentiell umbringen kann, überlasse ich den Fachleuten. 
Haare schneiden übrigens auch.

Ps.: Den oben abgebildeten Amerikanischen Apfelkuchen habe ich btw. selbst gebacken mit Tutorial. Er ist hohl.

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