Auf der Suche nach dem Puk

Am Freitag habe ich mein zweites Eishockey-Spiel besucht – Derby Kasseler Huskies vs Frankfurter Löwen. Über mein erstes Spiel habe ich einen Text geschrieben.

Huskies

Nach 18 Jahren in Kassel habe ich es endlich zu einem Huskys Spiel geschafft. Gewappnet mit dicker Kleidung, geliehenem Fanschal und zuvor angeeignetem Wikipedia-Wissen habe ich mich auf den Weg gemacht, unbekanntes Eis zu erforschen.

Als Kasseler nicht bei einem Huskies -Spiel gewesen zu sein, ist kein Verbrechen, verstößt aber gegen meinen Anspruch etwas lokalpatriotisch zu sein. Die zentralen Museen und Sehenswürdigkeiten kenne ich, die documenta habe ich jedes Mal besucht und vor drei Jahren war ich auf meinem ersten KSV-Spiel. Nun also ein Huskies-Spiel und dazu noch zum Auftakt der Saison.
Morgens in der Frühstückspause las ich mir vorsorglich den Wikipedia-Eintrag zu Eishockey durch.  Um ehrlich zu sein, wusste ich nicht einmal, dass sich gleichzeitig nur 6 Spieler (inclusive Torwart) einer Mannschaft auf dem Eis befinden oder dass ein Wechsel der Spieler fliegend stattfindet und nicht begrenzt ist wie beim Fußball. Fußball als Referenzpunkt zu nehmen war insgesamt nicht so schlau, aber das stellte ich erst abends fest. Ausgerüstet mit einem neuen Wortschatz mit Fachbegriffen wie Bully, Icing und Powerplay fühlte ich mich gewappnet für den Abend.
Wir standen in Block B, der seitlich an der Eisfläche direkt neben dem Block der gegnerischen Fans (Dresdner Eislöwen) liegt. Vor Kopf der Eisfläche und damit links von uns befanden sich die Huskies-Fans im sogenannten Heuboden.  Als es los ging merkte ich schnell, dass es mit den Regeln des Eishockeys nicht getan ist. Es gibt viele Rituale, die man als Außenstehender erst einmal verwirrend findet. Da gibt es zum einen den Song  „You’ll never walk alone“ beim Einlauf, bei dem jeder mitsingt, und das Mitrufen der Spielernachnamen, wenn diese vorgestellt werden, aber auch eine Menge kleinerer Bräuche während des Spiels.
Die ersten Spielminuten war ich dann weniger damit beschäftigt, die Spielregeln in Anwendung zu sehen und mit meinem Wissen zu trumpfen und mehr damit, den Puck überhaupt zu sehen. So ein Puck ist eklatant schneller als ein Fußball und vor allem kleiner. Nach 15 Minuten (es gibt 3 Spielsequenzen á 20 Minuten) bekam ich den Dreh langsam raus. Wirklich gesehen habe ich trotzdem keines der Tore – die meisten Fouls auch nicht. Immerhin erschloss sich mir bereits nach wenigen Minuten, warum im Eishockey vier Schiedsrichter gebraucht werden. Die ersten Minuten wurden diesmal allerdings nur mit 3 Schiedsrichtern bestritten, da der vierte im Stau stand. Chaos gibt es auch beim Eishockey.
Während das erste Drittel torlos blieb, startete das zweite nach wenigen Minuten mit dem ersten Tor von den Huskies und einem euphorischen Wedeln mit Fanschals. Das restliche zweite und das letzte Drittel war ich vollends integriert und begann mitzufiebern, vorausgesetzt ich sah, wo sich der Puck befand. Außerdem lernte ich eine Menge, vor allem darüber, was alles zu einem Spiel gehört. Die vielen Unterbrechungen, weil die Schiedsrichter eingreifen, die Musikeinspieler, wenn ein Spieler auf die Bank muss, dass der Erzfeind der Huskies die Frankfurter Lions sind und dass ich wirklich schlecht darin bin, die Texte von Fansongs zu verstehen.
Lange Rede kurzer Sinn – die Huskies gewannen ihr erstes Spiel und auch wenn ich keine Zeit habe, ein eingefleischter Fan zu werden (mein Herz gehört bereits dem Wrestling), war das nicht mein letztes Huskies-Spiel.

 

* veröffentlicht im TagesSatz Nov 2017

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s